Die in diesem Band versammelten Erzählungen stammen aus der späteren Schaffensperiode des Autors, die nach der russischen Revolution von 1905 beginnt und sich bis zum Tode Andrejews erstreckt, der 1919 im Exil in Finnland in bitterer Armut starb. Im Vergleich zu den im Band Das rote Lachen enthaltenen Geschichten sind die zehn im vorliegenden Buch veröffentlichten Texte im Durchschnitt umfangreicher und inhaltlich vielschichtiger.
Noch stärker als in Das rote Lachen erscheinen die Geschichten hier aus einer tiefen pessimistischen und düsteren Grundstimmung heraus geschrieben, die die Grundlage der literarischen Betrachtung verschiedener Themen bildet. Die Beschäftigung des Autors mit der religiösen Überlieferung etwa findet sich am prominentesten in der dem Band seinen Titel gebenden Erzählung Judas Ischariot, die ein einerseits rätselhaftes, andererseits aber auch suggestives Psychogramm Judas' entwickelt. Desweiteren ist die Erzählung Die sieben Gehängten erwähnenswert, in der Andrejew das seelische Erleben ganz verschieden gearteter Personen während der letzten Tage vor ihrer Hinrichtung betrachtet. Und auch die letzte Erzählung des Bandes, Das Joch des Krieges, in der der Autor in Tagebuchform eine Vielzahl von subjektiven Betrachtungen und Beobachtungen des Protagonisten vor dem Hintergrund des ersten Weltkrieges zu einem stimmungsvollen Ganzen verwebt, verdient es, gesondert genannt zu werden.
Zusammenfassend kann über diesen Band im Wesentlichen das Gleiche gesagt werden, wie schon über Das rote Lachen: Eine schön aufbereitete Sammlung von lesenswerten Erzählungen eines großen russischen Autors, der zu Unrecht in Deutschland nur wenig Beachtung gefunden hat.
Leonid Nikolayevich Andreyev (Russian: Леонид Николаевич Андреев; 1871-1919) was a Russian playwright and short-story writer who led the Expressionist movement in the national literature. He was active between the revolution of 1905 and the Communist revolution which finally overthrew the Tsarist government. His first story published was About a Poor Student, a narrative based upon his own experiences. It was not, however, until Gorky discovered him by stories appearing in the Moscow Courier and elsewhere that Andreyevs literary career really began. His first collection of stories appeared in 1901, and sold a quarter-million copies in short time. He was hailed as a new star in Russia, where his name soon became a byword. He published his short story, In the Fog in 1902. Although he started out in the Russian vein he soon startled his readers by his eccentricities, which grew even faster than his fame. His two best known stories may be The Red Laugh (1904) and The Seven Who Were Hanged (1908). His dramas include the Symbolist plays The Life of Man (1906), Tsar Hunger (1907), Black Masks (1908), Anathema (1909) and He Who Gets Slapped (1915).