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Friedrich Anis ungewöhnlicher Erzählstil wird von Christoph Lindert, einem der professionellen Hörbuchsprecher, stimmig interpretiert. Mit seiner warmen Stimme trägt er die sehr realistischen Beschreibungen der Polizeiarbeit mit den minuziösen, geografischen Angaben vor; gleichzeitig schenkt er dem „zerbrechlichen“ Kommissar, der über seiner Ermittlungsarbeit an seine eigene, verletzte Kindheit erinnert wird, eine glaubwürdige, nachvollziehbare Stimme. Tabor Süden gerät in diesem Fall mehrmals an seine Grenzen. Sei es der Alkoholismus seines Kollegen und ältesten Freundes, Martin Heuer, oder die Katastrophen, die sich aus den Befragungen der alkohol- und tablettensüchtigen Mutter, des ganz und gar verschlossenen Bruders und des gefühllosen, rohen Vaters ergeben -- Christoph Lindert, der freie Film- und Fernsehschauspieler mit Bühnenerfahrung trifft die passende Tonlage für den Kommissar.
Sicher spricht er auch die unterschiedlichen, sehr gut charakterisierten Figuren. Besonders den Hauptverdächtigen, den Vater, gibt er brillant wieder. Tobias Kolb wird in seiner Lesung zum Inbegriff eines dummen, menschenverachtenden Angebers, überzeugt von seiner Potenz und seiner Schläue. Nicht weniger lebendig zeichnet er auch die kraftlose Mutter, die sich von ihrer 6-jährigen Tochter derart provoziert fühlte, dass sie das Kind schlug…
Friedrich Ani erhielt für seine Arbeit, unter anderem schreibt er auch für den Tatort Drehbücher, zahlreiche Auszeichnungen. Seine Romane mit dem Hauptkommissar Tabor Süden erhielten 2002 und 2003 den Deutschen Krimipreis. Fazit: Christoph Linderts Lesung über die Grausamkeit hinter den modernen bürgerlichen Fassaden, und die Verletzungen, die Kindern von ihren „schwachen“ Eltern zugefügt werden, ist eine beeindruckende Interpretation eines Tabu-Themas in unserer Gesellschaft. Schicht für Schicht entblättert er die Ungeheuerlichkeit, die dieses kleine „verkehrte“ Mädchen aus dem Leben getrieben hat.
Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 231 Minuten, 3 CDs. -- culture.text
192 pages, Paperback
First published July 1, 2004