Der Wunsch nach Verbundenheit ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis, das die sozialen Medien erfolgreich triggern. Doch der ursprüngliche Gedanke der Vernetzung verkehrt sich für viele oftmals ins Gegenteil - statt Verbindung entsteht Isolation und die negativen Folgen der Digitalisierung zeichnen sich an unserem seelischen Zustand ab: Depressionsraten steigen, Stress und Ängste nehmen zu, immer mehr Menschen verlieren den Bezug zu anderen, zu sich selbst und zur Welt. Dieses Buch predigt keinen weltfremden Totalverzicht auf neue Medien. Vielmehr stellt es anhand der Digital-Detox-Methode konkrete Anwendungsbeispiele bereit, um Social Media und Smartphone bewusst und achtsam zu nutzen. Digitale Achtsamkeit ist der Weg, wie wir wieder zu einem wahrhaftigen Verbundenheitsgefühl im Hier und Jetzt zurückfinden können.
Gerade da ich durch das Bloggen sehr viel am Handy bin inzwischen, war ich sehr neugierig auf diesen Ratgeber. Bewusster in den Sozialen Medien und generell online sein – etwas, das ich gerne in Angriff nehmen wollte. Leider habe ich dabei aber leider zum falschen Buch gegriffen. Statt eines praxisorientierten Mitmachbuch bekam ich mehr einen sehr esoterischen, sich wiederholenden Text, der nicht sonderlich wissenschaftlich basiert wirkt (trotz einer Doktorandin, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat wissenschaftlich) und nur vereinzelt durch einen kleinen Mitmachimpuls unterbrochen wird. An sich ja trotzdem noch nicht so schlecht, da habe ich dann wohl einfach etwas anderes erwartet oder mir erhofft. Leider bleib es aber nicht dabei. Hier wird sehr viel nur in Extremen gesprochen, von Verhaltensweisen, die bei zu häufiger Smartphone-Nutzung noch lange nicht auftreten, sondern erst bei einer tatsächlichen Abhängigkeit und Sucht. Ein Impuls wollte beispielsweise, dass man ausnahmsweise mal ohne Smartphone an den Briefkasten geht – etwas, das ich noch nie anders gemacht habe, obwohl ich wirklich viel am Handy bin im Alltag. Auch wird seiten- und kapitelweise davon gesprochen, dass das Internet ja ein solch toxischer Ort sei, ohne jegliches Mitgefühl oder Empathie, die im Internet generell verloren gehen, kaum nutzt man es. Da fühlte ich mich ein wenig zurückversetzt in die Zeit der ersten Computer, die auch schon ein ähnlich beschriebenes Teufelszeug waren … Aber sind wir da nicht lange raus? Bei Stellen wie der Aussage, dass wir von Gott »nicht dazu erschaffen [wurden], um den ganzen Tag in einen Bildschirm zu starren«, war ich dann doch komplett raus. Ich liege einfach zu weit außerhalb der Zielgruppe – kann mir aber gut vorstellen, dass diese in der Bekämpfung ihrer Sucht genau solche Aussagen als Anstöße brauchen. Deswegen gab es doch noch eine so gute Wertung.
Naaa, zu einfach gedacht und zu einseitig betrachtet. Mit generischen Beispielen wird auf einer emotionalen und spirituellen Basis ohne einen wirklichen faktischen Bezug zu realen Geschehnisse argumentiert und die Hauptaussagen so lange wiederholt, bis der Lesende sie schon glaubt. Kein Kapitel ist länger als 2 Seiten und die Überschriften nehmen die sich wiederholenden Worthülsen vorweg. Wer auf 200 Seiten verteilt lesen möchte, dass das ständig genutztes Handy weglegt werden sollte, um zu meditieren und an Gott zu glauben, wird dieses Buch lieben. Alle anderen eher nicht.
Das Buch bietet gute Anregungen, das eigene Verhalten mit dem Smartphone zu reflektieren. Ansonsten griff es vielfach die buddhistischen Grundsätze auf, die man kennt, wenn man sich auch nur etwas mit Meditation beschäftigt hat und bietet wenig neue Anreize oder praktische Übungen, die helfen, einen neuen Umgang zu etablieren. An manchen Stellen war mir das Ganze auch zu einfach gedacht. “Trink deinen Kaffee, ohne aufs Smartphone zu gucken.“ Für solche “Weisheiten“ reicht ein Abreißkalender, das ist für so ein Buch dann doch etwas dünn - meiner Meinung nach.