Zwei Hobbygärtnerinnen auf der Jagd nach Maulwurfsgrillen, Meuchelmördern und dem Mann fürs Leben.
Im idyllischen Oberdistelbrunn geht ein Giftmischer um. Seine mörderische Bilanz: eine nüchterne Alkoholleiche, ein Pfarrer in Teufels Küche und zwei Tote auf der Gartenschau. Während die Polizei auf der Stelle tritt, verfolgen zwei Pensionistinnen mit grünem Daumen und schwelender Ehekrise eine gefährliche Spur – und legen sich statt mit Maulwurfsgrillen erstmals mit einem echten Mörder an …
Die Geschichte an sich war eigentlich ganz nett, aber die extrem veralteten Sichtweisen der Protagonistin (wobei man sagen muss eine 63jährige ist im Jahr 2022 absolut nicht mehr so absurd aus der Welt wie die Dame im Buch) waren zwischendurch ein paar unangenehme Schläge in die Magengrube. Dörfliche Verhältnisse wurden teilweise akkurat, teilweise schon wirklich enorm klischeebehaftet dargestellt. Die Infos zu Heil- und Giftpflanzen haben mir allerdings wirklich Spaß gemacht und auch die Kriminalgeschichte im Hintergrund war spannend zu verfolgen.
Im österreichischen Örtchen Oberdistelbrunn sitzt gerade der heimische Buchzirkel beieinander und möchte eigentlich Jules Vernes 'In 80 Tagen um die Welt' debattieren, als unvermittelt Bauer Gustl auftaucht und eine Teufelsaustreibung an seinen Hühnern vom Dorfpfarrer Pater Ägydius verlangt, sie seien besessen und schon dabei zu sterben, nur er könne noch helfen. Dann bricht Gustl vorm Kränzchen zusammen. Der herbeigerufene Landarzt Dr. Seidenmatt macht wenig Hoffnung, dass Gustl überleben wird und äußert sich zweifelnd bezüglich eines Infarkts, nahezu kryptisch ... Grund genug, um misstrauisch zu werden, für eine Dame des Kränzchens. Nachdem dann auch noch der Herr Pfarrer unauffindbar ist, übernimmt besagte Dame Paula, die pensionierte Lehrerin und Kräuterwissende ist, und versucht die mysteriösen Dinge aufzuklären. Unerwartete Unterstützung erhält sie dabei von ihren treuen Freundinnen aus Oberdistelbrunn..
Kauzige, liebenswerte bis grantelige Charaktere machen diesen Krimi aus, die Mischung bringt hier einfach die Perfektion. Die Sprache ist herrlich, ein klein wenig angehaucht von Dialekt, was ich außerordentlich charmant finde. Das Lesen bringt unglaublich viel Spaß und ich fühle mich extrem gut unterhalten. Die Spannung und das Tempo sind wohldosiert und das Lesen geht fließend von der Hand. Einmal gestartet mochte ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Dieser Cozy-Crime ist hervorragend angelegt; Stimmung, Plot samt Twist sind dabei wunderbar durchdacht von der Autorin. Humorvolle Szenen überwiegen und wechseln sich doch auch ab mit nachdenklichen Zeilen. Ein fabelhaftes Buch für gemütliche Lesestunden, man kann sich prima durch das Buch gleiten lassen. Das dörfliche Ambiente ist phantastisch festgehalten und außerordentlich glaubhaft dargestellt.
Auf jeden Fall vergebe ich hier wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und spreche dem Buch eine unbedingte Leseempfehlung aus. Ein Wohlfühl-Krimi mit dem Hang zur Krimödie, das Lesen wird mit Schmunzeln und schöner Atmosphäre belohnt. Auf jeden Fall habe ich sogleich Agatha-Christie-Feelings beim Lesen verspürt!
Gelungener Regionalkrimi, voller Wissen über Heil- und Giftpflanzen
Der Regionalkrimi „Gärten, Gift und tote Männer“ der Autorin Klaudia Blasl, spielt in einem kleinen österreichischen Ort. Ruhig und besinnlich geht es dort allerdings nicht zu und so passiert im Buch wirklich Einiges. Zunächst einmal baut sich die Kriminalgeschichte gemächlich auf, der Fokus liegt eher auf den Protagonist:innen und deren Charakterentwicklungen, ab dem ersten Drittel nimmt dann aber auch die übrige Handlung Fahrt auf. Die Geschichte ist geprägt durch einen besonderen Humor, welcher mir ehrlich gesagt nicht immer zusagte. Eigentlich mag ich schwarzen Humor und Sarkasmus wirklich gerne, die Hauptprotagonistin Pauline neigt allerdings zur umfassenden Schwarzseherei und bedenkt außerdem ihre Mitmenschen gerne mal mit verletzenden Kommentaren, welche für mich stellenweise eine Nummer zu viel waren. Besonders ihr Ehemann Fred bekommt im wahrste Sinne des Wortes ordentlich sein Fett weg. Von Anfang an wird er als verfressener und nichtsnutziger Faulpelz hingestellt, wohingegen Pauline ihre eigenen Fehler gerne mal außer Acht lässt. Zum Glück gibt es neben dieser wenig sympathischen Figur, noch Nachbarin Berta welche für gute Stimmung sorgt. Diese schafft es nicht nur gegen den ständigen Pessimismus anzukommen, sondern trägt außerdem noch einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Mordfälle bei. So schaffte sie es schnell zu meiner absoluten Lieblingsfigur zu werden.
Die Handlung ist an sich wirklich spannend und kann mit so einigen hochkarätigen Krimis mithalten. Auch wenn wenn ich einen Teil der Lösung vorausahnen konnte, hatte ich dennoch großen Spaß beim miträtseln und entwirren. Der Schreibstil liest sich außerdem angenehm und sprüht nur so vor Wortwitz und versteckten Anspielungen. Auch das geschickt eingewebte Wissen über Pflanzen und deren Eigenschaften, gefiel mir gut und macht das Buch zu etwas Besonderem. Alles in allem verbirgt sich hinter dem liebevoll gestalteten Cover, ein fesselndes und amüsantes Lesevergnügen, welches ich allen Fans von Regionalkrimis empfehlen kann.
Die Autorin muss unter einem Stein leben... Oder sie wollte beabsichtigt eine derart schreckliche Protagonistin erschaffen.
Pauline ist Anfang 60, benimmt sich aber eher wie Anfang 80, arrogant, homophob (wie jeder in dieser Geschichte) und sie macht sich mehr Sorgen darum, was andere von ihr denken könnten, als jeder Teenager.
Das Buch dreht sich um Probleme, bei denen ich mich einmal mehr frage, ob es den Heterosexuellen sonst gut geht, und es lässt kein Dorf-Klischee aus.
Humoristisch bedient sich die Autorin an einem schmalen Spektrum von homoohoben Kommentaren und Anmerkungen zum Gewicht jeder Figur (egal ob zu dick oder zu dünn -irgendwas zu motzen gibt es immer).
Ausserdem glaubt die Autorin allen ernstes, dass junge Leute Pippi Langstrumpf nicht mehr kennen und das 'Literatur der Alten' sei.
Das Kräuterwissen und die grundsätzliche Mordatory fand ich ja eigentlich vielversprechend. Aber vielleicht mehr im Stil von 'Grace & Frankie' -also mit sympathischen Rentnerinnen, die zu einem realistischen Grad wissen, was ein Handy ist, ein passendes Alter für ihre Lebensprobleme haben (mit Mitte 50 und Anfang 60 ist man halt wirklich noch nicht alt... Sag ich als 24 jähriger) und nicht so extrem engstirnig sind, dass sie bis zum Schluss darüber nachdenken, dass schwul und vegetarier sein etwas ist 'worüber man hinweg sehen kann, weil er ja sonst nett ist. Mir fällt grad auch wieder ein, dass an einer Stelle Homosexualität mit Nekrophilie verbunden wurde... Das Buch ist wirklich zum kotzen