Ich habe mich schon oft gefragt, ob man einen Autor, eine Autorin mögen muss, um seine/ihre Werke uneingeschränkt zu mögen. Auf viele meiner Lieblingsschriftsteller:innen trifft das zu. Was ich Interviews, Portraits und anderen öffentlichen Zeugnissen ihres Charakters über Cornelia Funke, Stephen King und andere Größen entnehmen kann, bestärkt mich jedes Mal in meiner Liebe zu ihren Büchern. Was ich etwa über J. K. Rowling weiß, wirft eindeutig einen Schatten auf Harry Potter. Er sitzt im Dunkeln. Das Werk vom Autor, von der Autorin trennen? Ich bin nicht sehr gut darin.
Im Fall von Andreas Altmann jedoch fällt es mir leicht: Ich liebe seine Texte, er selbst ist mir nicht gerade sympathisch. Warum, vermag ich nicht eindeutig zu sagen. Vielleicht weil ich eine Frau bin, und Andreas Altmann – obwohl er das Weibliche in allen erdenklichen Lobeshymnen besingt – auf mich wie jene Sorte Mann wirkt, die diese Lobeshymnen vor allem für die Schönen singen, nicht für die Frauen im Allgemeinen. Schön muss sie sein, aufregend, leidenschaftlich, klug. Und auch wenn das nicht nur auf Äußerlichkeiten bezogen ist, störe ich mich doch an seiner Oberflächlichkeit, auch an seiner toxischen Männlichkeit, wie man heute wohl sagen würde.
Damit bewerte ich seine Texte über Heimat, über verschiedene Länder, Städte, Geisteszustände, Menschen und Tiere – welche zweifelsohne grandios sind – nicht unabhängig von seiner Person, von seinem Charakter, seiner Weltanschauung. Ich beurteile nicht seine Sprache, denn die ist ohne Fehl und Tadel; ich beurteile das Gesagte. Unprofessionell, ich weiß. Man kann einem Buch fünf Sterne geben, auch wenn der Inhalt einem widerstrebt. Ich kann es in diesem Fall nicht. Und zähle das Buch trotzdem zu einem neuen Liebling. Man sehe es mir, der durchschnittlich schönen, aufregenden, leidenschaftlichen und klugen Frau, nach.