»Flüsse des Schmerzes« und »Wasserfälle der Liebe«, rios de dolor und cascadas de amor. Diese Worte sind auf der Hängematte eingestickt, in welcher die namenlose Protagonistin in einem seltsam riechenden Sommer viel Zeit verbringt. Von diesem Punkt aus erzählt sie, wechselnd zwischen Erinnerungen und dem Jetzt, von zwei bewegten Jahren: Vom Abhauen und Ankommen, von Sex und Drogen, vom Verhältnis zwischen Frau und Mann, von Melancholie, Zorn und der Suche nach sich selbst. Und von einem Ayahuasca-Trip, der als Kulminationspunkt furios beschrieben wird.
bei solchen büchern denk ich mir immer „ach naja so schlecht geht‘s mir nicht und so abgefuckt war mein leben auch noch nie“ und das ist ja schon mal was wert. auch wenn man bisschen ich-bin-einfach-spontan-gap-year-fomo bekommt
Das Buch hat nicht wirklich stringente Handlung, es ist eine wildes herumspringen in den Erfahrungen ihrer Jahre vor dem Buch. Ein Leben mit viel Exzess, Sex, selbstzerstörischen, kaputten Verhalten in einer kaputten Gesellschaft. Trotz des wilden herumspringen, liest es sich gut und ist unterhaltsam. Es ist nicht mega auf intellektuell, sondern einfach und klare Sprache.
Jessica Jurassica ist etwa gleich alt wie ich, kommt aus demselben Kanton, beide links und haben beide Mal was mit Medien gemacht. Also vieles was sie schreibt ist einfach relatable und fühlt sich real an, weil ich ähnliche Dinge gesehen und erlebt habt und sie dazu interessante Gedanken hat. Ob Musik, Newsletter oder im Buch.
Und trotzdem halt völlig komplett andere Menschen, sich zu vergleichen liegt nahe, ich einfach im Vergleich der Turbobünzli der sein Leben komplett im Griff hat. Aber einfach Respect, wie sie alles zu Papier bringt und in Text gefasst kriegt und die ganzen Projekte die sie anreißt.
Ich bin schon eine Weile Instagram-Fan von Jessica Jurassica und das Buch ist ziemlich genau das, was ich mir erhofft habe. Ich habe schon eine Weile einen Softspot für Autofiktion und dies war für mich ein Roman dieses Genres par excellence. Interessante Erfahrungen, die sehr fern von meinen eigenen sind und sehr spannend sind, durch Jurassicas Linse zu lesen. Feministische und politische Ansätze, die sehr meinem eigenen Weltbild entsprechen und willkommen waren. Solide 4 Sterne.
Plot hat mich nicht sonderlich angesprochen. Eine Aneinanderreihung an Erzählungen. Eher so ein Gefühls-Buch. Deshalb nur zwei Sterne. Mir hat der Schreibstil gut gefallen, und die Hauptperson (wahrscheinlich die Autorin?) ist interessant und reflektiert.