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Soziologie der Selbstoptimierung

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Produktiver arbeiten, mehr leisten! Noch fitter werden, noch schöner! Selbstoptimierung steht im Mittelpunkt gegenwärtiger sozialer Anforderungen und individueller Sinnwelten kapitalistischer Gesellschaften. Doch was ist mit Selbstoptimierung genau gemeint? Handelt es sich um ein neues Phänomen? Welche individuellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Konsequenzen hat es? Entlang dieser drei Fragen entwickelt Anja Röcke eine so klare wie grundlegende Begriffsdefinition, diskutiert die Geschichte der Selbstoptimierung und bestimmt die Faktoren, die Selbstoptimierung als gleichermaßen zentrales wie ambivalentes Phänomen der spätmodernen Gesellschaft ausmachen.

265 pages, Paperback

Published April 18, 2021

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Anja Röcke

7 books

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Profile Image for Pepe Bellin.
11 reviews1 follower
July 22, 2022
Sozialwissenschaftliche, akademisch-analytische Aufbereitung der Selbstoptimierung
Profile Image for David.
71 reviews9 followers
August 3, 2021
Röcke beginnt mit begriffs- und ideengeschichtlichen Umrissen der Begriffe, Optimum, Optimierung, Selbstoptimierung. Dabei stellt sie auch die Bezüge zu den technischen und mathematischen Anwendungen der ersten beiden Begriffe her. Zudem unterscheidet Röcke den Begriff der Optimierung vom dem der Maximierung: Maximierung folge einer quantitativen Logik, Optimierung einer qualitativen (S. 49f.). Selbstoptimierung sei ein junger und "affirmativer" Begriff; sie kritisiert auch zaghaft den kulturkritischen Gebrauch (S. 59).
Daraufhin unternimmt Röcke eine Klassifikation selbstoptimierender Praktiken. Um diese vorzunehmen, grenzt sie Selbstoptimierung von Selbstsorge ("self care" oder "body care") ab (S. 64f.): Selbstsorge charaktisiert sie (rationalistisch) als nicht-instrumentell, Selbstoptimierung als instrumentell. Dieselben Praktiken können insofern Zeichen von Selbstoptimierung sein oder auch nicht. Sie erwähnt auch Grenzfälle sozialer Beziehungen, wo z.B. bestmögliche Bildungsinstitutionen für die eigenen Kinder gesucht wird. Zudem betont sie, dass Selbstoptimierung, da die notwendigen gedanklichen Voraussetzungen erst seit dem 19./20. Jhd bestehen, mindestens genauso jung ist (S. 78).
Weg von den Praktiken untersucht die Autorin die Ideengeschichte, die zur Selbstoptimierung führt. Konkret setzt sie als notwendige, aber (allein) nicht hinreichende Voraussetzungen:
- Bildung. Diese charaktisiert die Autorin als "nicht planbar" (im Gegensatz zur Selbstoptimierung) (S. 88).
- Fortschritt. Die unterscheidet sich durch den Bezug auf die Gesellschaft und Linearität (S. 97).
- Rationalisierung. Jene impliziert eine gewisse Abgeschlossenheit, sobald ein Ziel erreicht ist (S. 103), außerdem eine stärkere Planbarkeit.
- Selbstrationalisierung. Hier sieht Röcke einen direkten Vorläufer, aber noch nicht mit derselben Konnotation der Flexibilität (S. 112).

Ausgehend davon gibt sie einen Überblick über die bereits bestehende Diskussion zur Selbstoptimierung. Konkret:
- auf Basis von Kontingenztheorie (Makropoulous),
- Ökonomisierung des Sozialen (Bröckling und Duttweiler),
- kulturtheoretische/praxeologische Analyse (Reckwitz),
- Subjektivierung (Bublitz),
Die Autoren besprechen Selbstoptimierung in der Regel nur als Nebenaspekt; ihre Beschreibungen unterscheiden sich, als Gemeinsamkeiten nennt Röcke Modernität, Überbietung, Relationalität und Wettbewerb.

Zuletzt wird eingegangen auf verschiedene "analytische" Perspektiven auf die Selbstoptimierung. Hierzu werden bspw. Foucaults genealogiische Perspektiven auf die Entwicklungen seit der Antike (Sorge um sich selbst als Voraussetzung der Individuums als Teil der Gesellschaft), Selbstoptimierung als Praxis und Subjektivierung besprochen.

Röcke bietet einen guten Einblick in die zugrundeliegende Ideengeschichte und aktuelle Diskurse zu dem Thema. Dies ist (weitgehend) sorgfältig zusammengetragen und wird gut vermittelt. Ich habe durch das Buch auch einige Anregungen zu weitergehender Lektüre erhalten. Wer danach sucht, kann mit desem Buch glücklich werden. In meinen Augen gibt es hier aber in Bezug auf Nietzsches Übermenschen-Philosophie eine Leerstelle, denn diese kommt nicht mit einem Wort zur Sprache. Außerdem wären Bezüge zur stärker "avantgardistischen" Denkrichtungen und Problemstellungen wie Gentechnik/Eugenik, Extropianismus o.ä. durchaus möglich gewesen und hätten zu einem besseren Verständnis beitragen können. Warum diese Themen so völlig ausgespart bleiben, wird mir nicht klar.

Ungenügend ist teilweise die Darstellung der technisch-mathematischen Zusammenhänge: In der Mathematik ist Optimierung mit einem Fixpunkt ("Optimallösung") verhaftet; die Maximierung eine Form der Optimierung. Der dort teilweise deutlich andere Sichtweise auf den Optimierungsbegriff lässt für mich auch einige Fragen offen, z.B. ob der soziologische Optimierungsbegriff tatsächlich so korrekt definiert ist (eben als "ohne Zielpunkt"), und ob die mathematischen Sätze zu Lagrange-Dualität und komplementären Schlupf nicht sogar Anregungen zu soziologischen Untersuchungen ermöglicht hätten. (Ich vermute es.)
Wie schon angedeutet bleibt das Werk relativ schwach, wenn es um Ergänzung eigener Gedanken zum Thema geht. Die Abgrenzung der Selbstoptimierung von der Selbstsorge bleibt blass. Zur Einschätzung der Bedeutung der Selbstoptimierung rekurriert sie auf die autobiographische Selbsteinschätzung (S.210) und kommt so zum Ergebnis, dass Selbsteinschätzung heute eine geringe Rolle spielt. Aus Subjektivierungssicht nachvollziehbar, was wirkt aber leider etwas einseitig und verkürzt wirkt.
215 reviews
September 8, 2023
This is a habilitation treatise that was published but not rewritten as a book. Unfortunately it doesn't work as such. There's little point to get into the details here - and knowing how much work long academic theses take, I don't want to be too critical here.

If you are interested in the broader issue: I got much much more from reading the primary literature this book is based on. Eva Illouz, Saving the Modern Soul is more on point as a critique for self optimization, Rosa's acceleration theory might be a bit dated but it still captures the basic currents fairly well. Reckwitz is much stronger when it comes to the cultural analysis of different milieus.
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