Ein Medicus, der in einem fragwürdigen Dienstverhältnis steht, eine Söldnerin, die ihren Dienst quittiert hat, ein Sohn, der seine Mutter sucht, ein Nivesenmädchen, dem der Verlobte abhandengekommen ist, eine Thorwalerin, die sich nach ihrem Liebhaber sehnt, ein Gauklerpaar auf Gastspielreise und ein Elf treffen in der Donnerbacher Schenke "Zum lecken Krug" aufeinander. Und dort, beflügelt von Schnaps und hitzigen Diskussionen, fassen sie den Entschluss, gemeinsam nach Uhdenberg zu ziehen, wo eine mächtige Magierin ihr Unwesen treibt. Der Roman lässt unterschiedliche Handlungsstränge in das Donnerbacher Treffen münden. Dabei lernt man die Protagonisten und ihre Vorgeschichten kennen. Und vielleicht freut sich der eine oder andere Leser, alten (inzwischen älter gewordenen) Bekannten wieder zu begegnen.
4.0 Ein ungewöhnlicher und kantiger Roman, der in der zweiten Hälfte einige Schwachstellen hat und vor allem Nostalgiker, die schon in den 90ern Ina Kramers Bücher gelesen haben, ansprechen wird. Das Buch ist zwar nicht so phantastisch und märchenhaft wie "Greetja", geht aber auch etwas in diese Richtung. Die Charaktere sind allesamt ziemlich verschroben, aber doch liebenswert. Die übermächtige Magierin ist ein wenig zu kompetent, aber das Wiedersehen mit einigen alten Bekannten versüßt das Ganze doch wieder.
Wenn es auch zwischendurch danach aussieht in eine typische Außenseiter-Queste im Stil von "Der Scharlatan" zu mutieren, überrascht das Ende dann wieder sehr - wenn es auch nicht allen gefallen wird. Bin mal gespannt auf den zweiten Teil. Zu viel Action darf man hier nicht erwarten, aber darum geht es auch nicht. Manche Ideen sind sehr niedlich oder rührend, auch wenn nicht alles gut aufgeht.
Einige weniger erfreuliche Dinge, gibt es allerdings auch. Wie schon früher sind einige der Szenen etwas holprig und peinlich oder einfach etwas konfus. Die krasse Ablehnung des Medicus gegenüber jeder Art von Abtreibung erscheint auch ziemlich 90er Jahre - besonders, da der Mann nicht sehr gläubig ist. Die schon erwähnte Magierin und einige unnötige Wiederholungen kommen auch noch dazu. Schade ist auch, dass die Nivesin Kujani nach dem Zusammentreffen aller Charaktere sehr in den Hintergrund rückt und keine Eigenperspektive mehr bekommt. Das Titelbild ist auch etwas komisch gewählt, aber immerhin kompetent in Szene gesetzt und nicht gespoilert.
Normalerweise ziehe ich fürs Korrektorat keine Punkte ab, aber ich habe selten so schlimm verhunzte Arbeit gesehen. Teilweise werden ganze Wortteile verschluckt und manchmal stehen Anführungszeichen, wo Kommas stehen sollen, so dass es schon beim bloßen Überfliegen der Seite hätte auffallen müssen.
Bis dato die schlechteste Story in einen DSA Buch die nur untergekommen ist und ich habe alles gelesen seit Der Scharlatan. Wäre das ein Roman in einer x-beliebigen Fantasywelt gewesen, ich hätte ihn nicht beendet. Die Story ist gefühlt eine reine Aneinanderreihung von Zufällen und zu viel PowerCreep bei der Antagonistin. Ich hätte mir besseres erwartet.