Das Mädchen Julia wird „aus Gründen, die nicht hierher gehören“ vorübergehend von Verwandten auf dem „Doktorhof“ aufgenommen. Der Hof liegt auf einer Nordfriesischen Marscheninsel. Als Julia dort eintrifft, geschieht das nicht zur Freude aller Bewohner. Der Onkel, der „Viehdoktor“ der Insel, geht in seinem Beruf auf, die Tante kann mit Julia nichts anfangen, und die zwei Töchter der Haushälterin fühlen sich zurückgesetzt und verteidigen ihr Revier gegen den Eindringling. Einzig zu Herrn Ellermann, der in den Kutscherstuben wohnt und in der ehemaligen Remise des Hofes eine Anzahl alter Kutschen pflegt, fasst sie Vertrauen. Er ist ein alte Kauz und ein Erzähler von fantasievollen Geschichten. Julia, nicht weniger mit Vorstellungsvermögen bedacht, bekämpft ihr Heimweh, indem sie sich in dessen Fantasiewelt einspinnen lässt. Julia gehört zu der Art von Mädchen, „die dem Läuten der Schneeglöckchen und Glockenblumen nachlauschen“, wie Herr Ellermann sagt. Vom ersten Tag an wartet sie sehnsüchtig auf einen Brief, der sie in ein fernes Land rufen wird und schreibt ihrerseits Briefe. Die bewahrt sie in ihrer Schatulle auf, bis sie eine Adresse haben wird, an die sie sie schicken kann. Manchmal verkriecht sie sich in den Laderaum einer alten Brotkutsche, die in der Remise abgestellt ist und deren Geruch sie an „Glockenläuten am Sonntagmorgen und das Laubhaus in der Kastanie“ erinnert. So schwankt sie zwischen Heimweh und Fernweh. Eine besondere Rolle spielt der Hahn auf dem Dach, ein Firstgockel auf dem Giebel der Remise, dem Fenster von Julias Giebelkammer gegenüber. Im Zwiegespräch mit ihm spinnt sie vorm Einschlafen die zauberhaften Geschichten des Herrn Ellermann weiter und vermengt sie mit dem Tagesgeschehen. Uwe, ein stiller Junge im Alter von Julia, wird wegen seiner feuerroten Haare und seiner sozialen Herkunft herablassend der „Rotfuchs vom Mäusedeich“ genannt. Er verrichtet für den Doktorhof verschiedene Botendienste, ist aber ansonsten nicht gern gesehen. Schließlich verbietet die Tante Julia den Kontakt mit dem angeblichen „Aufwiegler“. Zwischen Julia und ihm entwickelt sich trotzdem oder gerade deswegen eine Freundschaft, die Julias Heimweh mit der Zeit verdrängt. Bei Julia wächst das Fernweh mit jedem Tag, der vergeht, ohne dass der erwartete Brief eintrifft. Die gemeinsamen Erlebnisse der beiden erreichen ihren Höhepunkt bei einem Drachenflugwettbewerb, der für sie nicht mit ihrem Sieg, sondern eher mit dem Gegenteil endet. Das Geheimnis, das darin steckt, teilen sie nur mit Herrn Ellermann.