Plessner replantea aquí la cuestión de la genealogía del fascismo. Parte de dos por un lado, la ideología y la política del nacionalsocialismo encontraron un eco relativamente grande en la élite intelectual. Por otro, no hay que desconocer que en aquella negra amalgama de mito pangermanista y antisemitismo, de biología racista y decisionismo, intervinieron algunos elementos de las grandes tradiciones de Herder, de Schelling y de Nietzsche, Considera que el fragmento nacionalsocialista de la historia alemana ha de ser entendido desde el contexto de la tradición de la propia Alemania.
Warum gerade in Deutschland der Nationalsoz1alismus als Bewegung entstehen konnte, dürfte einer der am häufigsten beleuchteten Fragestellungen der modernen Geschichtsschreibung sein. Einer der klassischsten Debattenbeiträge hierzu stammt von dem Philosophen Helmuth Plessner, welcher Deutschland 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlassen musste. Seine 1935 erstmal publizierte und 1959 unter dem Titel „Die verspätete Nation“ wiederveröffentlichte Schrift arbeitet die geistesgeschichtlichen Hintergründe heraus, warum es zur Katastrophe kommen konnte.
Seine These: Im Unterschied zu anderen westlichen Ländern wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien konnte Deutschland erst zu einem späten Zeitpunkt seine nationale Einigung realisieren. Durch diese Verspätung wurden in Deutschland kaum liberal-demokratischen Traditionen herausgebildet, weswegen auch die Elite des Landes eher zu autoritär-nationalistischen Ideologien tendierte. Plessner kann damit als einer der Hauptvertreter der These des „Deutschen Sonderwegs“ verstanden werden.
Empirisch bestätigen oder widerlegen lassen sich Plessners Ausführungen freilich nicht. Doch sonderlich plausibel erscheinen sie in der Rückschau meines Erachtens nicht. In der Analyse der einzelnen Punkte liegt Plessner zwar überwiegend richtig, doch es wird nicht so richtig klar, warum diese seiner Ansicht nach zwangsläufig im Nationalsoz1alismus münden mussten. Es wird der Anschein erweckt, dass dieser aufgrund der dargestellten Konstellation schon in der Reichsgründung 1871 angelegt war, was ja neuerdings auch von manchen Interpreten der „Anticolonial Studies“ behauptet wird. Doch diese Sichtweise missachtet, dass der Werdegang Deutschlands im europäischen Vergleich so einzigartig nicht ist. Denn auch in Italien gab es eine verspätete Nationalstaatswerdung und autoritäre Tendenzen waren bspw. auch in Österreich und Ungarn zu beobachten.
Somit stellen Plessners Überlegungen sicherlich ganz brauchbare Ergänzungen zur Einordnung der deutschen Geschichte dar. Als monokausales Erklärungsmuster oder ultimative historiografische Antwort taugt „Die verspätete Nation“ allerdings nicht