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Dein Schweigen, Vater

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Das Schweigen überwinden

Was ist es, das die Geschwister Maria und Uli so umtreibt? Woher stammen ihre Blockaden, wenn es um wichtige Lebensentscheidungen geht? Haben sie etwas mit dem Schweigen ihres Vaters zu tun, der mit 12 Jahren aus seinem glücklichen Leben in Brünn gerissen wurde? Und dem es nie möglich war, über seine Erlebnisse aus dem Mai 1945 zu sprechen, als seine Familie gemeinsam mit 27.000 weiteren deutschstämmigen Bewohnern aus der Stadt vertrieben wurde? Immer deutlicher erkennen Maria und Uli, dass die traumatischen Zustände ihres Vaters in ihnen fortleben, auch sie sind Vertriebene. Und ihnen wird klar, dass sie ihre eigenen Wege gehen müssen, um das Schweigen zu durchbrechen.
Als sie sich zu einer Reise entschließen, wird schnell Es wird eine Reise zu den Wurzeln ihrer Familie …

In ihrem beeindruckenden Debüt begibt sich Susanne Benda auf die Spuren der Kriegsvergangenheit in ihrer eigenen Familie.

Bis heute zeigen sich in der Generation der zwischen Anfang der 60er- und Mitte der 70er-Jahre Geborenen - der »Kriegsenkel« - dunkle Flecke, entstanden aus dem Schweigen der Eltern und Großeltern. Für Susanne Benda ist dieses Thema ein sehr persönliches. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Familiengeschichte hat sie sich intensiv mit den Auswirkungen dieses Schweigens auseinandergesetzt. Im Anhang schildert sie die Hintergründe des »Brünner Todesmarsches«.

254 pages, Kindle Edition

Published August 24, 2022

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Frederike.
182 reviews178 followers
September 15, 2022
4,5 Sterne

Mit ihrem Debütroman „Dein Schweigen, Vater“ betritt Susanne Benda ein sensibles Pflaster, einen Teil der deutschen Geschichte, dessen Nachwirkungen sich bis in die Gegenwart zeigen. Bedrückend und in der Tonalität die damalige Nachkriegsatmosphäre hervorragend einfangend, beschreibt sie zunächst Pauls Kindheit, seine kindliche Liebelei und die Unbarmherzigkeit, mit der sich sein Leben von einem Tag auf den anderen verändern soll: Mit gerade einmal zwölf Jahren werden er und seine Familie nebst rund 27 000 deutschstämmigen Bewohner*innen aus Brünn ver- und zur Niederösterreichischen Grenze hingetrieben. Er sah Menschen sterben, vor Erschöpfung zusammenbrechen, spürte Hunger und endlose Trauer. Bereits diese ersten Seiten pochen dumpf und schneidend im Herzen und lassen dennoch nur erahnen, wie schrecklich es damals wirklich war.

Verhältnismäßig hart ist der Übergang in die Gegenwart, Zeit und Ort, politische Lage vollkommen anders. Als blättere man durch ein Fotoalbum, sieht man Szenen von Paul als jungem Familienvater, seiner Frau und seinen Kindern, die bald selbst erwachsen sind, eigene Probleme anzugehen haben. Nicht zuletzt die nahende Sprachlosigkeit ihres Vaters. Immer öfters fragen sie sich, warum sie so sind, wie sie sind: Maria wurde von ihrem Mann betrogen, wollte eigentlich mit ihm ein Jahr Auszeit nehmen, steht nun jedoch alleine da; Uli hingegen geht voll und ganz in seiner Arbeit als Schuster auf, lebt zurückgezogen und hat kaum soziale Kontakte. Beide tun sie sich schwer, die Weichen für ihr Leben, das, was sie glücklich macht, zu finden; sie haben Angst vor dem freien Fall. Fast so, als fehle ein Teil von ihnen. Ihr Leben lang wagten es beide nicht, den Vater nach seiner Kindheit, ihren Großeltern zu fragen und – nach dem „Brünner Todesmarsch“. Gemeinsam begeben sie sich auf die Spuren ihres Vaters, reisen über Umwege nach Tschechien, um die Strecke von Brünn nach Wien zu beschreiten – in der Hoffnung, sich über ihr Leben, ihre Zukunft klar zu werden.

Ich hatte ein wenig Probleme, mich in der neuen Erzählstimme einzufinden, war mir vor allem Maria anfangs nicht sonderlich sympathisch in ihrer schroffen Art, vor allem ihrem Bruder gegenüber. Aber auf gewisse Art fand ich mich als große Schwester da (leider) auch wieder, nech. Das allmähliche Herauskristallisieren, inwiefern die Traumata und das Schweigen ihres Vaters, seine Erinnerungen an den Krieg, sie zu den Menschen macht, die sie sind, hat etwas in mir in Gang gesetzt, ein Kribbeln, ebenfalls mehr über die Geschichte meiner Eltern und Großeltern erfahren zu wollen, wird mir auch oft gesagt: „Du bist genau wie Oma.“ Doch was genau, warum? Zum Ende hin etwas konstruiert und vorhersehbar, hat mich das Buch jedoch insgesamt sehr bewegt und mein Denken bereichert, hatte ich bis dahin noch nie etwas vom „Brünner Todesmarsch“ gehört, und auch persönlich betroffen gemacht, finde ich das Thema der generationsübergreifenden Traumata unglaublich spannend. Ein vor allem thematisch ungemein wichtiges und spannendes Buch, das nachhallt. Weiterführend kann ich euch die Dokumentation „Vererbte Narben - Generationsübergreifende Traumafolgen (2017)“ von Liz Wieskerstrauch sehr ans Herz legen.
1 review
July 31, 2022
„Dein Schweigen, Vater“ ist das erste Buch, das ich über die Vertreibung der Deutschen gelesen habe und ich muss sagen, es hat mich stellenweise sehr mitgenommen und aufgewühlt. Vielleicht noch zusätzlich, weil auch meine Großmutter eine Vertriebene ist und auch in unserer Familie darüber kaum gesprochen wurde. Der Autorin gelingt es einerseits nüchtern, andererseits unglaublich eindringlich zu schreiben. An manchen Stellen ist mir richtiggehend schlecht geworden, an anderen sind Tränen geflossen und zwischendrin war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt weiterlesen kann. Zu meiner Erleichterung teilt sich der Roman in zwei Teile, quasi unterschiedliche Zeitebenen und Generationen. Gerade, als ich es fast weglegen musste, kam der Zeitsprung und hat es mir erträglicher gemacht. Genau da liegt aber die Schwierigkeit, dieses Buch zu bewerten: über weite Strecke war es nicht klassisch „schön zu lesen“ noch ging es mir gut dabei. Aber wie könnte es das auch, bei diesem Thema und bei so viel Leid. Insofern ist der Autorin eigentlich etwas Großes gelungen: sie hat mir dieses Kapitel der Geschichte näher gebracht, mit all seiner Heftigkeit, hat mich einen Teil der Intensität und des Schreckens spüren lassen, aber in einem Maß, das ich gerade noch so in meine Alltagslesepausen einbauen konnte. Sicherlich kein leichtes Genussbuch für Strandliege und Sommerurlaub, aber eines, das bleibenden Eindruck hinterlässt.
Die zweite Hälfte des Buches war für mich leichter zu Lesen, obwohl ein Teil der Schwere bleibt. Manchmal hätte ich mir ein wenig mehr Einblick gewünscht in die Dynamik des Transgenerationalen, noch ein Stück über das „Päckchen werden weitergegeben“ hinaus. Aber wahrscheinlich liegt genau hier auch die Authentizität des Buches: dass Uli und Maria mehr einer Ahnung folgen und oft selbst nicht genau benennen können, warum sie so sind, wie sie sind. Entsprechend nähert sich der Leser der Antwort auf diese Frage langsam und begleitet die beiden ein Stück auf der Suche nach Antworten und genau so weit, wie die beiden dabei kommen.
Es braucht Raum, dieses Buch zu lesen und ein bisschen Kraft, sich darauf einzulassen, das sollte einem vor dem Lesen klar sein. Aber dann erlebt man eine intensive Geschichte, die einen nicht unberührt lassen wird. Von mir eine Leseempfehlung.
Profile Image for Valerie.
314 reviews11 followers
October 21, 2022
Ergreifende, aber langatmige Erzählung

«Spielt da der Sohn eines Täters, die Enkelin eines Opfers? Lässt sich die Rolle nur einer Nation zuordnen? Kann man überhaupt nur auf einer der beiden Seiten stehen, oder trägt man nicht doch immer beides in sich? Ist Vergessen das Beste, und heilt die Zeit wirklich alle Wunden?»

Paul ist zwölf, als er im Mai 1945 aus seinem unbeschwerten, glücklichen Leben aus Brünn gerissen wird. Er muss mit seiner Familie bis zur österreichischen Grenze marschieren, im sogenannten Brünner Todesmarsch. 27000 deutschstämmige Bewohner von Brünn wurden damals aus der Stadt vertrieben. Viele kamen dabei ums Leben, auch ein Teil seiner Familie. Manche seiner Freunde musste Paul in Brünn zurücklassen, andere verlor er im Marsch aus den Augen. Jahre später hat er Familie: seine Frau Christa und die beiden Kinder, Maria und Uli. Er spricht nie über die Vertreibung aus Brünn, obwohl er sie nie vergessen wird. Auch später kehrt er nie nach Tschechien zurück. Seine beiden Kinder leiden darunter, dass Paul nie viel spricht – die Familiengeschichte bleibt geheim. Erst nach seinem Tod beginnen sie, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, und reisen schliesslich nach Brünn, um Vaters Wurzeln kennenzulernen…

Das Debüt von Susanne Benda beginnt stark und behandelt ein sehr interessantes, trauriges Thema. Der Teil des Buches, der von der Vertreibung aus Tschechien erzählt, ist unglaublich ergreifend und eindrücklich geschrieben. Dann wird es häufig etwas langatmig: das Aufwachsen von Maria und Uli, ihre spätere Suche, das alles war oft mühsam zu lesen und es geschah wenig. Ich habe im Nachhinein viel zum Thema Brünner Todesmarsch gelesen und dadurch viel gelernt. Das Buch bekommt von mir drei Sterne.
Profile Image for Dragonreading.
297 reviews1 follower
July 31, 2022

Inwieweit werden Kinder von den Traumata ihrer Eltern beeinflusst? Die Geschichte von Uli und Marie, die der Vergangenheit ihres, niemals über sie redenden, verstorbenen Vaters Paul auf den Grund gehen wollen, zeigt eindringlich, wie sehr historische Ereignisse ganze Generationen beeinflussen - selbst wenn oder gerade weil man nicht über sie spricht.
Paul erlebt den 'Todesmarsch von Brünn' als Junge mit, bei dem 27.000 Deutsche aus dem tschechischen Brünn am 31. Mai 1945 in wilder Vertreibung bis über die niederösterreichische Grenze gejagt werden. Über dieses einschneidende Ereignis kann er als Überlebender nicht reden, doch beeinflusst es sein ganzes Leben und das Leben der Generation danach. Nach dem Tod des Vater gehen die Kinder Marie und Uli auf Spurensuche und vollziehen den Marsch von Brünn aus, in Teilen, selbst nach.
Die Autorin schafft es atmosphärisch dicht die Angst, Wut, Verzweiflung erfahrbar zu machen, die nicht nur der Vater gefühlt hat, sondern die auch im Kopf der Kinder, speziell bei Marie vorhanden ist. Man hat phasenweise das Gefühl, als würden die Toten wieder lebendig werden.
Sehr emotional war für mich der letzte Teil des Buches, in dem es ein völlig unerwartetes 'Wiedersehen' aus der Vergangenheit gibt und dort wird einiges geklärt. Erst zum Ende habe ich erfahren, dass die Autorin hier auf Erfahrungen der eigenen Familiengeschichte zurückgreift, was es im Nachgang noch realistischer werden lässt. Das Buch ist schwere Kost - definitiv. Doch es ist unbedingt sehr lesenswert. Ein wirkliches Highlight für mich.
Profile Image for Karola.
839 reviews7 followers
July 27, 2022
Diese Reise nach Brünn, Tschechien, ist eine Spurensuche nach der Kriegsvergangenheit – bewegend!
Die längst erwachsenen Kinder des bereits verstorbenen Paul Lustig machen eine für sie wichtige Reise nach Brünn, wo ihr Vater bis zum 12. Lebensjahr aufwuchs. Sie fragen sich: Kann man vorwärtskommen, indem man zurückgeht in diese wohl beklemmenden Orte der Vergangenheit? Könnte es eine Reise zur eigenen Vergangenheitsbewältigung und traurigen Sinnsuche mit privaten Orientierungsproblemen und schlechtem Gewissen für Maria und Uli selbst werden?
Geschichtlich belegt ist der Brünner Todesmarsch vom 12. Mai 1945 von 27.000 deutschstämmigen Bewohnern dieser Stadt bis an die österreichische Grenze, ohne Verpflegung, eine sehr wilde Vertreibung. Paul überlebt und kommt mit 14 Jahren in Wien bei seiner Tante an nach dem Verlust seiner Großeltern und auch seiner Mutter. Ihm ist es nicht möglich, über die in ihm fortlebenden traumatischen Zustände zu sprechen oder zu schreiben, denn er möchte sie verdrängen, vergessen und verharrt dafür lieber in tiefer Traurigkeit und Einsamkeit. Seine erwachsenen Kinder fragen sich nach seiner Beerdigung nun: Wer war ihr Vater? Konnte oder wollte er nichts über sein junges Leben erzählen, ohne dass alte Wunden aufbrechen, die scheinbar nie heilen können.
Besonders der Schluss mit Pavel hat mich sehr berührt. Ich bewundere den besonders einfühlsamen Schreibstil der Autorin.
2,325 reviews13 followers
August 24, 2022
Zum Inhalt:
Wie ist es,wenn du in einem Umfeld aufwächst, in dem ein Vater nicht über schreckliche Erlebnisse der Vergangenheit sprechen kann. Hat dies Auswirkungen auf die Nachfahren? Genau das Gefühl haben Marie und Uli und gehen auf eine Reise in die Vergangenheit, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was der Vater als Kriegsvertriebener erlebt hat.
Meine Meinung:
Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit, dem Brünner Todesmarsch, bei dem die deutschsprachige Bevölkerung aus Mähren vertrieben wurden. Wie schrecklich das gewesen sein muss, kann man gar nicht wirklich ermessen. In diesem Buch wird der Schrecken durch den über die Ereignisse stummen Vater schon deutlich. Ich fand das Buch ganz schön bedrückend und es ist auch kein Buch das man nach der Lektüre gleich wieder vergisst. Die Figuren fand ich authentisch dargestellt, den Schreibstil etwas ungewöhnlich aber gut.
Fazit:
Schwere Kost
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