Gontscharows erster Roman (1847 erschienen) danach folgte der seinen Weltruhm begründende "Oblomow".
Der junge, von seiner Mutter verwöhnte Alexander kommt vom Land in die Großstadt (Petersburg). Dort trifft der überaus schwärmerisch veranlagte, ins Schreiben und Verlieben verliebte junge Mann auf seinen überaus materiell-pragmatisch veranlagten Onkel. In vielen Gesprächen zwischen diesen beiden unvereinbaren, sich völlig gegensätzlich verhaltenden Charakteren wird eine feine kluge Geschichte des im Aufbruch befindlichen Russlands erzählt. Der Onkel belehrt den jungen Alexander mit Erkenntnissen wie dieser: „Was eine Frau dir auch immer antut, ob sie dich betrügt, ob sie erkaltet, heimtückisch ist, wie es in Gedichten heißt – beschuldige die Natur, gib dich aus diesem Anlass meinetwegen philosophischen Betrachtungen hin, tadele die Welt, das Leben, was immer du willst, aber taste nie die Persönlichkeit einer Frau an, weder mit Worten noch mit Taten. Die Waffe gegenüber der Frau ist Nachsicht, die grausamste schließlich das Vergessen! Dies allein ist einem anständigen Mann gestattet.“
Nach einigem hin und her antwortet Alexander: „Ich erwarte von ihr, dass ich in ihrem Herzen den ersten Platz einnehmen Die geliebte Frau sollte keinen anderen Mann bemerken oder treffen als mich; sie sollten ihr alle unerträglich erscheinen. Ich allein stehe höher, bin herrlicher, besser, edler als alle.“
Diese beiden kurzen Abschnitte zeigen schon, dass es ein sehr vergnüglicher Text ist und zum Schluss dreht Gontscharow die Vorzeichen – der junge Alexander wird pragmatisch und der Onkel trifft eine Entscheidung zu Gunsten der Liebe zu seiner Frau.
Jetzt hoffe ich, dass der Hanser Verlag auch noch den Roman „Die Schlucht“ veröffentlicht. Dann wäre die Trilogie mit „Oblomow" und „Eine gewöhnliche Geschichte“ vollständig.
Ö1 hat in Exlibirs am 8.August 21 eine wundervolle Buchvorstellung gesendet und fast vergessen hätte ich dass die gut lesbare deutsche Übersetzung von Vera Bischitzky stammt.