Die EU bietet uns unglaublich viele Möglichkeiten, die ich auch sehr gerne nutze. Ich bin ein großer Fan der offenen Grenzen, der gemeinsamen Währung und der Tatsache, dass ich rein theoretisch überall in der EU wohnen könnte, ohne mich groß um irgendwelche Genehmigungen kümmern zu müssen. Außerdem liebe ich Erasmus+ und war auch schon Teilnehmerin. Nicht im Zuge meines Studiums, auch wenn ich das gerne auch noch tun würde. Ich habe vor meinem Studium einen Europäischen Freiwilligendienst geleistet, heute heißt der Europäischer Solidaritätskorps. Wenn ihr das noch nicht kennt, dann recherchiert jetzt mal ein bisschen: Wenn ihr zwischen 18 und 30 Jahre alt seid, dann könnte das für euch interessant sein. Und wenn ihr gerade 18 geworden seid, dann googelt mal "DiscoverEU". Ich wünschte, das hätte es schon zu meiner Zeit gegeben. Und die zwei Autoren dieses Buchs waren da bei der Erfindung von "DiscoverEU" mit dabei! In diesem Buch haben die beiden jetzt 95 weitere Thesen aufgestellt, die für die Zukunft der EU wichtig sein könnten.
Diese Thesen behandeln die unterschiedlichsten Themen. Da ist Wirtschaft mit dabei, die Außenpolitik, eine Wahlpflicht wird genauso vorgeschlagen wie eine allgemeine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre (wie wir das in Österreich eh schon haben). Einige, wie europaweite Rabatte für Studierende, die Abschaffung der Winterzeit oder das Startguthaben für 25-Jährige, das für Bildung und co. eingesetzt werden kann, würden meinen Alltag verbessern. Viele weitere hören sich gut an und wären wahrscheinlich eine Diskussion wert. Und dann gab es noch einige, zu denen ich meinen Senf nicht dazugeben kann und will, weil mir da das Hintergrundwissen fehlt. Ob das gute Ideen sind, lasse ich andere entscheiden.
Gleichzeitig mit diesen Ideen hat mich dieses Buch auch mit Gewalt auf meinen inneren Sexismus gestoßen und ich habe mich richtig geärgert, dass da noch so viel in mir drin zu sein scheint. Das Buch ist im generischen Femininum geschrieben, Männer dürfen sich also mitgemeint fühlen. Über weite Teile ging das ganz gut. Sobald dann aber Statistiken gekommen sind, hat es in meinem Kopf zu rattern begonnen: "Hä, warum sind hier denn nur die Zahlen für die Politikerinnen/Lehrerinnen/Studentinnen?" Joa. Danke an die beiden Autoren, dass ihr mir das gezeigt habt.
95 Thesen sind viel und wenn ihr dieses Buch lest, dann nehmt euch Zeit dafür. Auch wenn ich die Ideen sehr spannend fand, war das Buch für mich stellenweise eine anstrengende Lektüre. Mit diesen Ideen kommt auch sehr viel Fachwissen, das für mich über weite Teile neu war. Und das auf sehr wenig Platz, jede These bekam nur fünf Seiten oder so. Da muss das wissen dann natürlich sehr konzentriert sein. Und das machte das Buch für mich anstrengend.
Mein Fazit? Interessante Thesen, auch wenn ich einige davon nicht einschätzen kann.