What do you think?
Rate this book


Selten mischt sich ein Kirchenmann so offen in gesellschaftliche Debatten ein wie Reinhard Marx mit dieser Streitschrift. Gut so. Im erfrischenden Galopp jagt der Bischof durch staatsphilosophische Theorien. Offen prangert Reinhard Marx die steigende Armut an und benennt als Hauptursache der Finanzkrise die Profitgier. Gleichzeitig brandmarkt er Kapitalgesellschaften, die sich ihrer sozialen Verantwortung entledigen. Oder der Kirchenmann verteufelt im Vorbeigehen das US-Gefangenenlager in Guantanamo Bay als politisch wie moralisch falsch.
Um Wege aus der Krise aufzuzeigen, greift der Bischof gerne auf Bekanntes zurück, zitiert päpstliche Enzykliken und empfiehlt die Katholische Soziallehre. Demnach müsse der Einzelne soziale Verantwortung übernehmen, gleichzeitig solle Schwachen -- „Working Poor“ und zunehmend Familien -- besser geholfen werden. Wirft Reinhard Marx Karl Marx vor, “den Menschen vergessen” zu haben, meint er damit sicher auch seine Religiosität. Wenn der Bischof die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verfasste Dialektik der Aufklärung durch Johannes Paul II. fortgeführt sieht, drohen seine Argumente allerdings zu vereinnahmen.
Sicher gehört Reinhard Marx zu den aufgeschlossenen Kirchenmännern, die mit Freude Fenster öffnen, um frischen Wind hinein zu lassen. Dabei sind seine Standpunkte im einzelnen nicht revolutionär. Vielmehr begeistert der Bischof damit, dass er ohne Wegzuducken viele drängende Probleme der Zeit klar benennt sowie aufrichtig, ja fast kämpferisch nach Gerechtigkeit und Frieden strebt. So könnte Reinhard Marx als Gegner des ungebremsten Kapitalismus wie folgt manifestieren: Soziale Markwirtschaftler aller Länder, vereinigt Euch!
--Herwig Slezak
319 pages
First published January 1, 2008