Mixtapes statt Kohle: Die Achtziger im Ruhrgebiet.
Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.
4.5/5 - Ich mach mir gleich ein Mixtape fürs nächste Klassentreffen. Tschuldigung, Stufentreffen. Freu mich schon auf die ganzen Anekdoten von der Skifreizeit, Konzerten in der Bochumer Zeche und den Saufgelagen im holzgetäfelten Party Keller. Ob bei meinen Eltern irgendwo im Keller noch mein alter Walkman liegt? Bestimmt. Eingewickelt in einer Elpi Plastiktüte. Danke für all die herrlichen Erinnerungen. Ich hör jetzt Through the Barricades.
Witzig und erträglich sentimental wie von Goosen gewohnt, bekannte Schauplätze und Personen, zum Ende hin selbstreferenziell, aber originell gebündelt. Eher eine EP für echte Fans als das ganz große Album, aber davon hat er ja ohnehin genug im Portfolio.
Ihr wisst, was ein Walkman, eine Kassette oder Videothek sind? Dann gehört ihr zu potentiellen Leserschaft von Frank Goosens Buch „Sweet Dreams“, in dem über teils sehr persönliche Erfahrungen schreibt, die er in den 80ern machen durfte.
Wer die Zeit kennt, dürfte sehr nostalgisch auf die einzelnen Episoden blicken, von denen der Autor autobiografisch erzählt. Sei es der erst Kuss, das erste Mal oder einfach nur die politischen Einstellungen oder Denkrichtungen. Aber auch längst Vergessenes taucht wieder auf, wie z.B. der Smog-Alarm in den Städten bzw. dem Ruhrgebiet.
Goosen schreibt nicht sachlich distanziert über diese wilde Zeit, sondern durch und durch persönlich eingefärbt. Dabei reicht das Spektrum von „hoch interessant“ über „wie nostalgisch“ bis hin zu „wen interessiert denn sowas“? Der Unterhaltungswert einzelner Geschichte schwankt zuweilen. Zum einen liegt es daran, dass man (meiner Meinung nach) ein Kind der Zeit sein muss, um nachempfinden zu können, was der Autor da schreibt und zum anderen muss man die Eigenheiten des Ruhrgebiets zumindest ansatzweise kennen.
Ich selbst bin Rheinländer und zudem etwas jünger als der Autor und kann so manch Erlebtes nur bedingt nachempfinden. Dafür kann ich im Schreibstil auch ohne Hintergrundkenntnisse aufgehen, der mal mit einem dezenten und mal mit einem deftigen Schuss Humor daherkommt. Aber auch hier glaube ich, dass nur der über die „Shake Hands-Erfolge“ lachen kann, der selbst miterlebt hat.
Das Buch ist teilweise politisch weit links eingefärbt und glorifiziert den übermäßigen Alkoholkonsum. Wer gern bezüglich bestimmter Themen angetriggert werden möchte, sollte das Buch wohl eher meiden.
Fazit
Wer die 80er Jahre selbst miterlebt hat, den werden die teils sehr persönlichen Erzählungen von Frank Goosen sehr nostalgisch stimmen. Es ist eine Reise quer durch die jeweiligen Themen der damaligen Zeit, eingebettet in persönliche Erlebnisse des Autors. Ich habe allerdings so meine Zweifel, ob jemand mit dem Buch etwas anfangen kann, der die Zeit nur aus Erzählungen kennt. Von daher spreche ich für diese Leserschaft nur bedingt eine Empfehlung aus. Alle anderen können getrost zugreifen, wenn sie gern mit einem lachenden Auge zurückblicken können.
Frank Goosen: Autor, Kabarettist und Ruhrgebiets-Ikone. In "Sweet Dreams" blickt er zurück auf seine Jugend in den 80ern. . Goosen zeichnet zum Einen ein musikalisches Klangbild und erklärt, welche Lieder diese Periode für ihn geprägt haben. Zum anderen lässt er viele Accessoires der Zeit Revue passieren. Da sind modische Entgleisungen wie Schulterpolster, bunte Trainingsanzüge aus Ballonseide und Moonboots. Goosen erinnert sich liebevoll, wehmütig oder auch mit Unverständnis an Highlights wie Walkman, Mixtape und Zauberwürfel. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise mit Filmen wie "Zurück in die Zukunft" und "La Boum - Die Fete". Wir begleiten ihn in die Videothek, beim Klammerblues und auf die erste Demo. Pütt, Stahl und Smog-Alarm - das ist Frank Goosens Ruhrgebiet. . 1984 ist das Jahr in dem Frank Goosen und seine Freunde 18 wurden. Ich wurde da 10. Die 80er waren für mich persönlich noch mehr Kindheit als Jugend. Ich habe vieles also wahrscheinlich etwas anders im Kopf. Wo bei Goosen schon Wehr- und Ersatzdienst wichtig wurden, stand bei mir noch Gummitwist im Fokus. Trotz altersmäßig unterschiedlich intensiver Sichtweisen auf die Dinge und das Zeitgeschehen habe ich aber vieles wiedererkannt. . Frank Goosen ist Ruhrpott durch und durch. "Sweet Dreams" ist eine Liebeserklärung an Goosens Heimat und die 80er. Goosen schreibt sich seine Erinnerungen von der Seele. Frei Schnauze. Teilweise im typischen Ruhrpottslang. Nüchtern und unverklärt. Ein Must-Read für alle, die den Ruhrpott und die 80er lieben.
„Zwei halbe Liter Pilsener, ein wolkenloser Himmel, eine gesichtslose, triste 50er Jahre Architektur, die einem aber trotzdem genauso Heimat ist, wie schneebedeckte Berggipfel und sich sanft im Wind wiegende Fichtenwipfel.“ Mit diesem Satz liefert das Buch selbst schon die beste Zusammenfassung. Wie immer schafft es der Autor wunderbar, die Erinnerung und das Gefühl der 80er im Ruhrgebiet aufleben zu lassen. #Books
Pubertäre und postpubertäre Episoden aus dem Ruhrpott in den 1980ern. Typisch Goosen, mit dem üblichen Personal oder direkt autobiografisch. Das Ganze ist keine Hochliteratur, eher leicht verdaulich, aber meist amüsant und Erinnerungen weckend.