Von 1911-1932 hat Franz Pfemfert (1879-1954) seine Zeitschrift "Die Aktion" herausgegeben, redigiert, organisiert. Er hat sie und ihre Mitarbeiter durch 21 Jahre deutscher Geschichte geführt, stets als unbequemer Wegbereiter, davon überzeugt, daß es an uns Menschen liegt, die gesellschaftlichen Bedingungen des Lebens zu verbessern. "Die Aktion" gilt heute vor allem als Zentrum der expressionistischen Revolte gegen Wilhelminismus, Weltkrieg und "bürgerliche" Gesellschaft. Aber von Anfang an war "Die Aktion" mehr als ein literarisch-künstlerisches Forum: Pfemfert hat immer versucht, die Rebellion des Gefühls, das Unbehagen am bürgerlichen Kunstbetrieb mit den Notwendigkeiten politischer Veränderung zu verbinden. Er hat diese "Linie" durchaus aggressiv verfochten: nicht zuletzt auch als Autor von Leitartikeln, Polemiken und Glossen, die in vielem bedrückend aktuell geblieben sind. Der "Aktion" als literarischer und politischer Zeitschrift, Franz Pfemfert als politischem Verleger und Autor ist dieser Sammelband gewidmet. Die Person Franz Pfemferts verblaßt nicht nur in der Erinnerung der Linken; auch die Literaturwissenschaft, die an der Bedeutung der "Aktion" für den Expressionismus nicht vorbei kann, schweigt in der Regel über Pfemfert - um über den unbequemen, linksradikalen Autor nicht reden zu müssen? Wolfgang Haugs Auswahl von Aufsätzen Pfemferts uns sein biographisches Vorwort brechen dieses Schweigen, damit wir mit unseren Mitteln an die Hoffnungen anknüpfen können, mit denen Pfemfert seine Zeitschrift "wider diese Zeit" gesetzt hat.