»Sie halten den Laden am Laufen«: Pflegekräfte, Paketbotinnen oder auch Arbeiter in den großen Fleischfabriken des Landes. Für ihren Einsatz während der Corona-Pandemie wurden sie von den Balkonen der Republik beklatscht. Doch ihr Alltag ist oft geprägt von prekären Beschäftigungsverhältnissen, schlechten Arbeitsbedingungen, Druck, Stress und Diskriminierung.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes haben mit Beschäftigten in für unser Leben so wichtigen Branchen wie Gesundheit, Ernährung oder Logistik gesprochen. Entstanden sind eindringliche Porträts, die sichtbar machen, was in der modernen Klassengesellschaft häufig im Schatten bleibt: Wie erfahren diese »Helden und Heldinnen des Alltags« ihre Situation? Welche Probleme machen ihnen am meisten zu schaffen? Und wo liegen Chancen für Veränderung? Das Ergebnis ist eine ebenso notwendige Würdigung der verkannten Leistungsträgerinnen und Leistungsträger wie ein unverzichtbarer Beitrag zum Verständnis der Arbeitswelt von heute.
Zu Beginn und während der ersten Monate der Corona-Pandemie wurden sie vom Balkon aus beklatscht: Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Man schenkte ihnen für eine kurze Zeit verbale Anerkennung, ihre Arbeitsrealität rückte flüchtig in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen haben sich dadurch kaum verändert, ihr Alltag ist oft geprägt von prekären Beschäftigungsverhältnissen, einer schlechten Arbeitsatmosphäre, Druck, Stress und Diskriminierung.
In ihrem Buch "Verkannte Leistungsträger:innen - Berichte aus der Klassengesellschaft", herausgegeben von Nicole Mayer-Ahuja und Oliver Nachtwey, kommen genau diese Menschen zu Wort: In 22 Kapiteln werden Interviews mit Pflegekräften, Erzieher*innen, Beschäftigten der Krankenhauswäscherei, Saisonarbeiter*innen, Verkaufspersonal, Zusteller*innen und vielen mehr geführt, diese Interviews entsprechend eingeordnet und Probleme sowie Chancen sichtbar gemacht. Entstanden sind eindringliche und empathische Porträts, deren Stärke vor allem darin liegt, dass sich die Menschen, die unser Leben am Laufen halten und in unserer Klassengesellschaft häufig im Schatten bleiben, selbst äußern können und ihnen auch entsprechend zugehört wird.
Beim Lesen wird schnell klar, dass alle Beschäftigten der jeweiligen Berufsgruppen ein Anliegen eint: Sie sind stolz auf ihre Arbeit und wünschen sich mehr Anerkennung für diese, einerseits auf monetäre Art von den Arbeitgebenden, andererseits durch Wertschätzung von Kund*innen und der Gesellschaft im Allgemeinen. Gerade letzteren Punkt können wir alle sehr einfach beeinflussen, für Ersteren ist vor allem die Politik in der Pflicht, die Arbeitsbedingungen regulierend zu verbessern. "Verkannte Leistungsträger:innen" ist ein so beeindruckendes wie wichtiges Werk, das Menschen in systemrelevanten Berufen einen Raum bietet, ihre jeweiligen Situationen sichtbar zu machen. In meinen Augen unbedingt lesenswert!
Ich habe das Buch von meinem Master-Studium aus in einem Modul gelesen. Ich finde es schwierig, eine Sterne-Bewertung zu geben, da es sich um die Geschichten und Erfahrungen von Menschen handelt. Das Buch gibt einen Einblick in prekäre Berufe und die Situationen der Arbeiter*innen. Nach dem Lesen sehe ich nun etwas anders auf einige Berufe und Berufsgruppen und an vielen Stellen hat das Buch auch verblüfft und zum Nachdenken angeregt. Spannend und schockierend, wo überall der Kapitalismus herrscht und Einfluss hat.
Das beste Sachbuch dass ich dieses Jahr gelesen habe. Das Buch behandelt Berichte aus der Klassengesellschaft, legt die systemische und systematische Ausbeutung an Systemrelevanten dar. Sehr gute journalistische Arbeit. Empfehlung meinerseits. LG
Dieses Buch ist eine unbedingte Lese-Empfehlung für jede*n, vor allem Fans des Kapitalismus. Das Buch ist perfekt, um Solidarität für den Klassen- und Arbeitskampf zu entwickeln und zu erneuern. Bei vielen der Abschnitte bin ich mindestens einmal wütend geworden. Vor allem die immer wieder auftretende Ausnutzung von nicht-deutschen Menschen, die wegen unfairer Asyl- und Migrationspolitik keinen Machthebel haben, um sich zu wehren, ist einfach nur beschämend. CN: Reproduktion des N-Worts
Informativ, empathisch und leicht nachvollziehbar werden die Ausprägungen unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse deutlich gemacht, die alle eint, dass sie prekär, wenig wertgeschätzt, nicht gerecht entlohnt sowie systemrelevant sind. Eine spannende Lektüre für jeden, der anhand von 22 Beispielen ausdrücklich vor Augen geführt bekommen möchte, wer unsere Gesellschaft auch außerhalb von Pandemie-Zeiten wirklich am Laufen hält und welchen Preis diese verkannten Leistungsträger*innen dafür bezahlen.