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Silbermeister

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(Erstausgabe unter dem Pseudonym Ulrich Hassler veröffentlicht)

In Ulrich Hasslers erstem Buch begegnet der Leser einer erzählerischen Begabung, die aus der Fülle schöpft. So fabulierfreudig und handfest zupackend, so unerschöpflich in Wortwitz und Anspielung, so sicher in allen Nuancen vom Zartesten bis zum Bissig-Parodistischen ist lange nicht mehr erzählt worden.

Was erzählt wird, ist gleichwohl rigoroser Konsequenz unterworfen. Es ist die böse Fabel vom Krieg und seinen Helden wider Willen, den Helden aus Gleichgültigkeit. Friedrich Silbermeister, Jagdflieger und Pianist, beides perfekt aus Präzision, wird zur Zwischenlandung in Slowenien, dem Land seiner Kindheit, gezwungen. Für einen Augenblick ist er vom Heldentum entlassen, aber diese Pause wird ihm zum Schicksal. Es läßt sich durchaus äußerlich an: der dickleibige Zahlmeister, ein Amüsierbedürfnis des hohen Gastes vermutend, nimmt ihn mit in die Stadt. Friedrich trifft Drago, den alten Kumpanen von der Jesuitenschule, die schöne Irenena und das Kind, das er kaufen möchte. Im "Zehnerlein", dem Spiel nach Mitternacht, das seine eigenen Regeln und Einsätze hat, zieht Friedrich sein Los. Auch Stefan, der Freund, nun kahlgeschoren und Partisanengeneral, taucht am Rande auf. Inzwischen jedoch ist Schreckliches geschehen, die Wirklichkeit mischt sich ein, der Friedrich phantasierend und improvisierend auf die Spur zu kommen und gleichzeitig zu entrinnen versucht. Aber die eigene Improvisation reißt ihn fort, die Wirklichkeit versinkt, das Ende der Improvisation ist Lösung und Auflösung zugleich. Es gehört zur großartigen Paradoxie dieses erstaunlichen Buches, daß die Erfahrung des Nichts gleichwohl nicht in blanken Zynismus, sondern in die Redlichkeit der Verzweiflung, in den grimmigen Humor schonungsloser Selbstkonfrontierung mündet.

Im Leutnant Silbermeister ist Hassler eine Figur gelungen, in der sich die Kriegsgeneration tiefer wiedererkennt. Endlich ist das Kriegsbuch geschrieben, das die schreckliche Gemeinsamkeit der Schuld nicht leugnet und doch den Ursprüngen auf der Spur ist: der perfekten Automatisierung der Geister und Herzen, die heute nicht minder droht.

455 pages, Mass Market Paperback

First published January 1, 1960

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