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Wie Interpretiert man eine Novelle und eine Kurzgeschichte?

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Hans-Dieter Gelfert erläutert zunächst grundlegende Verständnisvoraussetzungen und gibt allgemein gültige Hinweise und Ratschläge zur Interpretation, bevor er das theoretische Wissen an bekannten Novellen und Kurzgeschichten der deutschen und der Weltliteratur erprobt.

195 pages, Paperback

First published January 1, 1993

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Hans-Dieter Gelfert

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June 15, 2013
Obwohl ich lieber Romane als Kurzprosa lese, bin ich ständig auf der Suche nach Kurzgeschichten, über die sich im Rahmen einer Literaturgruppe diskutieren lässt. Warum mich Kurzgeschichten immer wieder fesseln, obwohl ich mich für sie als Gattung nur schwer begeistern kann, habe ich mit "Wie interpretiere ich eine Novelle und eine Kurzgeschichte" zu ergründen versucht. Als "Literaturwissen für Schüler" enthält der Band keine Modellinterpretationen, sondern arbeitet typische Merkmale von handwerklich vorbildlichen Novellen und Kurzgeschichten bekannter Autoren heraus. Interpretationen zu den genannten Texten lassen sich über das umfangreiche Literatur- und Quellenverzeichnis finden.

Als Pioniere der Kurzgeschichte gelten u. a. Washington Irving, Walter Scott, Hawthorne, Melville, Henry James und Tschechov. In Deutschland fasste diese Gattung erst nach dem Zweiten Weltkrieg under dem Einfluss Hemingways Fuß. Auf dem amerikanischen Literaturmarkt sorgte eine rege Lesernachfrage nach einem vielfältigeren Angebot an Kurzprosa als bei uns. Zudem gibt es in den USA Sonderformen wie Tall tale, Yarn, Local-Colour-Story. Gelferts Vorgehen, Merkmale der Kurzgeschichte im Unterschied zur Novelle zu definieren, fand ich einleuchtend. Gelferts Siebstruktur zur Definition (Gibt die Geschichte ein realistisches Bild der Wirklichkeit? Liegt ihr Wahrheitszentrum im Erzählten? Hat sie eine kurze Erzähldistanz? Wird sie nichtauktorial erzählt?) eignet sich perfekt als Anstoß und Leitfaden einer Diskussion. Zugleich klärt der Autor die Bedeutung des ersten Satzes: Der erste Satz verrät, ob ein Text Kurzgeschichte, Novelle oder Roman ist, zeigt die Erzählperspektive und gibt das Erzähltempo vor.

Novellen von Kleist, Grillparzer, Storm und Grass werden dazu herangezogen, die Besonderheiten des "Goldkäfer" von Poe erläutert und beispielhafte Geschichten von Maupassant, Ebner-Eschenbach, Tschechov, Joyce, Mansfield, Hemingway, Borchert, Böll, Schnurre, Hildsheimer und Wohmann vorgestellt. Gelferts m. A. nach zutreffende Kritik, dass die Kurzgeschichte in Deutschland noch immer ein Nischendasein führt, weil für Unterrichtszwecke über Generationen die immer gleichen Texte ausgewählt werden, über die sich schon immer gut diskutieren ließ, werde ich mir zu Herzen nehmen und statt in Anthologien nach Texten zu suchen mich nach bisher unbekannten Autoren umsehen. Da Gelfert mehrfach auf Wie interpretiert man einen Roman? verweist, empfiehlt es sich, beide Bände zu lesen.
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