Deutschland ist Europameister - im Bananenessen. Ein Drittel des gesamten EU-Imports an Bananen landet auf heimischen Ladentischen, vor allem in Supermärkten und Discountern. Doch der Preis für Bananen ist seit über zwanzig Jahren nicht gestiegen - mit fatalen Konsequenzen für die Anbauländer, in denen Naturparadiese zerstört und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Dabei gibt es für die Verbraucher Alternativen, denn biologisch angebautes und fair gehandeltes Obst ist längst überall erhältlich - und erschwinglich. Selbst der Konzern Chiquita hat auf seinen Plantagen Verbesserungen eingeführt, als Reaktion auf Boykottaufrufe vor rund 20 Jahren. Dennoch dominieren heute die Billigangebote, Bio- und Fair Trade-Bananen fristen aller Lippenbekenntnisse zum Trotz ein Nischendasein. Das über zwei Jahre recherchierte Buch macht deutlich: Die wahre »Bananenrepublik« liegt heut- zutage nicht mehr in Lateinamerika, sondern in Deutschland.
Sarah Zierul ist Wissenschaftsjournalistin und Dokumentarfilmerin. Bekannt wurde die Autorin durch ihr Buch »Der Kampf um die Tiefsee«, das 2011 für den Preis des besten Wissenschaftsbuches nominiert war. 2009 erhielt sie den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten, 2013 wurde »Dschungel unter Wasser« zum besten ökologischen Film (Green Screen) gekürt.
Billig, billiger, Banane(nbuch) Ein interessantes und wichtiges Buch, das gleichermaßen die Rolle eines informierenden Sachbuches und eines dringenden Appells an die Politik und die Supermarktkunden Deutschlands erfüllt. Die renommierte Wissenschaftsjournalistin nimmt uns mit auf eine Reise die in den deutschen Supermärkten und Discountern beginnt, über den großen belgischen Hafen in Antwerpen (dem größten Bananenhafen der Welt) hinaus bis nach Costa Rica und Ecuador führt, und uns wiederum am Ende zurück nach Deutschland bringt, um uns Revue passieren zu lassen über das bis dato gelernte. Die Autorin beschränkt sich dabei nicht auf einen rein historischen Überblick, oder eine bloße Analyse der gegenwärtigen Zustände in Lateinamerika, sondern bindet beides in eine sorgsame Untersuchung der deutschen Supermarkt-Politik mit ein. Das Ergebnis lautet dann ungefähr so: Die deutschen gehören zu den größten Bananenkonsumenten der Welt, und die Banane ist in Deutschland das zweitbeliebteste Obst überhaupt. Trotzdem ist der Preis für Bananen im Gegensatz zu dem für andere in Deutschland erhältliche Obstsorten in den letzten 20 Jahren so gut wie überhaupt nicht angestiegen, und zwischenzeitlich sogar gesunken. Lediglich die Markenbananen von Chiquita oder die Bio/Fairtrade Bananen besitzen einen etwas höheren Preis, der allerdings ebenfalls im Vergleich mit anderen Obstsorten recht gering ausfällt. Lediglich 25 Prozent aller in Deutschland konsumierten Bananen sind solche "besseren Bananen" während die restlichen 75 Prozent aller Bananen das sind, was man als "konventionelle Bananen" oder eben auch "Billig Bananen" bezeichnet. Die steht im krassen Gegensatz zu dem angeblichen Boom an Bio/Fairtrade Produkten und den von Kunden selbst gegebenen Angaben über die Wichtigkeit der Produktionsbedingungen und der Nachhaltigkeit, die scheinbar, laut eigenen Angaben, für über 90 Prozent aller Käufer eine Rolle spielt. Über die Produktions-und Arbeitsbedingungen die mit diesen im Supermarkt immer ganz vorne liegenden Bananen verbunden sind, wird man als Kunde im Supermarkt nicht aufgeklärt. Dem Normalo-Kunden sagen höchstens die Fairtrade, Bio, oder WWF Abzeichen auf der Banane etwas, aber auch die klären nicht über die genauen Produktionsbedingungen auf den Lateinamerikanischen Plantagen auf. Der grüne Frosch der Rainforest Alliance, der auch dem Zeichen des WWF zugrunde liegt, ist den meisten Leuten kein Begriff und fällt ihnen noch nicht einmal auf. Das liegt unter anderem an dem Marketingtrick den Kunden durch möglichst wenige Schilder und Angaben vom eigentlichen Kauf abzulenken und so das Kauferlebnis möglichst attraktiv oder unbeschwert zu gestalten. Der wichtige Ausschlagpunkt für den Kauf soll dabei die möglichst Attraktiv aussehende Banane und der möglichst niedrige Preis sein, die in den entsprechenden Prospekten noch einmal mit solchen Schriftzügen wie "BILLIGER WIRDS NICHT" oder "JETZT SO GÜNSTIG WIE NIE" angeboten werden. Dabei bemüht sich beispielsweise Chiquita, über dessen Geschichte wir ebenfalls aufgeklärt werden, im Gegensatz zu den beiden anderen großen Produzenten Lateinamerikas, Dole oder Del monte (auf dessen Plantagen die ungeschützte Arbeit mit giftigen Pestiziden und die schlechte Bezahlung an der Tagesordnung stehen) nach dem Boykott der Europäischen und Amerikanischen Käufer in den 90er Jahren und den großen Protestaktionen von Umweltorganisationen, ganz entgegen seines vollkommen zurecht furchtbaren Images in der Zeit bis in die 90er, seitdem zunehmend darum den Kriterien der Rainforest Alliance, die regelmäßig die Kriterien für die Erhaltung des Siegels erhöht und unabhängige Prüfungen vor Ort durchführt, gerecht zu werden. Dies zeigt sich in einer maßgeblichen Reduktion giftiger Pestizide vor Ort und verbesserten Arbeitsbedingungen (wozu sowohl die Löhne als auch die Schutzausstattung für die Arbeiter auf den Felder gehört) und einer zunehmenden Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und NGOs (non government organisations). Leider, und hier landen wir beim inhaltlichen Zentrum des Buchs, hat sich das bisher weder für Chiquita, noch für die Bio und Fairtrade Bananenproduzenten in irgendeiner Art und Weise finanziell rentiert. Stattdessen schreibt Chiquita immer häufiger rote Zahlen und hat immer häufiger mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Grund? Europäische und zunehmend auch Amerikanische Supermarkt und Discounterriesen wie Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Metro und Kaufland kaufen zunehmend billige Bananen auf, die seit einigen Jahren schon fast 70 Prozent des gesamten Bananenaufkommens in Deutschland abdecken, die dann für Preise von Ca 1 Euro oder weniger in den Supermärkten verramscht werden. Seinen Ursprung hat diese Politik im Erfolg von Aldi, dem Discounter der in Essen seit den 40ern dank seiner geringen Preise eine enorme Expansion betrieben hat und dessen Grundsätze sich in den darauffolgenden Jahrzehnten zunehmend auch auf andere Discounter und Supermärkte, wie Lidl, Edeka und Rewe, übertragen haben. Diese Geizhalts-Mentalität schlägt sich dann auch darin wieder, dass die Deutschen im Schnitt nur Ca 11 Prozent ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel hergeben. Dabei handelt es sich um einen der niedrigsten Werte in ganz Europa. Gerade aus diesem Grund, weil eben die Deutschen, gerade bei Bananen, einen so unglaublich kleinen Teil ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel hergeben, und trotzdem der wichtigste Abnehmer der meist aus Lateinamerika stammenden gelben Beeren (ja Bananen gehören zu den Beeren) ist, haben die deutschen, und inzwischen durch Expansion ins Ausland auch Europäischen Supermarkt und Discounterriesen, einen enormen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und die Nachhaltigkeit der angebauten Früchte in den Exportländern. Da sich die Discounter und Supermärkte bereits seit einigen Jahrzehnten einen sich zunehmend verstärkenden weltweite Unterbietungswettbewerb liefern sinken die Einnahmen der Produzenten und die Erträge auf den Plantagen. Ein großer Teil der Bananen wird dabei nicht, wie bei dem großen Lieferanten Chiquita per Festpreis über langfristigere Verträge sondern kurzfristig auf dem Spotmarkt verkauft, auf dem Aldi, als Niedrigbieter par Excellence, den Preis vorgibt. Somit kommt es, wie wir ebenfalls erfahren, auch immer häufiger zu Rückfällen von früheren Bio/Fairtrade Plantagen zu den konventionelleren Billigbananen, die eben von den Kunden im Supermarkt häufiger gekauft werden, und auf die sich die Discountern deshalb vorwiegend konzentrieren. Das es auch anders gehen kann wird uns gegen Ende des Buches anhand einer Niederländischen Supermarktkette namens PLUS demonstriert, die sich bereits vor einigen Jahren dazu entschieden haben, nur noch Fairtrade Bananen anzubieten, und die den Käufern somit keine andere Wahl lassen, als sich entweder an diesen zu bedienen oder auf Bananen zu verzichten. Der Erfolg kann sich dabei sehen lassen, da die Erträge besagter Supermärkte im Nachhinein sogar angestiegen sind. In Deutschland hingegen wehrt man sich sowohl von Seiten der Supermärkte, die mit einem Rekurs auf das Argument der "Freiheit der Käufer" argumentieren, gegen eine solche Einschränkung, als auch in der Politik (sowohl auf Eu-Ebene als auch innerhalb Deutschlands) gegen den Zwang der Unternehmen ihre genauen Lieferketten und die Arbeitsbedingungen ihrer Zulieferer offenzulegen oder bestimmten fairen Normen zu entsprechen. Stattdessen werden Bedingungen vorgegeben denen eine Banane ihrem äußeren nach entsprechen muss, damit sie für den Käufer "attraktiv" genug ist und gekauft wird. Diese akribische Überprüfung der Schönheit einer Banane führt zu Unmengen an zurückgeschickten und auf dem Müll landenden, vollkommen Essbaren Bananen. Womit man am Ende als Leser zurückgelassen wird, ist die Erkenntnis, dass wir als Käufer, aber auch als Wähler, eine enorme Macht und einen großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und den nachhaltigen Anbau in den Anbauländern besitzen. Indem wir zunehmend billige Bananen, aber auch andere Früchte oder Produkte im Allgemeinen, kaufen, unterstützen wir die Supermärkte und andere große Handelsunternehmen darin die Preise auf Kosten der Arbeiter und Produzenten in den Exportländern zunehmend nach unten zu drücken und ihre große Vormachtstellung (Aldi, Lidl, Rewe und Edeka verkaufen fast 90 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland und gehören zu den größten Handelsunternehmen der Welt) zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen. Etwas, das wie wir am Beispiel Ungarn erfahren, nicht nur Bananen und nicht nur Bauern und Produzenten in Lateinamerika zu schaden kommt. Deshalb ist es gut, und auch wichtig, dass die Autorin gegen Ende noch einmal genau die verschiedenen Siegel und Abzeichen auflistet, die wir in deutschen Supermärkten so finden können, und uns über ihre genauen Hintergründe und Bedeutungen aufklärt, um uns so dabei zu helfen die richtigen Bananen auszusuchen. Wie auch im Buch formuliert, kostet es einen durchschnittlichen Haushalt im Schnitt ca 10 Euro im Jahr statt der billigen Bananen die guten Fairtrade und sogar Biobananen zu kaufen. Das macht im Schnitt ca 80 Cent im Monat aus. 80 Cent um Menschenleben zu retten, um Tiere zu retten, und um die Natur zu schützen. Das ist es allemal wert. Darauf jetzt erstmal eine Banane, und zwar eine aus fairem Handel und biologischem Anbau, guten Hunger!