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613 pages, Kindle Edition
Published September 11, 2016
Das Buch Martin Heideggers „Schwarze Hefte“ versammelt kritische Beiträge namhafter Wissenschaftler, die sich mit den Auswirkungen von Heideggers Denktagebüchern auf die Bewertung seines Gesamtwerks auseinandersetzen. Die Veröffentlichung dieser Hefte hat die Debatte über Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus durch offen antisemitische Äußerungen deutlich verschärft. Der Band untersucht, inwieweit diese politischen Ideologeme nicht nur biografische Randnotizen darstellen, sondern tief in der philosophischen Struktur seines Denkens, insbesondere der Seinsgeschichte und Metapolitik, verankert sind.
Zentrale philosophische Analysen
Rainer Marten eröffnet den Band mit einer Reflexion zur Einheit von Heideggers Denken und stellt die Frage, ob die frühen Werke von den späteren politischen Enthüllungen getrennt werden können. Marion Heinz und Emmanuel Faye analysieren den Übergang von Metaphysik zur Metapolitik, wobei Faye die Unterscheidung zwischen Kategorien und Existenzialien untersucht und Heinz die Verknüpfung von Seinsgeschichte und politischer Ideologie beleuchtet. Hassan Givsan interpretiert das Verhältnis von Seyn und Macht als Machenschaft und mythische Gewalt.
Kontextualisierung von Rassismus und Antisemitismus
Dieter Thomä fragt provokant: „Wie antisemitisch ist Heidegger?“ und reflektiert die aktuelle Debatte. Johannes Fritsche kontrastiert das „Jüdische“ mit dem „griechisch-deutschen Rechnen“, ein spezifisches Ideologem in Heideggers seinsgeschichtlicher Konstruktion. Susanne Lettow untersucht die Verarbeitung biologischer und pseudobiologischer Konzepte in Heideggers Philosophie.
Selbstinszenierung und Geltungsanspruch
Reinhard Mehring bewertet die Hefte als „politische Abteilung der Gesamtausgabe“ und untersucht ihren Geltungsanspruch im Werk Heideggers. Richard Wolin bietet eine weitergehende Vernunftkritik, während Anton M. Fischer abschließend fragt, ob die Hefte die „letzten Illusionen“ über Heidegger zerstören.
Der Band macht deutlich, dass die „Schwarzen Hefte“ eine Neubewertung Heideggers unumgänglich machen, da sie die untrennbare Verbindung zwischen seinem seinsgeschichtlichen Entwurf und einer völkisch-antisemitischen Metapolitik offenlegen.