Längst ist diese einzigartige Sammlung deutschsprachiger Lyrik von Frauen zum Standardwerk geworden. Gedacht ist sie nicht als Kanon, sondern als kenntnisreiche Darstellung des dichterischen Vermögens und als Entwicklungsgeschichte weiblicher Selbstbehauptung. Für die erweiterte Neuausgabe hat die Herausgeberin ihre Anthologie um die literarischen Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte ergänzt und die Begleittexte neu überarbeitet. In chronologischer Folge reichen die Gedichte vom »Lebensbericht« der Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg bis zu Texten von Karin Kiwus, Zehra Çırak und Nora Gomringer.
Ich muss immer mal wieder an dieses Interview dieses kleinen Jungen von Logo-Kindernachrichten mit dem AfD-Politiker Tino Chrupalla denken, in dem er gefragt wird, was sein Lieblingsgedicht sei und ihm fiel einfach keins ein. Mir sind einige eingefallen, aber je länger ich darüber nachdachte, machte sich bemerkbar, dass ich nur Gedichte von Männern kannte. Jetzt kann ich voller Stolz sagen, dass meine Lieblingsgedichte „Die singende Muschel“ von Francisca Stoecklin, „Die jüdischen Mädchen“ von Berta Lask und „Sonnenblume“ von Elisabeth Paulsen sind. Ich liebe auch das Gedicht von Sidonia Hedwig Zäunemann über das brennende Erfurt 1736 oder das über das männliche Geschlecht im Namen der Frauen besungen von Christiana Mariana von Ziegler - mir fallen jetzt so viele ein!