Stefan Zweig zeichnet in einem seiner bekanntesten Werke ein unvergleichliches Leben nach: das Joseph Fouchés, der es vom armen Priesterschüler bis zum späteren Herzog von Otranto bringt, einem der reichsten Menschen Frankreichs; eines Mannes, der es versteht, nach der Macht zu greifen und sie festzuhalten, dabei stets handelnd als gnadenloser Opportunist, der keine Loyalität kennt – außer der zu sich selbst, sowohl in den blutigsten Tagen der Französischen Revolution als gefürchteter Jakobiner und „Mitrailleur de Lyon“, der zehntausende Menschen erschießen lässt, wie bald darauf als tödlicher Gegner Robespierres und später dann höchst reaktionärer Polizeiminister Napoleon Bonapartes; und selbst nach dessen Sturz ist eine der erstaunlichsten Karrieren der Weltgeschichte noch längst nicht zu Ende...
Fasziniert von Stefan Zweigs Art historische Begebenheiten und Persönlichkeiten darzustellen habe ich Magellan, Erasmus von Rotterdam, Marie Antoinette, Maria Stuart und jetzt Joseph Fouché gelesen beziehungsweise gehört. Zweigs literarische, historische und psychologische Kunst zeigt sich in der Biographie Joseph Fouchés aufs eindrücklichste. Es gelingt ihm die charakterlose, schleimige aber intelligente Persönlichkeit Fouchés auf eine Weise darzustellen, dass sie und die Geschichte um und nach der französischen Revolution lebendig werden und die Gewalt und der Witz von Zweigs Sprache aufs eindrücklichste zum Tragen kommen.