Dirk und seine Frau stehen vor einem Problem. Sie muss für ein paar Monate beruflich ins Ausland, aber er hat jetzt wirklich keine Zeit, sich den ganzen Tag um den gemeinsamen Sohn, Hermann, zu kümmern. Professionelle Hilfe muss also her. Freunde empfehlen, sehr modern, einen männlichen Babysitter. Sie hätten einen Ukrainer, sehr erfahren und gebildet, immer ein Zitat von Joseph Roth auf den Lippen. Und Dirk entscheidet sich, gegen all die blonden jungen Frauen, ebenfalls für einen Ukrainer. Auch wenn Maksym eigentlich nie Klassiker zitiert. Und erst macht der schweigsame Osteuropäer seine Sache auch ganz gut. Aber dann beginnt er, neben dem Sohn auch den Vater zu sitten. Und von da an scheint es nur noch eine Richtung zu geben: abwärts.
Ich mag den Dirk Stermann – das Dirkaalaaan, wie er ein einem Sketch so liebevoll genannt wurde – sehr gerne. Der in Duisburg geborene Komiker, Kabarettist, Radiomoderator, Fernseh-Late-Night-Talker und Buchautor, der seit 1988 in Österreich lebt, weil er dem deutschen Numerus Clausus nicht entsprochen hat und deshalb in Österreich sein Studium anfing und abbrach, erfüllt und füllt tatsächlich zu einem großen Teil einen speziellen Beruf und seine Parade-Rolle aus: Er ist das Beispiel einer gelungenen Integration eines deutschen Staatsbürgers in die österreichische Gesellschaft. Wenn Ihr nun meint, das wäre bei unserer gemeinsamen Sprache nicht nötig, dann irrt Ihr gewaltig, denn die Kulturen sind doch höchst unterschiedlich. Diese Herkulesaufgabe der Integration – er nennt sie auch noch sehr boshaft Entpiefkenisierung* hat Stermann höchst vergnüglich in seinem ersten autobiografischen Roman Sechs Österreicher unter den ersten fünf verarbeitet, in dem er witzig und respektlos sowohl die österreichische als auch die deutsche Seele ziemlich genau seziert und auf die Schaufel nimmt.
Nun hat er seinen zweiten autobiografischen Roman geschrieben – dazwischen gab es einige Bücher und auch Romane, aber eben nichts Autobiografisches – und dieser ist erneut neben witzig-bissig auch noch ein bisschen mit Botschaft. Ich schätze die Schreibe vom Dirkaalaaan sehr, literarisch zwar keine Höchstleistung aber sprachlich ansprechend, sehr vergnüglich, mit teilweise bösartigem, manchmal auch politisch inkorrektem Humor, menschlich tiefgründig, ehrlich und empathisch. Dabei ist natürlich schon spannend, auch darüber zu spekulieren, welches Gschichtl völlig wahr und welche Teile komplett frei erfunden sind.
„Nach Auftritten müssen am Parkplatz des jeweiligen Theaters Zuschauerinnen für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen.“ Das sage ich bei jedem meiner Auftritte. […] Manchmal wird gelacht, manchmal geklatscht. Ich habe mich immer gefragt, ob es tatsächlich Frauen gibt, die nach dem Auftritt auf dem Parkplatz auf mich warten und sich dann denken. „Typisch ORF-Arschloch. Da steh ich jetzt gamsig, und der Trottel versetzt mich.“
(Hier muss ich noch eine persönliche Anmerkung hinzufügen. Bei seinem Auftritt in Krems oder in Langenlois, bei dem ich nicht anwesend war, haben mir nachträglich zwei meiner Freundinnen getrennt voneinander erzählt, dass sie mit dem Dirk etwas hatten. Auch hier habe ich keine Ahnung, ob das nur gut erfunden war.)
Zu Beginn von Maksym erfährt man, dass Stermanns erster autobiografischer Roman Sechs Österreicher unter den ersten fünf zur Trennung von seiner ersten Frau geführt hat, die nicht damit umgehen wollte und konnte, dass so viel Privates aus der Beziehung in Form eines Buchs in der Öffentlichkeit ausgewalzt wurde. Das Werk war ein Todesstoß für seine Beziehung und Trennungsgrund. Seiner zweiten Frau Nina, mit der er mittlerweile auch ein Kind hat, hat er vorab geschworen, ihr so etwas nicht anzutun, wenngleich die Verlage natürlich sehr darauf drängen, da sie sich erneut einen Bestseller versprechen. Ihr seht also, der ganze Plot ist schon zu Beginn spannend, denn Nina und ihr Sohn Herrmann finden sich gleich zum Start von Maksym als Protagonisten der Story wieder, was sich wahrscheinlich ex post betrachtet sehr schlecht auf die Beziehung von Dirk ausgewirkt hat.
Sehr vergnüglich schildert Stermann die Kalamitäten einer sich wandelnden Beziehung. Nina hat nun jahrelang ausschließlich das Kind versorgt und ihre Karriere zurückgestellt, während Dirk als Vater, meist völlig abwesend, an mindestens 180 Tagen im Jahr (die beiden sind sich im Streitfall nicht sicher wie viele Tage) durch Österreich tingelte. Die Nicht-Präsenz als Papa von Hermann manifestiert sich auch dadurch, dass ihn sein Sohn Banksy nennt, einen Künstler, den niemand kennt und dessen Identität nur durch seine Werke gekennzeichnet ist. Als Nina nun die Chance erhält, für ein halbes Jahr in New York österreichische Künstler zu vertreten, muss Dirkaalaan als Vater ran. Entweder indem er als quasi Vollzeit-Papa seinen „Nebenjob“ massiv reduziert und sehr viele Termine absagt, oder indem er sich um eine ordentliche Kinderbetreuung während seiner Tournee durch Österreich kümmert.
Ganz der gelernte Mann, der meint, Betreuungspflichten organisieren sich von selbst und sich halbherzig nur ein einziges Kindermädchen anschaut, das sein Sohn Hermann hasst, lässt er die Angelegenheit schleifen und meint, im Hinterkopf irgendeine Frau, vielleicht auch Nina, wird schon zurückstecken, die Kohlen in der Not für ihn aus dem Feuer holen und die Betreuung selbst übernehmen. Da hat er aber nicht mit Nina gerechnet. Die kurzerhand – eigentlich kurz vor ihrem Jobantritt – als die Angelegenheit zu eskalieren droht, einen Babysitter engagiert, den Dirk in den Bewerbungen rigoros abgelehnt hat. Maxym, der sich mit folgendem Satz schriftlich vorgestellt hat: „Mache alles“
Maksym ist übrigens Ukrainer und hier wird dieser Roman erneut zu so einer herzerwärmenden gegenseitigen Integrationsgeschichte. Dirk hat viele Vorurteile, nähert sich seinem Babysitter an und findet heraus, dass dieser in fast allen Facetten seines Lebens sehr vielschichtiger ist, als er überhaupt gedacht hat und in ein paar kleinen Aspekten dennoch Dirks Ressentiments bestätigt, denn Maksym ist tatsächlich sehr gut mit der Unterwelt vernetzt. Das entspricht dem, wie er aussieht, hilft Dirk aber, irgendwann ein paar eigene Probleme zu lösen und so kurios es sich anhört, definitiv auch ein bisschen bei der Kindererziehung. Hermann ist auch begeistert vom neuen Babysitter/Freund, für einen richtigen Babysitter ist der kleine Junge natürlich schon viiel zu alt. Sein stark in die Jahre gekommener spätberufener Vater Dirk ist ihm oft ein zu wenig mutiges und agiles Vorbild. So wuppen die beiden Männer ohne Ninas Hilfe das tägliche Leben mit dem Kind, quasi in der „Zweieinhalb-Männer-WG“, jeder von beiden stellt für Hermann ein positives männliches Vorbild dar. Zur Integration und Bewährung der Freundschaft zwischen den beiden Männern kommt es, als Dirks Leben völlig aus den Fugen gerät.
Was zeichnet die Schreibe des Autors aus? Da ist mal der trockene, des Öfteren bösartige und absurde Humor, der ganz meine Baustelle ist, die Fabulierkunst, die sich manchmal vom Hundertsten ins Tausendste vergaloppiert, ohne aber Verwirrung und Redundanzen zu produzieren, die sehr liebevoll konzipierten Figuren, die das Gegenteil von schablonenhaft sind, und dann ist da auch noch die Selbstkritik, die Ehrlichkeit, eigene Fehler auch zuzugeben. Das macht den Roman zwar zu keinem literarischen Meisterwerk, aber zu einer sehr relevanten menschlichen Geschichte mit Botschaft.
"Der Vorteil beim Kinderwagen für ältere Väter ist, dass sie ihn gleichzeitig als Gehhilfe nutzen können."
"Dort wartete neben mir ein Mann, […] Das Gesündeste an ihm schien die Zigarette in seiner Hand zu sein, die er zwischen Mittel- und Ringfinger hielt. Wie Houellebecq, dachte ich. Der Mann hatte wirklich Ähnlichkeit mit dem Schriftsteller, der inzwischen ja immer mehr aussieht, wie das Nachher-Bild einer Drogenwarnkampagne. Wie viel Botox bräuchte es, um aus Houellebecq den Mann zu bauen, dem man glaubt, dass attraktive junge Frauen aus dem Maghreb gern an seinem Sack lutschen?"
Fazit: Absolut lesenswert! Schwarzhumorig, absurd, melancholisch, ehrlich, menschlich. Eine autobiografische Geschichte mitten aus dem Leben, bei der natürlich auch noch der Clou dabei ist, dass man rätseln kann, was davon erfunden und was wirklich so passiert ist. Da Humor aber nicht bei jedem Menschen gleich wirkt und sehr speziell ist, gebe ich für Freunde der Political Correctness keine Leseempfehlung ab, denn da kommt diese Geschichte streckenweise schon zu sehr mit dem Holzhammer daher.
*Piefke…. eine wenig charmante Bezeichnung für (Nord)Deutsche (das heißt jenseits des Weißwurstäquators) in Österreich. Die Verwendung in Österreich wurde wohl durch das Auftreten Johann Gottfried Piefkes (1815–1884) verstärkt, der als preußischer Militärmusiker ein bekannter Teilnehmer der deutschen Einigungskriege war.
Wow. First World Problem Einsichten, uninteressant geschrieben. First World Problem kann man nicht mal sagen, er musste nur ne Zeit lang die (Care-)Arbeit, die sonst Frauen tagtäglich machen, wuppen. Teilzeitjob, Hausarbeit und Kleinkind quasi. Er hat nie gelernt die Hausarbeit ordentlich zu machen (ja, das muss man lernen, Tatsache), daran ist seine erste Ehe gescheitert, sagt er. Vielleicht war das allerdings ein Witz. Ich habe herzlich gelacht… nicht.
Diese „Doppelbelastung“ ging einfach gar nicht klar, also musste ein Babysitter her, um diese Suche und Erfahrung geht es in dem Buch. Wow! Die Lösung für uns alle! Endlich schreibt mal jemand drüber, Mütter aufgepasst, hier gibt es was zu lernen. Der war dann aber total ungewöhnlich der Typ, für den er sich entschieden hat, weil er eher nicht so über Joseph Roth und so plaudern wollte. Einfach son Unintelektueller, dem er ne Chance gegeben hat! Was für eine bewegende Story!
Ich musste dann abbrechen, aber bin mir sicher Marie Antoinette Stermann erzählt dem Adel gerne, was man vom Pöbel so lernen kann.
Irgendwo im ersten Drittel des Buches erwähnt er, dass seine Frau mal meinte er wirke als hätte man ihm das Empathiezentrum rausoperiert. Das kann ich bestätigen. Ich glaub das ist sein Zugang zu Humor, kam bei mir jetzt nicht gut an.
‘*‘ Meine Meinung ‘*‘ Puh, wo soll ich beginnen. Dass der Klappentext schon locker ein Drittel des Buches verrät, ist dieses Mal das kleinste Übel. Der Protagonist ist da schon ein ganz anderes Kaliber: Er ist ein nerviger Vater, Anfang 50, der keine Entscheidungen trifft und immer nur die Schuld bei anderen sucht. Als wenn das nicht ausreichen würde, hat sich der Autor auch noch entschlossen, sein Werk selber zu lesen. Sorry, Stermann, aber da erzähle ich von meiner Wurzelbehandlung lebendiger und spannender. Wie kann man als Kabarettist so monoton und emotionslos sein eigenes Buch lesen? Okay, bei dem einfachen Schreibstil und der flachen Handlung ist es schwierig, Stimmung herauszulesen. Aber ich bin mir sicher, den Stars Simon Jäger oder David Nathan wäre dies gelungen. Ich habe keine Lust, noch mehr Energie auf diesen Reinfall zu verschwenden, es waren lange 527 Minuten -> 1 kleiner Stern. ‘*‘ Klappentext ‘*‘ Es beginnt wie eine amüsante Gesellschaftssatire aus dem heutigen Wien: Dirk und seine Frau stehen vor einem Problem. Sie muss für ein paar Monate beruflich ins Ausland, aber er hat jetzt wirklich keine Zeit, sich den ganzen Tag um den gemeinsamen Sohn, Hermann, zu kümmern. Professionelle Hilfe muss also her. Freunde empfehlen, sehr modern, einen männlichen Babysitter. Sie hätten einen Ukrainer, sehr erfahren und gebildet, immer ein Zitat von Joseph Roth auf den Lippen. Und Dirk entscheidet sich, gegen all die blonden jungen Frauen, ebenfalls für einen Ukrainer. Auch wenn Maksym eigentlich nie Klassiker zitiert. Und erst macht der schweigsame Osteuropäer seine Sache auch ganz gut. Aber dann beginnt er, neben dem Sohn auch den Vater zu sitten. Und von da an scheint es nur noch eine Richtung zu geben: abwärts.
Der Fernsehmoderator und Kabarettist Dirk Stermann wandelt in seinem Roman „Maksym“ auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk und genialem trockenen Humor. Dabei bedient er sich der Autofiktion im Stile der Fernsehserie „Pastewka“. Der ukrainische Babysitter Maksym ist der Roman-Held, der Stermann durch die Herausforderungen des Alltags hilft. Wer Stermann schätzt, dem wird auch dieses Werk gefallen.
Seit dem frühen 2000er Jahren ist festzustellen, dass immer mehr Autor:innen autofiktionale Literatur schreiben. Zu nennen sind da allen voran Karl Ove Knausgård und die aktuelle Nobelpreisträgerin Annie Ernaux, aber auch im deutschsprachigen Raum finden sich einige, die ihr Leben zu Literatur verarbeiten, wie Joachim Meyerhoff und Gerhard Henschel. Als 2010 Dirk Stermann mit seinem Debüt "Sechs Österreicher unter den ersten fünf" einen Bestseller veröffentlichte, war man auch hier schnell mit dem Label "Autofiktion" zur Hand, denn Dirk Stermann schrieb in seinem Buch über den jungen Deutschen Dirk Stermann, der in den achtziger Jahren zum Studium nach Wien kommt und sich im Laufe der Zeit als Radio-, TV- und Kabarettstar zum "beliebtesten Deutschen in Österreich" entwickelt. Ein Entwicklungsroman seiner "Entpiefkesierung". Nun, zehn Jahre später, hat Stermann eine Fortsetzung vorgelegt. Worum geht es? Die Romanfigur Stermann ist zum zweiten Mal verheiratet und hat einen kleinen Sohn, Hermann. Seine Frau ist Kunsthistorikerin und erhält ein Angebot aus New York. Da Stermann, aufgrund seines Erfolges ebenfalls stark eingebunden ist und ein weiteres Buch schreiben soll, diskutieren sie darüber eine Babysitterin zu engagieren. Hier erfolgt der Auftritt des titelgebenden "Maksym", ein junger ukrainischer Mann, "Er hatte eine Boxernase, irgendwie gebrochen und breit, als hätte man sie mit einem harten Gegenstand eingedrückt. Aus dem grauen, fleckigen Sweater [...] kroch eine Tätowierung den Stiernacken entlang. Irgendetwas Felliges, ich konnte es nicht erkennen. Seine blauen Augen wirkten wach und hell, sonst erinnerte nichts an den schönen Jüngling aus Thomas Manns Roman. Maksym saß breitbeinig da, mit einer Camouflagehose und billigen neongelben Turnschuhen." Gegen den Willen Dirk Stermanns erhält Maksym die Stelle und zieht bei Dirk und Hermann ein. Somit ergeben sich in dem Buch zwei lose Handlungsstränge. Da ist auf der einen Seite Dirk Stermanns leben als TV-Star und Schriftsteller, der aufgrund seiner beruflichen Eingebundheit erst nach und nach mitbekommt, wie ihm sein Privatleben entgleiten zu droht. Dem gegenüber steht die Maksym-Handlung, denn nach und nach wird deutlich, dass Maksym nicht nur der Babysitter für Hermann ist, sondern auch immer mehr für Dirk wird. Wie schon in seinem Debüt verwebt er diese beiden Stränge mit vielerlei Girlanden, die aus Alltagsbeobachtungen, Reflexionen über das deutsch-österreichische Verhältnis oder das Leben als Teil der österreichischen Bohéme, sowie Situatiosnkomik bestehen. So knüpft Stermann nahtlos an sein Erstlingswerk an. Es ist ein leichtes, sehr komisches Buch, dass in seinem Kern aber eine Melancholie beherbergt, wie es sie wohl in dieser Form nur in Wien gibt. Bestes Beispiel dafür ist eine Szene in einem Lokal, die Stermann so beschreibt: "Vielversprechende junge Schriftsteller waren zu viel trinkenden alten Schriftstellern geworden, Nachwuchsschauspieler zu vertragslosen arbeitslosen Schauspielern und bildende Künstler, die es geschafft hatten, zu eingebildeten Künstlern. Über allen Tischen schwebte ein Ablaufdatum." Ist es nun Autofiktion, die Stermann hier geschrieben hat? In einem Nachwort schreibt er, dass der Roman überwiegend frei erfunden sei, wenn es auch manche Personen und Begegnungen gab, so ist das meiste doch Fiktion. Oder wie es Stermann im Roman seine Exfrau sagen lässt: "Du bist nicht Knausgard", schreit sie mich heute noch an, wenn wir uns zufällig sehen. "Du hast nur einen von Motten zerfressenen Norwegerpulli und kein Recht, über uns zu schreiben!"
Zwar war der Humor stellenweise doch sehr lustig und insgesamt war es ein angenehm leicht zu lesendes Buch, ich wäre aber sicher nicht versehentlich in dieses ORF-Fandom- Rabbithole gerutscht, wenn ich aufgrund des Klappentextes nicht auf gay romance gehofft hätte. (Womit ich sehr falsch lag. Ich kannte eben Dirk Stermann bis dato nicht). Durch das Nachwort wurde das Ganze aber ein bisschen auf eine Metaebene gehoben und hat mich zum Nachdenken gebracht. Der Autor hat sich selbst zu einem fiktiven Protagonisten gemacht, dem Erzähler. Und in mir kam der Gedanke auf, dass jede*r Autor*in, egal wie sehr sie versucht eine wahrheitsgetreue Biographie zu schreiben, sich am Ende selbst zu einer fiktiven Protagonistin macht. Umgekehrt steckt in jeder noch so fiktiven Protagonistin die wahre Autorin selbst.
Generell schwankte mein Gefallen am Roman je nach dem, ob ich das Erzählte für echt hielt oder nicht. Wenn ich es für echt hielt, mochte ich es nicht, wegen den sexistisch und rassistisch konnotierten Passagen, wenn ich den Erzähler aber als Fiktion verstand, werden diese verzeihlich, da sie ja nicht vom „echten“ Dirk Sterman erzählt werden und ich letzterem daher verzeihen kann, diese geschrieben zu haben, was mich als Leserin in eine moralisch fragwürdige Position versetzt. Jetzt bin ich es, die sich in Frage stellen muss, und egal, ob das vom Auto beabsichtigt ist oder nicht - ist das nicht der Grund, weshalb wir lesen? „Ist die Geschichte weniger wahr, nur weil ein anderer sie erlebt hat?“ schreibt Max Frisch in „Stiller“. (Oder zumindest wird es in der Verfilmung seines Romans so oder so ähnlich wiedergegeben. Die Überlegung hat mich auf jeden Fall daran erinnert, deshalb musste es rein, dann kann ich den Kinobesuch neulich gleich mit verarbeiten.)
Mein Gefallen hing davon ab, inwiefern der Erzähler sein altes-weißes-Mann-da Sein ironisch erzählt oder eben einfach nur, weil er ein alter weiße Mann ist der damit bei anderen alten Weißen Männern gut ankommt. Da hadere ich immer noch mit mir, und vielleicht ist es auch in Ordnung manchmal nicht alles zu wissen. Was ich weiß ist, dass mein Vater das Buch zu Weihnachten bekommen wird. Und das ich es, obwohl die Gay Romance gefehlt hat, doch sehr nett fand, (abgesehen von den Passagen, die ich kritisch betrachte und nicht meinen Humor widerspiegeln, aber so viele sind es dann netterweise dann auch wieder nicht.)
Insgesamt aber unerwartet witzige Geschichten irgendwo mitten aus dem Leben, die durch die Vater-Sohn-Beziehung noch einen emotionalen Schliff bekommen. Und vielleicht lese ich irgendwann sogar noch „6 Österreicher unter den ersten 5“, um ein bisschen meines kulturellen Hintergrundwissen zu erweitern. Auch wenn ich nicht glaube, dass mich jemand aus meinem Umfeld da demnächst abfragen wird.
This entire review has been hidden because of spoilers.
In „Maksym“, einem autobiografischen Roman, erzählt Dirk Stermann, ein in Österreich lebender deutscher Komiker, Kabarettist, Radiomoderator, TV-Talker und Buchautor aus seinem Leben. Genauer gesagt geht es um die Suche nach einem Kindermädchen für seinen kleinen Sohn Hermann für die Dauer der Abwesenheit seiner Frau, die beruflich bedingt ein paar Monate ins Ausland muss. Letztendlich fällt die Wahl auf Maksym, einen bärenstarken, bulligen Ukrainer.„Maksym“ ist mein erstes Buch von Dirk Stermann, in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt. Das Buch ist sicher kein literarisches Meisterwerk, doch der Erzählstil und der Humor haben mir gut gefallen. Ich habe mich zwar anfangs gefragt, warum der Buchtitel „Maksym“ lautet – Stermann erzählt vor allem viel aus seinem Leben, kommt dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen, man erfährt so einiges über das durchaus nicht immer lustige Leben auf Lesereisen, Auftritten, etc. eines freischaffenden Kabarettisten und Autors – es kann schon hart sein, was man sich alles antun muss, um sein Geld zu verdienen. Man muss es halt mit Humor nehmen. Und diesen Humor fand ich köstlich, manchmal bissig, manchmal politisch inkorrekt, aber immer vergnüglich. Im Hinterkopf hat man natürlich auch immer die Frage, welche Geschichten tatsächlich wahr und welche frei erfunden sind.Das Buch wird nicht jedem gefallen, mir hat es allerdings ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden beschert.
Mir hat das Buch gefallen, aber eigentlich bin ich kein Fan der Gattung Autofiktion. Früher Thomas Bernhard ("Holzfällen"), jetzt Joachim Mayerhoff, Annie Ernaux und eben auch Dirk Stermann - sie alle schreiben Romane, in die ein paar Personen und Erlebnisse ihres eigenen Lebens eingearbeitet sind, der Großteil der Geschichten aber erfunden ist.
Ich finde das sehr irritierend, und empfinde beim Lesen eine gewisse Orientierungslosigkeit. Ich lese keine Autobiografie, das ist klar. Aber eben auch keinen "echten" Roman.
Mir geht Autofiktion mittlerweile schon sehr auf die Nerven. Ich glaube, das war das letzte Buch dieser Gattung, das ich in absehbarer Zeit lesen werde.
Ich habe schon lange keinen Roman mehr zu Ende gelesen, aber Dirk Stermann hat es geschafft, mich mit seiner Erzählung (und seinem Humor!) genug zu fesseln, um in kürzester Zeit damit fertig gewesen zu sein.
Kurzum, das Buch gefällt sicher nicht Allen. Die Erzählung ist grotesk und satirisch, die Beobachtungen des Protagonisten subjektiv und oft bitterböse. Es liegt am Lesenden, ob diese Ansichten geteilt werden - und deshalb herrlich unterhaltsam sind - oder sauer aufstoßen.
What an absolutely delightful autofiction-ish read! This book was so funny and made me laugh constantly with its curious and strange cast of characters and observations as well as the Wiener Schmäh both by Stermann and towards him by his ruthless peers. I will definitely check out his other novels!
Teilweise sehr unterhaltsam und gute Pointen, aber hat mir bissl ein old white man Gefühl gegeben, das unangenehm war, weiß nicht ob das Absicht war... wenn man reinkommt ins Lesen und länger liest als immer nur paar Seiten, ist es besser Mag Dirk Stermann, aber andere Bücher von ihm fand ich weitaus besser Hab nicht wirklich etwas aus dem Buch mitgenommen
Ich finde es sehr lustig und genau richtig. Kurzweilig geschrieben und gut beobachtet. Oft müsste ich nicht nur schmunzeln, sondern auch laut lachen beim Lesen.
Ganz okay. In der ersten Hälfte des Buches gab's wenig Handlung, danach war's eine Mischung aus dem, was ohnehin schon im Klappentext steht, und "6 Österreicher unter den ersten 5".