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Lenin auf Schalke
Auf der Suche nach dem Osten im Westen - Gregor Sander in Gelsenkirchen
Seit dreißig Jahren betrachtet der Westen den Osten. Dreht und wendet die Ostdeutschen wie Schnitzel in der Pfanne. Es ist an der Zeit zurückzugucken. „Sander du musst in den Westen“, mit diesen Worten seines besten Freundes Schlüppi beginnt die Reise von einer goldenen Pommesbude in Ostberlin nach Gelsenkirchen. Sander wohnt hier bei Zonengabi im Glück (BRD) und ihrem Freund Ömer in einem alten Bergmannshaus. Er versucht sich zu orientieren zwischen alten Abraumhalden, nagelneuen Leninskulpturen und einer Vergangenheit, die 1000 Meter unter der Erde liegt. Gregor Sander, eine der wichtigsten Stimmen der gesamtdeutschen Literatur, nimmt uns in »Lenin auf Schalke« mit dorthin, wo der Westen arm dran ist. Keine Zeche mehr, keine Kokerei und kein Stahlwerk, die Ruhrpottluft dank Arbeitslosigkeit gereinigt und auch Schalke 04 ist inzwischen zweitklassig. Hintersinnig, klug beobachtend und mit humorvollem Ernst erzählt Sander von einem Ort, der in allen Negativstatistiken fü ärmste Stadt Deutschlands, höchste Arbeitslosigkeit, geringstes Pro-Kopf-Einkommen. Staunend entdeckt Sander eine Welt, die von der alten Bundesrepublik vergessen wurde. Nur ist Gelsenkirchen deshalb wirklich der Osten im Westen?
Seit dreißig Jahren betrachtet der Westen den Osten. Dreht und wendet die Ostdeutschen wie Schnitzel in der Pfanne. Es ist an der Zeit zurückzugucken. „Sander du musst in den Westen“, mit diesen Worten seines besten Freundes Schlüppi beginnt die Reise von einer goldenen Pommesbude in Ostberlin nach Gelsenkirchen. Sander wohnt hier bei Zonengabi im Glück (BRD) und ihrem Freund Ömer in einem alten Bergmannshaus. Er versucht sich zu orientieren zwischen alten Abraumhalden, nagelneuen Leninskulpturen und einer Vergangenheit, die 1000 Meter unter der Erde liegt. Gregor Sander, eine der wichtigsten Stimmen der gesamtdeutschen Literatur, nimmt uns in »Lenin auf Schalke« mit dorthin, wo der Westen arm dran ist. Keine Zeche mehr, keine Kokerei und kein Stahlwerk, die Ruhrpottluft dank Arbeitslosigkeit gereinigt und auch Schalke 04 ist inzwischen zweitklassig. Hintersinnig, klug beobachtend und mit humorvollem Ernst erzählt Sander von einem Ort, der in allen Negativstatistiken fü ärmste Stadt Deutschlands, höchste Arbeitslosigkeit, geringstes Pro-Kopf-Einkommen. Staunend entdeckt Sander eine Welt, die von der alten Bundesrepublik vergessen wurde. Nur ist Gelsenkirchen deshalb wirklich der Osten im Westen?
193 pages, Kindle Edition
Published March 14, 2022
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Community Reviews
Displaying 1 - 13 of 13 reviews
July 14, 2023
So ganz bin ich nicht schlau daraus geworden, was mir das Buch eigentlich sagen will. Gregor Sander reist von Berlin nach Gelsenkirchen, in die ärmste Stadt Deutschlands und sucht den Osten im Westen – sprich geschlossene Fabriken, hohe Arbeitslosigkeit, marode Infrastruktur usw.
Die Rahmenhandlung, bei der der Freund „Schlüppi“ den Autor mit markigen Worten losschickt und dieser ausgerechnet bei Schlüppis Cousine „Zonengabi“ übernachtet, war mir deutlich zu blöd.
Das Titelbild der „Titanic“ mit „Zonengabi im Glück“ war eine verrückte Idee der Macher des Magazins, die dazu eine bekannte Arzthelferin aus Bochum überredeten. Das Sander aus ihr eine naive Ostdeutsche macht, die auf dem Weg in die BRD zu dem Foto überredet wurde und jetzt von Auftritten lebt, fand ich völlig daneben.
Die Betrachtung von Gelsenkirchen beginnt sehr überheblich, ja, so wie viele Westdeutsche in den Osten geschaut haben, aber wenigstens fängt sich das Buch dann und zeigt Personen, die mit Gelsenkirchen verwachsen sind und sich hier aus verschiedenen Gründen heimisch fühlen. Es mangelt nicht an absurden Szenen: die Leninaufstellung vor der Zentrale der MLPD oder die Begegnung mit einem ehemaligen Stadtbaudirektor in einer schicken Villa zwischen lauter Zerfall. Auch die AFD fehlt in Gelsenkirchen nicht, hier trifft Sander eine gebürtige Albanierin, die sich für eine Partei einsetzt, die vor allem das Deutsche betont. Das war ganz gut in Beziehung gesetzt zu Aussagen der Autorin Enis Maci, die aus Gelsenkirchen stammt und deren Eltern aus Albanien gekommen sind. Manchmal ist der Blick liebevoll, nimmt die einfachen Typen ins Visier, zeigt die Probleme auf, die sich nicht von denen anderer Städte im Strukturwandel unterscheiden.
Vielleicht hätte ich das vor zwanzig Jahren alles ganz passend gefunden, aber heute geht mir der ganze Ossi-Wessi-Quatsch gehörig auf den Senkel. In dem Dorf, in dem ich lebe (im Osten) sind etwa die Hälfte der Einwohner aus dem Westen zugezogen, gleich Anfang der 90er Jahre. Ihre Kinder sind dort geboren und inzwischen auch schon wieder erwachsen. Wer ist da Ossi und Wessi und was soll mir diese Unterscheidung sagen? Wäre schön, wenn wir das Thema endlich begraben könnten. Und für das Aufwärmen von kaltem Kaffee, wenn auch nett gemacht, erhält das Buch nur 2 Sterne.
Die Rahmenhandlung, bei der der Freund „Schlüppi“ den Autor mit markigen Worten losschickt und dieser ausgerechnet bei Schlüppis Cousine „Zonengabi“ übernachtet, war mir deutlich zu blöd.
Das Titelbild der „Titanic“ mit „Zonengabi im Glück“ war eine verrückte Idee der Macher des Magazins, die dazu eine bekannte Arzthelferin aus Bochum überredeten. Das Sander aus ihr eine naive Ostdeutsche macht, die auf dem Weg in die BRD zu dem Foto überredet wurde und jetzt von Auftritten lebt, fand ich völlig daneben.
Die Betrachtung von Gelsenkirchen beginnt sehr überheblich, ja, so wie viele Westdeutsche in den Osten geschaut haben, aber wenigstens fängt sich das Buch dann und zeigt Personen, die mit Gelsenkirchen verwachsen sind und sich hier aus verschiedenen Gründen heimisch fühlen. Es mangelt nicht an absurden Szenen: die Leninaufstellung vor der Zentrale der MLPD oder die Begegnung mit einem ehemaligen Stadtbaudirektor in einer schicken Villa zwischen lauter Zerfall. Auch die AFD fehlt in Gelsenkirchen nicht, hier trifft Sander eine gebürtige Albanierin, die sich für eine Partei einsetzt, die vor allem das Deutsche betont. Das war ganz gut in Beziehung gesetzt zu Aussagen der Autorin Enis Maci, die aus Gelsenkirchen stammt und deren Eltern aus Albanien gekommen sind. Manchmal ist der Blick liebevoll, nimmt die einfachen Typen ins Visier, zeigt die Probleme auf, die sich nicht von denen anderer Städte im Strukturwandel unterscheiden.
Vielleicht hätte ich das vor zwanzig Jahren alles ganz passend gefunden, aber heute geht mir der ganze Ossi-Wessi-Quatsch gehörig auf den Senkel. In dem Dorf, in dem ich lebe (im Osten) sind etwa die Hälfte der Einwohner aus dem Westen zugezogen, gleich Anfang der 90er Jahre. Ihre Kinder sind dort geboren und inzwischen auch schon wieder erwachsen. Wer ist da Ossi und Wessi und was soll mir diese Unterscheidung sagen? Wäre schön, wenn wir das Thema endlich begraben könnten. Und für das Aufwärmen von kaltem Kaffee, wenn auch nett gemacht, erhält das Buch nur 2 Sterne.
Read
May 20, 2022vor dem Lesen hat sich mir die Frage gestellt, warum ein Autor aus dem Osten, der sich (verständlicherweise) daran stört, wie Westdeutsche über Ostdeutschland und Ostdeutsche reden und schreiben, so ein Buch in einem Verlag aus dem Westen veröffentlicht, aber das wundert mich jetzt eher weniger. er scheint damit jedenfalls das Publikum gefunden zu haben, die hiermit etwas anfangen können: bürgerliche Westdeutsche.
mit dem, was ich für das Ziel des Buches gehalten habe - wohlhabendere Menschen aus dem Westen, die auf den Osten herabschauen, ein bisschen bloßzustellen - hatte der Roman wenig zu tun. stattdessen wurden konstruiert klingende Unterhaltungen und teilweise zwar interessante, aber oft eher oberflächliche Beobachtungen zur Armut im Westen niedergeschrieben, die ich teilweise merkwürdig überheblich und distanziert fand. Mitleid ist nicht drin weil denk dran was die uns mit der Treuhand angetan haben!, das haben sie selber zu verantworten,…. das trifft einfach die Falschen, die herzlich wenig für die Zustände im Osten können und denen es selber nicht gut geht, und die tatsächlich Verantwortlichen sind wieder einmal fein raus. wenn man das Ignorieren von Armut in Westdeutschland anprangern will, um auch die Scheinheiligkeit in Bezug auf den Umgang mit dem Osten zu entlarven, dann doch bitte so, dass es die Wohlhabenderen mehr trifft. ich denke, profitiert hätte das Ganze wohl von mehr Länge und einer tatsächlichen Auseinandersetzung mit der Vernachlässigung des Ruhrgebiets - was ich hieraus so mitnehmen soll, weiß ich nicht ganz. vielleicht hatte ich aber auch einfach falsche Erwartungen. die 20€, die für ca. 185 Seiten auch eh ganz schön viel sind, kann man sich jedenfalls eher sparen, und wenn einen das Buch interessiert, es einfach aus der Bibliothek ausleihen.
mit dem, was ich für das Ziel des Buches gehalten habe - wohlhabendere Menschen aus dem Westen, die auf den Osten herabschauen, ein bisschen bloßzustellen - hatte der Roman wenig zu tun. stattdessen wurden konstruiert klingende Unterhaltungen und teilweise zwar interessante, aber oft eher oberflächliche Beobachtungen zur Armut im Westen niedergeschrieben, die ich teilweise merkwürdig überheblich und distanziert fand. Mitleid ist nicht drin weil denk dran was die uns mit der Treuhand angetan haben!, das haben sie selber zu verantworten,…. das trifft einfach die Falschen, die herzlich wenig für die Zustände im Osten können und denen es selber nicht gut geht, und die tatsächlich Verantwortlichen sind wieder einmal fein raus. wenn man das Ignorieren von Armut in Westdeutschland anprangern will, um auch die Scheinheiligkeit in Bezug auf den Umgang mit dem Osten zu entlarven, dann doch bitte so, dass es die Wohlhabenderen mehr trifft. ich denke, profitiert hätte das Ganze wohl von mehr Länge und einer tatsächlichen Auseinandersetzung mit der Vernachlässigung des Ruhrgebiets - was ich hieraus so mitnehmen soll, weiß ich nicht ganz. vielleicht hatte ich aber auch einfach falsche Erwartungen. die 20€, die für ca. 185 Seiten auch eh ganz schön viel sind, kann man sich jedenfalls eher sparen, und wenn einen das Buch interessiert, es einfach aus der Bibliothek ausleihen.
August 14, 2026
Schöner Gedankenspaziergang durch Gelsenkirchen
November 19, 2023
It's been a while since I finished a book in a day, but it's a quick read with 185 pages. And it's a very German story about the East and Gelsenkirchen, Germany's poorest city. Not Western Germany's poorest city: entire Germany's poorest. Despite being one of the richest a few decades back, when thousands of folks came from Yugoslavia, Turkey, Bulgaria, Spain to work in coal mining.
The story here is that the author, from East Germany, is challenged to have a look at Gelsenkirchen, "because it's always the West Germans looking at the East Germans, and never vice versa". And so he takes a train, stays with his friend's niece ("Zonen Gabi"), spends time drinking beer in "Büdchen", visits the city's cultural (and sad) tourist highlights, and see how Gelsenkirchen's only beacon of hope - Schalke 04 - loses all their matches in empty stadiums (CoVid) and heads for relegation.
Well, I enjoyed this book, first and foremost because my wife and in-laws are from, well, Gelsenkirchen, and I even recognize some areas, buildings, and hills. It can be quite depressing being in Gelsenkirchen because it is depressingly poor, and every time I visit I feel another shop has closed or replaced by another kebab shop.
So if you want to learn a thing or two about Germany's poorest city and how it compares to the East, then here you go.
The story here is that the author, from East Germany, is challenged to have a look at Gelsenkirchen, "because it's always the West Germans looking at the East Germans, and never vice versa". And so he takes a train, stays with his friend's niece ("Zonen Gabi"), spends time drinking beer in "Büdchen", visits the city's cultural (and sad) tourist highlights, and see how Gelsenkirchen's only beacon of hope - Schalke 04 - loses all their matches in empty stadiums (CoVid) and heads for relegation.
Well, I enjoyed this book, first and foremost because my wife and in-laws are from, well, Gelsenkirchen, and I even recognize some areas, buildings, and hills. It can be quite depressing being in Gelsenkirchen because it is depressingly poor, and every time I visit I feel another shop has closed or replaced by another kebab shop.
So if you want to learn a thing or two about Germany's poorest city and how it compares to the East, then here you go.
February 7, 2023
DNF
Heute ist der Buchclub, für den ich dieses Buch lesen wollte. Ich bin nicht fertig und nun fehlt mir jede Motivation, das Buch zu Ende zu lesen.
Dieses Buch ist das Äquivalent zu Urlaubsfotos von anderen Leute angucken (meine Definition von Hölle). Und die haben auch noch Urlaub in Gelsenkirchen gemacht.
Nichts passiert, außer dass Gregor Sander nach GE fährt und alles scheiße findet. Statt einfach zu sagen: "Diese Stadt ist arm und niemand hat sich nach Schließung der Kohlemienen um die Menschen und die Wirtschaft hier gekümmert." setzt er es gleich mit "der Osten im Westen".
Um mehr "Osten" in sein Buch zu bekommen, übernachtet er bei "Zonengabi" und geht zur Aufstellung von Lenin-Statuen der MLPD. Weiter bin ich nicht gekommen, denn in erster Linie ist das Buch eins: Laaaaangweilig.
Ich konnte mich nicht mal durch 180 groß bedruckter Seiten quälen, so langweilig war's.
Schon im ersten Kapitel, als Sander, Schlüppi und der Doktor bei Konnopkes ne Wurst essen, dachte ich "Oh Gott, alte weiße Männer, die sich für lustig halten und gerne so täten als wären sie noch in ihren Dreißigern."
Ich bin eindeutig nicht das richtige Publikum für dieses Buch. Oder einfach zu judgy.
Heute ist der Buchclub, für den ich dieses Buch lesen wollte. Ich bin nicht fertig und nun fehlt mir jede Motivation, das Buch zu Ende zu lesen.
Dieses Buch ist das Äquivalent zu Urlaubsfotos von anderen Leute angucken (meine Definition von Hölle). Und die haben auch noch Urlaub in Gelsenkirchen gemacht.
Nichts passiert, außer dass Gregor Sander nach GE fährt und alles scheiße findet. Statt einfach zu sagen: "Diese Stadt ist arm und niemand hat sich nach Schließung der Kohlemienen um die Menschen und die Wirtschaft hier gekümmert." setzt er es gleich mit "der Osten im Westen".
Um mehr "Osten" in sein Buch zu bekommen, übernachtet er bei "Zonengabi" und geht zur Aufstellung von Lenin-Statuen der MLPD. Weiter bin ich nicht gekommen, denn in erster Linie ist das Buch eins: Laaaaangweilig.
Ich konnte mich nicht mal durch 180 groß bedruckter Seiten quälen, so langweilig war's.
Schon im ersten Kapitel, als Sander, Schlüppi und der Doktor bei Konnopkes ne Wurst essen, dachte ich "Oh Gott, alte weiße Männer, die sich für lustig halten und gerne so täten als wären sie noch in ihren Dreißigern."
Ich bin eindeutig nicht das richtige Publikum für dieses Buch. Oder einfach zu judgy.
August 12, 2026
Ich hätte gerne noch mehr über Gelsenkirchen erfahren. Die Rahmenhandlung war doof, aber flott geschrieben.
July 8, 2024
Gut geschrieben, aber ich habe nicht wirklich eine Geschichte vorgefunden. Interessant an machen Stellen, aber es hat sich hauptsächlich nur wie eine extrem ausführliche Beschreibung von Gelsenkirchen angefühlt.
August 19, 2026
Das Allertraurigste an diesem durchgängig frustrierenden Werk ist das Desinteresse, das den Autor aus dem Osten auf seiner Reise gen Westen auszeichnet. Schon die Prämisse ist ja etwas zweifelhaft, ein Ost-Mensch besucht die Menschen in Gelsenkirchen, weil Gelsenkirchen so arm ist, dass es "der Osten im Westen" ist. Aber sei's drum, es ist schon aus Üblerem was Schönes entstanden.
Hier aber entsteht gar nix Schönes, da werden nur Vorurteile zelebriert und Stereotype gedroschen. Statt sich mit den Menschen "auf Schalke" und ihrem Ruhrgebiet zu befassen, reiht Herr Sander Gemeinheit an Gemeinplatz. Da sind die hässlichen und spießigen Menschen, die sein Stadtbild prägen, ob am Bahnhof oder auf den Radwegen, da sind die Trottel, die Fussball zur Religion erklären, da sind die Halden, deren Geschichte er genauso verhöhnt wie deren Kunst und deren Ausblicke. Desinteresse allerorten, an allem und jedem.
Zumindest scheint Herr Sander selbst gelegentlich Freude zu haben an seinen Texten, die alles heruntermachen ohne wenn und aber und vor allem ohne Recherche, von Tag 1 an; ach, eigentlich schon vorher. Dem Kenner Sander reicht dafür ein schneller Blick, und oft genug auch gar keiner -- er "kennt" sich halt aus.
Am Ende bleibt vor allem der Gedanke: Wenn der Osten mit einer solchen Verachtung auf den Westen schaut, dann sagt das vor allem ganz viel über das Desinteresse des Ostens an unserem Land als Ganzes. Das Geschwurbele von der fehlenden Wertschätzung der ostdeutschen "Lebensleistung" -- das ist in Wirklichkeit eben nicht zuletzt auch eine fast schon eindrucksvolle Ignoranz gegenüber den Lebenswirklichkeiten der "anderen" und deren "Lebensleistungen". Vielleicht hat den Verfasser aber einfach die Ansprache als "Kevin", zumal durch jemanden, dessen Familie einst zugewandert sind, zu sehr in seiner Ost-Ehre verletzt; man soll ja solche Dinge nie unterschätzen.
Wenn Herr Sander ein klein wenig hingeschaut oder gar recherchiert hätte statt Phrasen zu dreschen, dann hätte er gemerkt: Puh, bei denen in Gelsenkirchen sind noch nie die Bananen gewachsen, die es inzwischen überall im Osten zu Kampfpreisen gibt, sondern die haben in verdammt harter Arbeit Kohle aus dem Boden geholt, auf dem kaum mehr etwas stand nach 1945. Und haben sich dann in einer der radikalsten wirtschaftlichen und sozialen Transformationen probiert, die man sich vorstellen kann, unter komplizierten Umständen. Denn während sein Schwerin nach der feindlichen "Übernahme" durch den "Westen" schöner und schöner wurde, fehlen in Gelsenkirchen und dem Pott seither die dafür nötigen Gelder.
Was die Leute dort dennoch unter den Umständen für Dinge zaubern, das wäre der Stoff für ein spannendes Buch (oder zwei). Vielleicht schreibt das ja mal jemand, der sich für die Menschen und Orte tatsächlich interessiert, statt seine Freude daraus zieht, sie vorzuführen.
Ach so, ich komm nicht aus Gelsenkirchen, nicht mal aus dem "Pott". Allerdings mag ich Schalke und die Leute im Ruhrgebiet für ihr Interesse und ihre Hingebung, was den Fussball angeht und ihre Art zu Leben -- zwei Dinge, die diesem Werk ganz und gar abgehen.
Hier aber entsteht gar nix Schönes, da werden nur Vorurteile zelebriert und Stereotype gedroschen. Statt sich mit den Menschen "auf Schalke" und ihrem Ruhrgebiet zu befassen, reiht Herr Sander Gemeinheit an Gemeinplatz. Da sind die hässlichen und spießigen Menschen, die sein Stadtbild prägen, ob am Bahnhof oder auf den Radwegen, da sind die Trottel, die Fussball zur Religion erklären, da sind die Halden, deren Geschichte er genauso verhöhnt wie deren Kunst und deren Ausblicke. Desinteresse allerorten, an allem und jedem.
Zumindest scheint Herr Sander selbst gelegentlich Freude zu haben an seinen Texten, die alles heruntermachen ohne wenn und aber und vor allem ohne Recherche, von Tag 1 an; ach, eigentlich schon vorher. Dem Kenner Sander reicht dafür ein schneller Blick, und oft genug auch gar keiner -- er "kennt" sich halt aus.
Am Ende bleibt vor allem der Gedanke: Wenn der Osten mit einer solchen Verachtung auf den Westen schaut, dann sagt das vor allem ganz viel über das Desinteresse des Ostens an unserem Land als Ganzes. Das Geschwurbele von der fehlenden Wertschätzung der ostdeutschen "Lebensleistung" -- das ist in Wirklichkeit eben nicht zuletzt auch eine fast schon eindrucksvolle Ignoranz gegenüber den Lebenswirklichkeiten der "anderen" und deren "Lebensleistungen". Vielleicht hat den Verfasser aber einfach die Ansprache als "Kevin", zumal durch jemanden, dessen Familie einst zugewandert sind, zu sehr in seiner Ost-Ehre verletzt; man soll ja solche Dinge nie unterschätzen.
Wenn Herr Sander ein klein wenig hingeschaut oder gar recherchiert hätte statt Phrasen zu dreschen, dann hätte er gemerkt: Puh, bei denen in Gelsenkirchen sind noch nie die Bananen gewachsen, die es inzwischen überall im Osten zu Kampfpreisen gibt, sondern die haben in verdammt harter Arbeit Kohle aus dem Boden geholt, auf dem kaum mehr etwas stand nach 1945. Und haben sich dann in einer der radikalsten wirtschaftlichen und sozialen Transformationen probiert, die man sich vorstellen kann, unter komplizierten Umständen. Denn während sein Schwerin nach der feindlichen "Übernahme" durch den "Westen" schöner und schöner wurde, fehlen in Gelsenkirchen und dem Pott seither die dafür nötigen Gelder.
Was die Leute dort dennoch unter den Umständen für Dinge zaubern, das wäre der Stoff für ein spannendes Buch (oder zwei). Vielleicht schreibt das ja mal jemand, der sich für die Menschen und Orte tatsächlich interessiert, statt seine Freude daraus zieht, sie vorzuführen.
Ach so, ich komm nicht aus Gelsenkirchen, nicht mal aus dem "Pott". Allerdings mag ich Schalke und die Leute im Ruhrgebiet für ihr Interesse und ihre Hingebung, was den Fussball angeht und ihre Art zu Leben -- zwei Dinge, die diesem Werk ganz und gar abgehen.
April 10, 2022
Die passende Lektüre für zwischendurch - Aber alles andere als einfache Kost.
Das Buch beschreibt herzliche, witzige, traurige und authentische Situationen des Lebens in Gelsenkirchen, der ärmsten Stadt Deutschlands - dem echten ‚Osten’ im tiefen ‚Westen‘.
Das Buch ist nie ermahnend oder belehrend sondern macht vor allem Lust darauf, diese herzliche raue Gegend (mal wieder) zu besuchen!
Das Buch beschreibt herzliche, witzige, traurige und authentische Situationen des Lebens in Gelsenkirchen, der ärmsten Stadt Deutschlands - dem echten ‚Osten’ im tiefen ‚Westen‘.
Das Buch ist nie ermahnend oder belehrend sondern macht vor allem Lust darauf, diese herzliche raue Gegend (mal wieder) zu besuchen!
June 3, 2026
Ganz nettes und unterhaltsames Buch. Humorvoll wird ein Eindrucks von Gelsenkirchen und seinen Licht und Schattenseiten vermittelt. Politisch bleibt das Buch leider relativ platt und auch der Vergleich zum Osten kommt doch eher Kurz.
July 21, 2022
Nicht mein Fall... liegt v.a. auch der wenig ansprechenden Sprache...
Lesenswert jedoch: Seite 177 - 183!
Lesenswert jedoch: Seite 177 - 183!
December 28, 2025
"und ich frage mich, ob es vielleicht Glück ist, nichts vom Leben zu wollen und jeden zweiten Sonnabend in die Veltins-Arena auf Schalke zu gehen."
February 8, 2026
Ich finde, man kann den Text gelesen haben, auch wenn er irgendwie deprimierend ist. Aber trotzdem habe ich ganz viel darüber nachgedacht!
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