Hanno Helbling, Jahrgang 1930, studierte Geschichte, Germanistik und Komparatistik. Seit 1973 ist er Leiter der Feuilleton-Redaktion der "Neuen Zürcher Zeitung". Seine Veröffentlichungen befassen sich mit Fragen der historischen Methode ("Der Mensch im Bild der Geschichte", 1969), mit mittelalterlicher Geistesgeschichte ("Saeculum Humanum", 1958) und neuester Kirchengeschichte ("Politik der Päpste", 1981). Helbling übersetzt aus dem Italienischen (Leopardi, Montale), aus dem Französischen (Benjamin Constant, Ramuz) und aus dem Englischen (die Sonette von William Shakespeare). Ein so umfangreiches, vielschichtiges Werk wie die "Suche nach der verlorenen Zeit" gleicht einer fremden Großstadt, die man nur langsam erkundet, in die man sich einleben muß. Der Essay von Hanno Helbling leistet den Lesern von Marcel Prousts Roman einen ähnlichen Dienst, wie ihn ein Reisebuch dem Touristen erweist: nicht die Beschreibung alles Sehenswürdigen, sondern die Einstimmung auf eine Ambiance, auf das Zusammenspiel von Proportionen, Motiven und Themen. Während einer ersten Lektüre des Textes den Überblick zu erleichtern oder nach einem ersten Durchgang die Leseeindrücke ordnen zu helfen, ist seine Absicht. Die Literatur über Proust und seinen Roman bleibt außer Betracht, aber auf das Werk selbst wird fortlaufend verwiesen und so zur Beschäftigung mit ihm angeregt.
Baudelaire hat gemeint, Kunstwerke ließen sich nur durch Kunstwerke kommentieren. Helbings ebenso kurze wie geniale Einführung in Prousts Werk, die sich in Analogie zum zyklischen Aufbau der „Recherche“ auch als nachträglicher Kommentar lesen lässt, wird diesem Anspruch gerecht.