Hamburg 1847: Eines Nachts wird zwischen Rödingsmarkt und Nikolaikirche ein unbekannter toter Mann aus dem Fleet gezogen. Die einzige Spur: zwei Ziegelsteine im Gehrock des Toten. Bei seinen Recherchen stößt der Commissarius Bischop auf höchst verdächtige Machenschaften in der Hamburger Politik nach dem großen Brand 1842.
Boris Meyn ist ein deutscher Krimi-Autor und Historiker. Er studierte an der Universität Hamburg und beendete dieses Studium 1989 mit seiner Magisterarbeit „Paul Seitz - Studien zum öffentlichen Bauwesen, insbesondere zum Schulbau der Fünfziger und Sechziger Jahre in Hamburg“. Sein daran anschließendes Promotionsstudium im Bereich Kunst- und Bauhistorie konnte er 1996 mit seiner Dissertation „Die Entwicklungsgeschichte des Hamburger Schulbaus“ ebenfalls erfolgreich beenden. Neben der Veröffentlichung von historischen Kriminalromanen, hat er zahlreiche wissenschaftliche Fachpublikationen herausgegeben. Die Krimis des Autors spielen in der Commissarius-Bischop-Reihe in Hamburg des 19. Jahrhunderts sowie in der Reihe Sonntag, Herbst und Jensen in Ratzeburg und Umgebung.
Das Buch: Es handelt sich bei diesem Buch um den ersten Teil einer mehrteiligen Serie von Verbrechen im historischen Hamburg. Wir befinden uns im Jahr 1847 – 5 Jahre nach dem großen Brand von 1842, bei dem große Teile der Innenstadt dem Feuer zum Opfer fielen. Das Cover zeigt ein historisches Bild der Stadt Hamburg und hebt sich damit von heute üblichen Covers erfreulich ab. Auch der Klappentext trifft genau mein Interesse an Hamburgs Geschichte. Im Anhang befindet sich ein recht ausführlicher Epilog, in dem der Autor dem Leser Einblick in die belegbaren Fakten der Geschichte gewährt.
Worum geht’s? Commissarius Hendrik Bischop wird eines Nachts zu einem Fleet gerufen, aus dem ein Toter geborgen wird, in dessen Taschen sich zwei Ziegelsteine gefunden werden und im Futter seines Mantels befinden sich Reste eines amtlich aussehenden Papiers. Niemand weiß, wer der Tote ist und was es mit den gefundenen Indizien auf sich hat. Eine Jagd nach der Identität des Toten und den Todesumständen durch die Hamburger Politik beginnt.
Charaktere: Zitat S. 149: „Das personelle Geflecht hatte undurchschaubare Züge angenommen“. Genau dieser Gedanke, den Hendrik Bischop etwa zur Hälfte der Geschichte hat, dominiert auch meine Meinung zu diesem Buch. Der Leser wird mit so vielen Namen – zumeist historisch belegt – konfrontiert, dass es schwer fällt den Überblick zu behalten. Überdies sticht keiner der Charaktere tatsächlich heraus oder wird sonderlich tief gezeichnet. Das finde ich schade, denn gerade der Commissarius, welcher eine fiktive Person darstellt, hätte es meiner Ansicht nach verdient, dass man als Leser so etwas wie eine Verbindung zu ihm aufbaut. Hendrik Bischop hat es nämlich zwischen den ganzen Bauherren und Politikern wahrlich nicht leicht. Zudem fühlt er sich zur Tochter seines besten Freundes hingezogen. Aber auch diese Verbindung bleibt eher blass und unspektakulär.
Deshalb fällt es mir in diesem Fall sehr schwer, besonders viel über die eine oder andere Figur zu sagen. Ich kann noch nicht einmal feststellen, ob ich jemanden besonders mochte oder auch nicht, da mir tatsächlich kein Charakter tatsächlich nahe ging.
Historischer Hintergrund: Der historische Hintergrund der Geschichte ist belegt und im Internet nachzuvollziehen. Mich hat die Geschichte mehr als nur einmal animiert nachzuschauen, was es mit den erwähnten Bauten und Zusammenhängen auf sich hat. Dies mag auch daran liegen, dass mir die Hamburgische Geschichte ohnehin sehr gefällt. Durch die Menge an Informationen, die der Autor dem Leser anbietet, ist es jedoch auch hier schwierig den Überblick zu behalten.
Gefallen hat mir jedoch, dass sich der Autor zunutze gemacht hat, dass die Brandursache nie wirklich aufgeklärt werden konnte. Dies hat zur Folge, dass sich der Leser Gedanken darüber macht, ob es sich möglicherweise – aufgrund der gelieferten Fakten – um Brandstiftung gehandelt haben könnte. Gesagt wird es so deutlich natürlich nie, aber zwischen den Zeilen findet man das ein oder andere Indiz.
Ebenfalls spannend finde ich den Umstand, dass viele der erwähnten Namen heute auf Straßenschildern in Hamburg zu finden sind, was eine weitere Suche im Internet interessant macht, sofern man sich für die Geschichte der Stadt interessiert.
Schreibstil: Aufgrund der oben genannten Fakten liest sich der Roman ein bisschen wie ein Sachbuch, was mich als Leser in Erwartung eines Romans enttäuscht. Auch der Schreibstil des Autors erscheint etwas trocken und eben sehr sachlich, sodass kaum einmal etwas Stimmung aufkommt. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Stadt Hamburg 5 Jahre nach dem Brand eher grau in grau gewesen sein muss. Dies allerdings kann ich mir kaum vorstellen, denn auch nach dieser großen Katastrophe gab es Freizeitangebote, die der Autor auch selbst erwähnt.
Auffällig ist, dass der eigentliche Kriminalfall um den Toten aus dem Fleet eher im Hintergrund stattfindet – auch das stellt Hendrik Bischop irgendwann fest. Die Politik und die Wirtschaft dieser Zeit, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Deputationen und die Familien- und Standesklüngeleien hingegen stehen weit im Vordergrund.
Fazit: Die politische und wirtschaftliche Geschichte Hamburgs aus der Zeit nach dem großen Brand dominiert diese Geschichte meiner Ansicht nach zu sehr. Die Aspekte, die einen Roman, einen Krimi ausmachen kommen dahingehend zu kurz und der Leser kann sich nicht wirklich mit den Charakteren anfreunden. Wer Sachbücher mag, könnte diesen Roman als gute Lektüre empfinden, wer einen klassischen Krimi erwartet, dürfte enttäuscht werden. 2 von 5 Sternen.
Anna: »Historischer Hamburgkrimi erfordert Lesedisziplin, belohnt jedoch mit fundiertem Wissen und interessanten Einblicken in Gesellschafts- und Machtstruktur der Stadt im Jahre 1847.«
Finn: »Historischer Krimi, der die Aufbaujahre nach dem großen Brand von 1842 mit viel bauhistorischem Wissen zum Leben erweckt.«
Elin: »Faszinierender Einblick in die städtebauliche Geschichte Hamburgs, angereichert mit einem bisweilen etwas überflüssig wirkenden Mordfall.«
Maja: »Trocken geschriebener Roman um politische und wirtschaftliche Ränkespiele im Hamburg nach dem großen Brand, eingebettet in einen einfach gestrickten Krimi.«
Hamburg hat den großen Brand von 1842 überstanden. Die Stadt ist im Wiederaufbau begriffen. Da wird ein Toter in einem Fleet gefunden, wie sich zeigt, ermordet. Das Besondere sind zwei Ziegelsteine in seinen Taschen. Commissarius Hendrik Bischop nimmt sich des Falles an. Während seiner Ermittlungen bewegt er sich den höheren Kreisen der Hansestadt, Architekten, Bauherren, aber auch Bürger mit revolutionärem Gedankengut kreuzen seinen Weg. Trotzdem oder gerade deswegen will er diesen Fall klären. Boris Meyn legt hier den ersten Band seiner Hamburger Krimis vor. Er zeichnet ein authentisches Bild der damaligen Zeit in der „Freien und Hansestadt“. Daß er aus der historischen Baukunst kommt, wird vielleicht etwas überdeutlich. Dem Roman sollte man es aber nachsehen, die Spannung bleibt erhalten. Daneben erfährt man etwas über die politischen Verhältnisse, die nicht unbedingt nach dem heutigen Verständnis mit „frei“ zu übersetzen sind.
Mir hat das Buch nicht sehr zugesagt. Der Schreibstil ist angepasst an das Jahr, in dem die Geschichte spielt (1842), daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Teilweise war die Geschichte einfach zu sehr in die Länge gezogen und "plätscherte vor sich hin". Gefallen hat mir, dass ich viele Orte der Handlung kannte, da ich selbst in Hamburg aufgewachsen bin :)