Einmal so wie Erik sein! Das hat sich Andreas immer gewünscht und sich von Jugend an um eine Freundschaft mit dem zwar stets höflichen und beneidenswert gelassenen, aber letztlich unnahbaren Erik bemüht. Doch Erik ist nicht nur der Bessere, was die Schulnoten, die Beliebtheit bei den Mädchen oder den Sport betrifft. Auch zwanzig Jahre später, als sie sich in Berlin zufällig begegnen, ist aus Andreas nur ein Romanist in der Lehrerfortbildung geworden, während Erik es als Filmarchitekt in die glamouröse Welt Hollywoods und in die Nähe bekannter Filmstars geschafft hat – zum Beispiel Hélènes, einer weltberühmten Schauspielerin, für die wiederum Andreas sein Leben lang geschwärmt hat. Ohne zu ahnen, dass ausgerechnet diese Hélène von der Leinwand herabsteigt und für einige Tage leibhaftig in sein Leben treten wird. Dank Erik zwar, aber ohne ihn.
Schöner denn je ist ein pointierter, liebevoll lakonischer Roman. Mit unverwechselbar trockenem Humor lässt Hans-Ulrich Treichel seinen erfolglosen Helden, Andreas Reiss, durch das ummauerte Westberlin stolpern – einen Melancholiker, der wenig später das tut, wovon er eben noch behauptet hat, es besser bleiben zu lassen. Und wie bei Tschechows Gewehr kann man sich sicher sein: Am Ende hat alles eine Bedeutung.
Hans-Ulrich Treichel has quickly developed a literary reputation in Germany for writing which is readable, humorous and yet challenging. He enjoyed huge popular and critical success with the publication of his first major prose work, Der Verlorene (translated into English as Lost), in 1998. This work is a poignant re-working of an experience through which Treichel’s own family went towards the end of the Second World War. Since Der Verlorene his career has developed through a series of prose works and novels which combine an acute sense of time and place with appealing comic irony (Tristanakkord, Der irdische Amor, Heimatkunde, among others). It was as a poet that he first began to write, however, and his anthologies of poetry have enjoyed renewed success as a result of his rise to fame as one of Germany’s leading prose writers. Hans-Ulrich Treichel is also an academic and has published widely on German literature of the modern period. He is currently director of the Deutsche Literaturinstitut in Leipzig.
Wieder mal eine Geschichte von Treichel, in der nicht allzu viel passiert, und den ich trotzdem gerne wegen seiner tollen Sprache und humorvollen Szenen lese (dabei ist immer wieder unschwer zu erkennen, dass Treichel und seine Figuren schon etliche Psychoanalysen durchgemacht haben müssen). Nur, wenn sich der Ich-Erzähler nicht ständig in seiner obsessiven Fantasienwelt verloren hätte, was beim Leser zum gedanklichen Abdriften verleitet, wäre ich auch bereit gewesen, 5 Sterne zu vergeben.