Ein völlig abgefahrenes Buch im Aussteigermilieu voller Fantasie und Musikalität. Ich habe es bewundert, ich habe es verflucht, ich habe geschmunzelt oder verständnislos den Kopf geschüttelt, nur in umgekehrter Reihenfolge.
Zandschow, irgendwo im Nirgendwo, hoch im Norden Deutschlands, ist ein Ort, in dem sich Gescheiterte wiederfinden, die sich einreden, zufällig dort zu sein und die das Leben durch eine Fantasiebrille betrachten, um das Beste daraus zu machen. Grundsätzlich mag ich es, wenn die eigene Situation mit einer Art Galgenhumor betrachtet wird, wenn nicht gejammert, sondern der Alltag mit Witz und Fantasie bereichert wird. Auch der sprachliche Rhythmus, die wiederkehrenden Themen, der absolut innovative Stil haben mich beeindruckt, aber…
Für mich war das Lesen über weite Strecken kein Genuss. Es mag an meiner mangelnden Musikalität liegen, ich kannte z. B. keinen der am Schluss aufgeführten Musiktitel, die der Autor beim Schreiben hörte, mir war es zu viel Wiederholung fantasievoller Abschweifungen, zu viel Absurdität und zu wenig erkennbarer Hintergrund der Geschichte. Mühsam versuchte ich, Zusammenhänge zu erkennen und Anspielungen zu verstehen, ohne wirklich dahinter zu kommen. Ich weiß jetzt z. B., dass es im Indischen Ozean eine Insel gibt, auf der eine aggressive Gruppe Indigener lebt und niemand diese Insel betritt und vielleicht haben sie in Zandschow gedanklich oder wirklich den Versuch, die Insel zu erkunden, am Feuerlöschteich nachgespielt – oder auch nicht. Was sollte das Reh aus Brüderchen und Schwesterchen, was die Szenen in Böhlen, Mannsfeld oder Schwerin? Rätsel, bei denen ich keine Chance habe, sie zu lösen oder wenn es eventuell keine Lösung gibt, sind nichts für mich.
Die experimentelle Art, ein Buch zu schreiben, ein Buch, das dem Namen des Autors alle Ehre macht, ist mutig und verdient Anerkennung. Leider blieb es mir teilweise verschlossen, trotzdem bereue ich es keineswegs, es gelesen zu haben.