Von Vulkanen, Dämonen und dem Rausch des späten Glücks.
Harald Steen ist vierundsechzig Jahre alt, als er sein altes Leben hinter sich lässt. In Rotterdam besteigt der knorrige Einzelgänger ein Containerschiff und nimmt Kurs auf die legendäre Galapagosinsel Floreana, um endlich seiner rätselhaften Familiengeschichte auf die Spur zu kommen.
Der Start auf der Insel gestaltet sich schwierig. Aufmerksam verfolgen die Bewohner jeden Schritt des "dürren Deutschen", der sich allzu sehr für die dunkle Inselhistorie interessiert und damit für Unruhe sorgt. Doch nicht nur im Dorf stößt Steen auf Widerstände. Auch auf seinen Expeditionen in die faszinierende wie tückische Wildnis Floreanas gerät er an seine Grenzen. Bald aber scheinen sich die Strapazen zu lohnen. Denn mit jedem weiteren Tag auf der Insel nähert sich Steen nicht nur der tragischen Geschichte seiner Familie, die Anfang der Dreißigerjahre in die mysteriöse Galapagos-Affäre verstrickt war. Allmählich entwickelt er auch ein Gespür für das Wesen dieses unwirklichen Ortes. Und dann ist da noch Mayra und die plötzliche Ahnung von Glück...
In Die dritte Quelle erzählt Werner Köhler von einem Mann, der zum Ende seines Lebens noch einmal alles aufs Spiel setzt und sich fernab der Heimat auf die Suche nach sich selbst begibt. Ein raffinierter Roman über den Mythos der eigenen Erinnerung und zugleich eine moderne Abenteuergeschichte, inszeniert vor magischer Kulisse.
„Warum verlangten Menschen überhaupt immerzu Antworten, warum ließ man die Dinge nicht einfach geschehen?“ (S. 358)
Viele träumen davon, manche machen einfach: auswandern. Etliche brauchen Kameras dabei, um die Voyeurismus-Gier der Gesellschaft zu befriedigen. Okay, anderes Thema – belassen wir es dabei.
Werner Köhler hat mit „Die dritte Quelle“ (erschienen 2022 im Verlag Kiepenheuer & Witsch) einen Aussteigerroman vorgelegt, der aber weit mehr ist, als er sein will. Sein Protagonist Harald Steen ist Mitte 60, lässt sein Bankerleben hinter sich, mietet sich auf einem Containerschiff ein und reist nach Floreana – eine kleine Insel, die zum Galapagos-Archipel gehört. Dort ereignete sich in den 1930er Jahren die sog. „Galapagos-Affäre“, bei der unter mysteriösen und bis heute nicht eindeutig geklärten Umständen einige Menschen spurlos verschwanden. Soweit zum historischen Aufhänger des Romans. Mir sagte die genannte Affäre bis dato nichts – wie gut, dass das Allgemeinwissen durch Bücher wie dieses aufgefrischt wird ha ha ha.
Von Anfang an hat Herr Köhler mich mit seiner bildhaften und atmosphärischen Sprache begeistert. Bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in Guayaquil (vor der Weiterfahrt nach Floreana) spaziert Harald Steen durch die Stadt und man ist als Leser mittendrin statt nur dabei – man spürt die Hitze, sieht den Staub, die Müllberge, sieht die Ratten huschen…
Auf Floreana angekommen arbeitet Harald Steen kontinuierlich an der Umsetzung seiner Pläne… Ab hier beginnt die Geschichte mystisch-nebulöse Tendenzen mit kafkaesken Zutaten zu entwickeln, die die geneigte Leserschaft (teilweise) herausfordern, aber der grundsätzlichen Qualität dieses Romans keinen Abbruch tun. Soll heißen: die Grenzen zwischen Realität, Wahnsinn und Wunschdenken verschwimmen immer mehr, so dass man als Leser unweigerlich anfängt, den (personalen) Erzähler als unzuverlässig wahrzunehmen.
Letztlich bleibt die (wahre) Intention des Protagonisten genauso mysteriös wie es die Galapagos-Affäre war, ist und wohl auch für immer bleibt.
Wer eine Mischung aus (moderner) Robinsonade, Aussteigerdrama und kafkaeskem Surrealismus mit butterweichen Grenzen zwischen Realität und Traum sucht, sollte hier unbedingt ein (lesendes) Auge riskieren!
Eigenwilliges Aussteigerdrama Der Autor schickt seine Figur, den ältlichen Harald Steen, nach Floreana, um die sogenannte „Galapagos-Affäre“, neu zu erzählen. Die Kenntnis dieser Story, tragische Umstände, die sich um 1934 tatsächlich zugetragen haben, sind heute nicht mehr allen präsent.
Dore Strauch, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Friedrich Ritter sowohl eine mystische, tragische und ideologisch geprägte Person gewesen sein muss und die eine der ersten Siedler auf Floreana war, schrieb 1934/35 das Buch mit dem vielsagenden Titel „Satan came to Eden“, das vielfach als Vorlage für Film und Bücher genutzt wurde.
Der von Werner Köhler nach Floreana geschickte Steen ist ein später Aussteiger, schon vierundsechzig Jahre alt. Er verwandelt sich alsbald von einem braven, konservativen Angestellten in einen Naturburschen, der versucht, in der Wildnis zu überleben. Dabei segelt er unter dem Radar der Behörden und entwickelt sich immer mehr zum Sonderling. Plötzlich werden seine Handlungen irrational, der Stil des Romans ändert sich, wird fast hektisch, sehr einfacher Schreibstil, obwohl Köhler anfangs bewies, dass er es besser kann, eine Action folgt nun auf die nächste, es fällt schwer, sie alle zu kaufen. Aber so sieht Steen die Inselwelt. Er nimmt sich, was er braucht und wirft alle ethischen Grundsätze über Bord. Man darf annehmen, dass die veränderte Farbe der Erzählung, die fortschreitende psychische Veränderung Steens aufnimmt und die folgenden Geschehnisse die Lesart Steens darstellen. Dichtung und Wahrheit. Mehr Dichtung.
Der Kommentar: Werner Köhler verschränkt zu Anfang recht geschickt die Stränge der beiden so unterschiedlichen Aussteigergeschichten miteinander und ineinander.
Einerseits ist da der Mythos um die ersten Siedler: Sind sie ermordet worden, was für Dramen haben sich auf Floreana abgespielt, was hat die Leute damals angetrieben, was waren es für Menschen - andererseits, gilt es für die Leser, das Aussteigermotiv Harald Steens, das nicht offen zutage liegt, allmählich zu entschlüsseln.
Haben wir zu Anfang wunderschöne Naturbetrachtungen und eine gemächliche Gangart des Romans, eine schöne Sprache mit detailreichen Beobachtungen, wird der Roman zusehends schwammiger, denn wir folgen nun der eigenwilligen Wahrnehmung des Protagonisten. Wir wissen bald nicht mehr, was wir ihm glauben können und was nicht. Seine Handlungen sind sprunghaft, unlogisch und unethisch. Oder gar nicht passiert. Hat er noch die Kontrolle über sein Leben?
Die Story an sich wäre eigentlich recht interessant. Die erzählerischen Mittel, sie an die Leser zu bringen, sind allerdings nicht allzu üppig vorhanden, show don’t tell wird kaum oder gar nicht berücksichtigt. Informationen werden über Gespräche mit Herrn Hund oder in langatmigen Gesprächen mit Inselbewohnern (das alte Spiel: Frager/Antworter) transportiert. Die Dialoge sind leider auch ziemlich hölzern.
Der Autor gefällt sich darin, den Leser zu verwirren. Was passiert wirklich? Ist Steen eine Figur, die psychisch verfällt; sind seine Motive auf die Insel zu kommen, fragwürdig, einer Obsession entsprungen? Oder ist alles real?
Da der Autor natürlich auch nicht weiß, was damals wirklich passiert ist, und über die Mysterien von damals nur mutmaßen kann, muss er am Ende ebenso nebulös bleiben wie alle anderen, die das Thema vor ihm literarisch ausgebeutet haben.
Der Roman steht und fällt damit, wie man die Charakterisierung Harald Steens beurteilt. Meines Erachtens ist mit dem Verzicht auf dessen Eindeutigkeit der Roman hintenüber gefallen. Dabei fing er so gut an.
Das Ende des Romans bedarf eingehender Interpretation.
Fazit: Die Idee ist gut, die Ausführung lässt durchaus Luft nach oben! Das Ende ist wichtig, man darf es nicht in den luftleeren Raum stellen oder urplötzlich surrealistisch werden. Sonst purzeln die Sterne.
Verlag: Kiepenheuer und Witsch, 2022 Kategorie: Gute Unterhaltung
Hand aufs Herz: wer kennt die Galapagos-Affäre? Ich schätze, die wenigsten. Denn so ging es mir auch, bevor ich Werner Köhlers Roman „Die dritte Quelle“ gelesen habe. Denn der Autor lässt seinen Protagonisten Harald Steen eine reale Geschichte aus den 1930er Jahren nachspüren. Der etwas schrullige Hamburger sucht auf Floreana, einer der Inseln der Inselgruppe, nämlich nichts Geringeres als seine Wurzeln. Und damit nimmt er die Leserschaft mit auf ein wildes Abenteuer, das mich beim Lesen mit seiner Spannung überrascht hat. Aber von vorn. Am 31. August 1999 beginnt der Hamburger Harald Steen auf der Suche nach seinen Wurzeln eine Reise in seine Vergangenheit. Der 64jährige Frührentner ist bei Pflegeeltern aufgewachsen, ist sich aber sicher, dass seine leiblichen Eltern einen Teil ihres Lebens auf Floreana verbracht haben. Diese Insel hatte in den 1930er Jahren überwiegend deutschen Aussteiger angelockt, die sich dort niedergelassen haben. Steen setzt alles daran, eine ähnliche Reise wie seine vermeintlichen Eltern zu machen. Er reist mit Frachtschiffen, wie die Auswanderer, die in den 1930er Jahren auf die Galapagos-Insel gekommen waren, um sich dort anzusiedeln. Er trifft auf Floreana auf Einheimische, Nachfahren der damaligen Siedler und mit der inzwischen 96-jährige Margret Wittmer die letzte Überlebende der „Galapagos Affäre“. Was genau 1934/35 passiert ist, ist bis heute ungeklärt, Fakt ist nur, dass sechs Menschen starben oder verschwanden. Steen erkundet die Insel, die Geschichte und die Menschen, lebt in der Einöde und findet nach und nach sich selbst. Mit Mitte 40 hatte ich ja gedacht, ich sei aus Abenteuerromanen rausgewachsen. Weit gefehlt, allerdings hätte ich nie gedacht, dass mich ein ebensolcher so dermaßen fesseln könnte. Aber die Charaktere des Buchs haben mich ebenso in ihren Bann gezogen, wie die Insellandschaft, in der es spielt. Den Aufbau des Romans fand ich interessant. Harald Steen, Freund der klassischen Musik, besucht ein Konzert eines Jugendorchesters. Mahlers Fünfte begeistert ihn und der Roman erinnert mich in seinem Konzept an eine Sinfonie. Er besteht ebenfalls aus vier Teilen, die unterschiedlich schnell erzählt werden. Auch das Buch beginnt mit einem eher schnellen Teil mit sehr vielen neuen Eindrücken für den anfangs eher naiven Eigenbrötler, dann folgen seine Ankunft und Akklimatisierung auf der Insel und mit seinem Treffen auf Mayra und der Suche nach der dritten Quelle steuert die Geschichte auf ein rasantes Ende zu. Sind es anfangs noch wunderschöne Naturbetrachtungen, wird der Roman gegen Ende immer schneller und undurchsichtiger und die Handlungen des Protagonisten irrationaler. Bei diesem Buch passte für mich eigentlich alles. Die Sprache ist eine wilde und doch stimmige Mischung aus Distanziertheit und Offenheit, dazu gleichermaßen hölzern und bildhaft. Anfangs tat ich mich allerdings damit schwer, dass der Autor gänzlich auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet. Die Charaktere sind gut und detailreich ausgearbeitet. Vor allem der Protagonist ist sehr ambivalent und vereint alle möglichen Merkmale allein in sich: der ehemalige Bankangestellte ist anfangs sehr konservativ, ängstlich, unbeholfen, naiv, eigenbrötlerisch und braucht einige Zeit, um offener zu werden. Die größte Offenheit zeigt er robinson-artig seinem „Freitag“, seinem Hund „Herr Hund“. Damit gibt es im Buch auch wenig inneren Monolog, da Steen überwiegend sein Seelenleben mit Herrn Hund „bespricht“. Das Buch vereint Spannung, Landschaftsbeschreibung, psychologische Komponenten und Abenteuer. Der Schluss bleibt weitgehend offen und die Leserschaft kann die eigenen Schlussfolgerungen ziehen – oder auch nicht. Denn was tatsächlich in den 1930ern auf Galapagos passiert ist, ist bis heute ungeklärt. Für Harald Steen scheint es allerdings am Ende auch nicht mehr so wichtig, denn er findet etwas viel Wichtigeres als seine Wurzeln, er findet sich selbst. Von mir für dieses überraschende Buch fünf Sterne.
Die dritte Quelle von Werner Köhler ist ein schriftstellerisch gelungener Mix aus Abenteuer, Inselromanik und einen berühmten "Cold Case" Kriminalfall aus dem Jahre 1934: "Der Galapagos Affäre".
Mir persönlich war der historische Hintergrund bisher nicht bekannt. Dieser war aber damals so spektakulär, das Georges Simenon (Maigret Krimis), der für französische Zeitungen vor Ort auf Galapagos recherchierte schrieb "Als Schriftsteller hätte ich mir niemals erlauben können, derart ausgefallene Begebenheiten zu erfinden"
Zum Buch Der Hamburger Harald Steen verlässt 1999 im Alter von 64 seine Heimat und nimmt auf den Seeweg auf Containerschiffen Kurs auf die Galapagosinsel Floreana. Dore Strauch, einer der Überlebenden der Galapagos Affaire war seine Mutter. Sie verstarb früh und so wuchs er bei einer Adoptivfamilie auf. Wer sein leiblicher Vater war, blieb ein Rätsel. War es Dr. Ritter , Dores damaliger Begleiter mit dem sie einst Deutschland verliess?. Mit Ankunft auf der Insel beginnt er die bewegte Vergangenheit selbst zu erleben.
Die Mischung von realen und fiktiven ist hier durchaus gut gelungen. Die Charakterzeichnung von Harald und den Inselbewohner wirkt glaubwürdig und ungekünstelt. Die Beschreibungen von Schönheit und Tücke der einmaligen Insellandschaft macht Lust diesen einzigartigen Ort selbst mal zu besuchen. Sorry Greta ;-)
4,5* aufgerundet auf 5*
Anmerkung
Es gibt zahlreiche dokumentarische Literatur und Filme über diese Affäre. z.B. "Postlagernd Floreana" von "Margret Wittmer", der letzten Überlebende der Affäre (verstarb 2000)
„Er hatte eine Idee, einen Wunsch, das Gefühl, etwas zu Ende bringen zu müssen. Er fühlte sich prächtig.“ (Zitat Seite 12)
Inhalt Das Leben des Bankangestellten Harald Steen aus Hamburg verlief bisher in ruhigen, sehr geordneten Bahnen. Jetzt ist er vierundsechzig Jahre alt und in Frühpension. Die Galapagosinsel Floreana und die geheimnisvollen Ereignisse der 1930er Jahre lassen ihn nicht mehr los, seit er weiß, dass diese auch seine eigene Geschichte betreffen. Doch was damals wirklich passiert ist, kann er nur vor Ort recherchieren. So beginnt seine Reise in die Vergangenheit und gleichzeitig in neue, unbekannte Abenteuer. Bei den misstrauischen Bewohnern von Puerto Velasco Ibarra, der einzigen Ansiedlung auf der kleinen Insel, gibt er sich als Schriftsteller aus und erklärt damit auch seine längeren Ausflüge in die einsame, unwegsame Natur von Floreana. Auf sich allein gestellt, wächst er mit den täglich neuen Herausforderungen, doch wird er auch Antworten auf seine Fragen finden?
Thema und Genre In diesem Abenteuerroman, in dessen Hintergrund die bekannte „Galapagos-Affäre“ steht, geht es um eine kleine Insel der Galapagos-Inselgruppe, um ungeklärte Ereignisse in der Vergangenheit, um das Leben mit der wilden, einzigartigen Natur, über Auswanderer und die Sehnsucht nach einem Neubeginn.
Charaktere Harald Steen ist ein Eigenbrötler und Einzelgänger, sein geordnetes Arbeitsleben hat er als Bankangestellter verbracht. Doch die neuen Herausforderungen in der Wildnis von Floreana verändern ihn, er stellt sich den Strapazen und Abenteuern und irgendwo zwischen Kreativität und Traum wird er zu einem anderen Menschen. „Wer von den Kollegen in der Bank hätte ein solches Abenteuer gewagt? Niemand von denen hätte gerade ihm eine solch einschneidende Änderung der Lebensführung zugetraut.“ (Zitat Seite 121)
Handlung und Schreibstil Im Mittelpunkt der Geschichte steht Harald Steen, seine Reise auf die Insel Floreana Ende der 1990er Jahre und sein neues Leben auf der kleinen, nur wenig besiedelten Insel. Seine eigenen Erinnerungen und Gedanken teilt er mit einem Hund und später mit Mayra, einer Inselbewohnerin. So erfahren wir beim Lesen abwechselnd zum Erzählstrang der aktuellen Ereignisse auch seine Version der immer noch nicht vollständig aufgeklärten Vorkommnisse im Zusammenhang mit den ersten deutschen Siedlern auf Floreana und der „Galapagos-Affäre“. Eindrückliche Naturschilderungen ergänzen die Handlung.
Fazit Ein moderner Abenteuerroman voller Geheimnisse, in dem die Grenzen zwischen realer Welt und Scheinwelten teilweise verschwimmen und dessen Handlung daher viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt. „Aber denkt man erst einmal über das Ende der Welt nach, stößt man auf das Ende der Dinge und da fängt alles Erzählen an. Das Erzählen endet nie.“ (Zitat Seite 415)
Mit "Die dritte Quelle" hat Werner Köhler wohl das Gegenteil einer Coming of Age-Geschichte geschrieben. Denn sein Protagonist Harald Steen ist mit seinen 64 Jahren zwar noch nicht am Ende seines Lebens angelangt, steht aber imerhin schon außerhalb des Berufslebens. Doch dann krempelt der pensionierte Hamburger Bankangestellte sein Leben noch einmal völlig um, wird buchstäblich zum Aussteiger und beginnt auf der kleinen Insel Floreana auf dem Galapagos Archipel nicht nur ein ganz neues Leben, er suchtt auch nach den Wurzeln seiner Familie.
Das Buch beginnt vielversprechend, die Reise auf dem Containerschiff, der einsame Mann, der sein altes Leben hinter sich lässt, der Kulturschock auf der Insel, die einsamen Exkursionen in die Nebelwälder zu den Piratenhöhlen, wo sich Steen noch einmal neu erfinden will. Leiten lässt er sich von einem Buch über die einstigen deutschen Auswandererfamilien, deren Nachkommen teilweise immer noch auf Floreana leben. Doch was die sogenannte Galapagos-Affäre letztlich für die Insel bedeutete? Das Geheimnis, das Steen eigentlich lüften wollte, bleibt neubulös.
Und auch die Persönlichkeit des Aussteigers verliert zunehmend an Konturen, eine psychische Erkrankung wird angedeutet, die ihn womöghlich auch auf der Insel wieder in den Griff bekommt. Seine Abkehr von der menschlichen Gesellschaft einerseits, seine Beziehung zu einer 30 Jahre jüngeren Inselschönheit andererseits - das passt irgendwie ncht zusammen und zumindest die Liebesgeschichte ist dann wieder das klischeehafte Wunschdenken eines alten weißen Mannes.
Eindrucksvoll sind die Wildnis- und Naturschilderungen, der Kampf Steens mit der Natur, um seinen Traum vom natürlichen und autarken Leben zu verwirklichen. Dass dieser Traum auch seinen Tribut fordert, macht die zunehmende physische und psychische Zerrüttung Steens deutlich. Stellenweise liest sich "die dritte Quelle" großartig - dann aber zieht sich das Lesen gegen Ende der Erzählung häufig quälend zäh dahin. Die Versprechungen, die dieses Buch am Anfang weckt, haben sich für mich am Ende leider nicht erfüllt.