Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll... Ich hatte gänzlich andere Erwartungen als ich die Inhaltsangabe las, die Enemies to Lovers zu versprechen scheint, aber davon gibt es hier nicht allzu viel. Es fängt zwar damit an, aber viel zu schnell ist jegliche Spannung aufgelöst (abgesehen von Seymons ständigem Selbstmitleid) und alles ist Friede-Freude-Eierkuchen. Wer eine düstere Fantasywelt erwartet, wird auf jeden Fall enttäuscht.
Das Worldbuilding ist sehr flach und fühlt sich wie ein hohles Gerüst an. Jeglicher politische Aspekt oder interessante Konflikte oder Charaktere, die Konfliktträchtig wären und Spannung reinbringen könnten, werden oberflächlich und schnell abgespeist. Die ganze Geschichte hätte mit ihrer viel zu lockeren Atmosphäre besser in ein College Setting gepasst als eine Fantasy Welt. Denn es wirkt hier eher lächerlich, wie sich Charaktere verhalten, Ratssitzungen abgehalten werden und wie hochrangige Adelige, Diener und Leibwächter miteinander umgehen und scherzen als wären es Kommilitonen und nicht Erwachsene, die über Kriege entscheiden müssen. Es fehlt der nötige Ernst. Zudem empfand ich die Welt als sehr tot, weil die Charaktere die vorkommen sehr eindimensional sind. Sie haben ihre Rollen, aber fühlen sich nicht lebendig an und bisweilen fragt man sich, wo man sich eigentluch grade befindet und wie dieses merkwürdige Land überhaupt aufgebaut ist, wenn hochrangige politische Persönlichkeiten sich selber das Essen zubereiten und zwar ständig zu irgendwelchen Ratssitzungen gehen, aber nie irgendwelche Diener oder sonstigen Menschen treffen. Irgendwie scheinen Königssöhne, der Erste Wächter (Jahmez) und die spirituelle Hofmagierin (ich habe den tatsächlichen Titel schon vergessen, weil es auch wirklich nicht wichtig war) alle irgendwie zusammen leben, wie in einer WG, aber außer den wenigen Charakteren mit Namen ist da irgendwie niemand. Ich konnte mir nie so richtig vorstellen, wo unf wie die slleben, wo befinden die sich überhaupt? In einem Schloss? Einer Burg? Einem Adelshaus? Werden die Treffen dort oder woanders abgehalten? Die Titel der einzelen Charaktere wurden auch so ungefähr einmal zu Anfang mitgeteilt und danach nie wieder.
Die Charaktere waren aber letztlich noch schlimmer als das Worldbuilding. Die wenigen erotischen Szenen empfand ich durch meine bloße Antipathie den beiden Protagonisten gegenüber, vor allem aber Seymon, schon als eher unangenehm.
Seymon ist einfach einer der unsympathischsten Charaktere die ich seit langem erleben musste. Nicht weil er ein kaltblütiger Mörder ist - das wäre ja mit einer entsprechenden Charakterentwicklung interessant gewesen - nein. Er ist nichts anderes als eine männliche Mary Sue. Soll angeblich ein großer Krieger sein und seine Gefühle und Mimik nach außen hin meisterlich beherrschen, davon merkt man aber als Leser bzw Hörer wenig. Er ist nur am jammern, heulen, versinkt von Anfang bis Ende des Buches in Selbstmitleid. Trotzdem ist das Feindesland (also das seines zukünftigen Gemahls-wider-Willen) und alle dortigen Charaktere sofort viel zu nett, zuvorkommend, verzeihend und später geradezu schwärmend über ihn unterwegs. Es war völlig unrealistisch wie entgegenkommend alle waren, obwohl er doch eine wichtige politische Persönlichkeit ermordet und dies gestanden hat. Er tut sich auch sofort als herausragender Stratege und Diplomat im neuen Zuhause hervor (in dem die meisten nicht einmal von den Umständen des Mordes wissen, und ihn somit hassen müssten).
Nun soll Seymon ein stark traumatisierter Charakter sein. Okay. Aber abgesehen davon, hat der Charakter einfach nichts zu bieten. Er ist nicht interessant, sondern lediglich darüber am lamentieren wie man ihm überhaupt Freundlichkeit entgegen bringen könne, er verdiene es ja nicht. Daher war auch die Entwicklung der Liebe zwischen Seymon und Jahmez für mich wenig nachvollziehbar.
Es gab allerdings einen Grund und der sollte vielleicht schon mal irgendwo erwähnt werden und zwar ist diese Story weniger Enemies to Lovers als eher eine Soulmate Geschichte. Und davon bin ich persönlich weniger ein Freund, leider wurde das niergendwo, auch in keiner Rezension die ich gelesen hatte, erwähnt. Denn letzlich dient es hier nur als Mittel um eine eigentlich unrealistische Startkonstellation in eine Liebesbeziehung zu zwingen. Aber nicht auf eine sexy Art und Weise sondern eher "Ich will zwar enemies to lovers schreiben, aber keiner soll Fehler haben, die es zu überwinden gilt, keine Ecken und Kanten, es macht auch keinen Sinn warum sie sich ineinander verlieben sollten, also nutzen wir dafür einfach Magie und ein magisches Band". (Die näheren Umstände hierzu sowie dem Brudermord sind sogar noch schlimmer, weil sie noch weniger Sinn machen, lasse ich jetzt aber aus spoilergründen mal weg.)
Furchtbar kitschig alles. Es trieft wirklich in diesem Buch und ständig kommen jemandem die Tränen. Den größten Kriegern und Königssöhnen. Die einzig interessanten hätten die Charaktere aus Seymons Heimat sein können, weil es da ein bisschen härter zugeht als bei unseren lieben Protagonisten -wenn sie denn etwas Zeit bekommen hätten. Sie wurden jedoch nur hier und da erwähnt oder tauchten auf um irgendwie "fies" zu sein, aber ohne dass dies einen näheren Hintergrund hatte oder glaubwürdig und vor allem ernsthaft weitergeführt worden wäre. So taucht beispeilsweise Seymons Vater auf, was sehr traumatisch für diesen ist und interessant hätte sein können. Es passiert aber nichts. Es wird lediglich gesagt wie gemein dieser doch ist, aber dann zieht er auch schon wieder ab. Und was spielt sich sonst so ab? Jahmez kommt mit Tränen in den Augen aus einem politischen Treffen (!) mit diesem weil... er so ein schlimmer Mensch sein soll. Näher erläutert wird es nicht, wie so vieles im Buch. Wir haben also den großen Ersten Wächter dieses Landes, der heult, weil er einen Gespräch mit einem feindlichen König führen muss, der nichts tut außer ein paar "gemeine" Sprüche über seinen Sohn abzulassen. Ja ist schon alles sehr schlimm.
Jeglicher Konflikt, sowohl in der Vergangenheit als auch Gegenwart wird entweder nur angerissen und nicht nachvollziehbar erzählt und abgewürgt.
Generell ist das Buch auch sehr beschreibend, aber man fühlt es nicht (also das Gegenteile vom erwünschten "Show, don't tell").
Man muss es schon sehr schmalzig mögen, Konflikte und düstere Geschichten verabscheuen und keinen Wert auf eine interessante Welt legen (also ich sage mal so... leider sehr typisch für Romance). Es geht im Prinzip wirklich nur um die Liebesgeschichte und die ist einfach nur labgweilig und unintereressant. Praktisch ohne Konflik, trotz der Prämisse. Und warum manch ein Review sagt dass die Geschichte düster sein soll kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Und auf gar keinen Fall zu Vergleichen mit richtiger (High-)Fantasy. Höchstens vielleicht Young Adult, aber selbst da sind die meisten wahrscheinlich noch tiefgründiger und besser ausgebaut.
Die Sprecher empfand ich auch als äußerst unpassend. Jahmez klang total aufgesetzt, arrogant und gestelzt und der Sprecher von Seymon scheint viel zu alt für die Rolle zu sein. Beide haben teilweise eine komische unpassende Betonung und man kann unterschiedliche Charaktere beim Sprechen/Dialogen praktisch nie voneinander unterscheiden. Gut ist leider anders.
Kann ich eigentlich niemandem empfehlen.