„Frauen werden unterdrückt. Und Frauen lassen sich unterdrücken. Und Frauen beteiligen sich an der Unterdrückung, an der eigenen und an der anderer Frauen.“ Viel mehr als den lamentierenden Klagen über die perfiden Brutalitäten der Männer noch ein weiteres Traktat hinzuzufügen, sind die beiden Wiener Soziologinnen daran interessiert zu erfahren, warum Frauen denn alles mit sich geschehen lassen. Was bringt Frauen dazu, sich immer wieder auf unbefriedigende Verhältnisse einzulassen und sie in ihrer Unvollkommenheit auch noch zu verteidigen? Was steht dahinter: Raffinesse, Trägheit, Hilflosigkeit, Opportunismus?
Das Buch hat mich auf eine ziemlich schonungslose Art mit Fragen konfrontiert, die ich mir so vielleicht nicht gestellt hätte – vor allem, wie sehr Frauen sich in patriarchale Strukturen einfügen, ohne es immer zu merken. Die Mischung aus persönlichen Geschichten und Analyse war eindrucksvoll, auch wenn es manchmal etwas wiederholend wirkte. Was mir gefallen hat, war der klare, direkte Stil, auch wenn er stellenweise fast zu wertend war. Es bleibt auf jeden Fall etwas hängen – auch Irritation, was ich aber eher als Stärke sehe. Kritisch fand ich, dass das Buch sehr stark aus einer bestimmten Perspektive spricht und wenig Raum für andere Lebensrealitäten lässt. Es hätte gutgetan, mehr Vielfalt einzubeziehen und vielleicht auch konstruktiver zu enden. Trotzdem: es regt zum Nachdenken an, auch wenn man nicht allem zustimmt – und das ist ja eigentlich genau das, was ein gutes Buch leisten sollte. Beim Lesen merkt man schnell, dass das Buch schon über 40 Jahre alt ist – viele Beispiele, Begriffe oder Beschreibungen wirken heute etwas aus der Zeit gefallen. Trotzdem hat es mich überrascht, wie aktuell vieles davon noch klingt. Die grundlegenden Muster, wie Frauen sich in Beziehungen anpassen oder Verantwortung für alles übernehmen, sind leider kaum weniger verbreitet als damals. Gerade das macht das Buch so spannend: Es hält einem einen Spiegel vor, der auch heute noch funktioniert.