Immer in Top Shape? Insiderblick eines Models 10 Jahre lang war Anne-Sophie Monrad auf den Laufstegen der Welt zu Haus und lief für Givenchy, Gaultier, Karl Lagerfeld u.v.m. Bis sie im Herbst 2018 mit einem Instagram Post und einem FAZ-Artikel gegen die unmenschlichen Zustände hinter den Kulissen des Model-Business protestierte und ihrem Leben eine neue Richtung gab. In ›Fashion Victim – Licht und Schatten des Modelbusiness‹ schildert sie ihren Weg von der normalen Schülerin zu einem der gefragtesten Laufstegmodels und setzt sich mit den Problemen auseinander, die der Traumberuf vieler Teenager bei allem Glamour und Glitzer mit sich Magerwahn, finanzielle Ausbeutung, Konkurrenzdruck und sexuelle Belästigung.
„In diesem Business geht es um Macht, die als Traum verkauft wird. Wer sie nicht hat, kämpft darum. Wer sie hat, zeigt sie und setzt alles daran, sie zu behalten.“ (Anne-Sophie in Fashion Victim)
Was ist das?
Anne-Sophie Monrad war 10 Jahre lang auf den Laufstegen der Welt und vor den Linsen zahlreicher Fotografen zuhause. Mit 18 startete sie als Model durch und bereiste die Welt. In Fashion Victim berichtet sie darüber, wie es ihr als Model erging. Hierbei geht es vor allem um jene Seiten der Branche, die in Shows wie Germanys Next Topmodel nicht gezeigt und unter Branchenmitgliedern totgeschwiegen werden. Ein Blick auf die dunklen Seiten der glitzernden Scheinweilt um Schönheit und Mode…
Gestaltung / Schreibstil
Das Buch in Form einer Klappenbroschur verfügt über einen glänzenden Einband. Das Cover ziert ein Foto der Autorin auf einem Laufsteg sowie der Schriftzug des Titels nebst Untertitel. Die Gestaltung ist stimmig und interessant. Das Buch fällt auf. In der Mitte des Buches sind auf zahlreichen Seiten Fotos von Jobs der Autorin sowie aus ihrem privaten Familienalbum. Das Buch besteht aus zahlreichen Kapiteln mit jeweiliger Überschrift, in einigen geht es um Erlebnisse, andere umfassen Interviews oder bestimmte Themen. Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut und springt sowohl in der Zeit als auch der Thematik öfter. Der Schreibstil ist leicht und gut verständlich.
Was erwartet einen?
Mit Fashion Victim entführt die Autorin den Leser in das Modelbusiness. Nachdem sie jahrelang selbst vor der Kamera und auf dem Laufsteg stand, hat Anne-Sophie der Branche mittlerweile den Rücken gekehrt und hierbei nach ihrem Ausstieg festgestellt, wie viel in dieser Welt schiefläuft. In ihrem Buch greift sie eigene Erfahrungen auf, berichtet von Erlebnissen aus ihrem Umfeld und greift auch bestimmte Themen, die das Business perfide und schwierig machen, auf. Im Grund genommen erhält man Einblicke in den persönlichen Werdegang von Anne-Sophie, ihre ersten Schritte als Model bis hin zu ihrem Ausstieg. Sie beleuchtet, wie Agenturen und Kunden mit den Models umgehen, welche Qualen sie sich immer wieder selbst auferlegt hat und wie machtmissbräuchlich die Branche teilweise ist. Aus diesem Grund enthält das Buch oftmals auch potenziell triggernde Inhalte, etwa aus dem Bereich des sexuellen Missbrauchs sowie der Essstörung. Fashion Victim kann als Abrechnung mit einer instabilen, rücksichtslosen Industrie verstanden werden, bei der mit Träumen und Hoffnungen von unwissenden Mädchen Geld gemacht wird. Schonungslos ehrlich wird ein Blick auf diese Strukturen geworfen.
Mein Meinung
Fashion Victim ist nicht mein erstes Buch dieser Art, im Gegenteil habe ich bereits einige Bücher von (Ex-)Mitarbeitern der Fashionbranche gelesen. Dennoch war ich gespannt darauf, was die Autorin zu berichten hat, zumal auf dem Cover von Licht und Schatten gesprochen wird. Leider muss ich bereits an dieser Stelle sagen: Es geht fast nur um die Schattenseiten. Wer also wunderschöne Erzählungen von tollen Shootings an Traumständen und gigantischen Partys mit Promis sucht, ist hier verkehrt. Bei Fashion Victim geht es um Hoffnungen und Träume, um Hilflosigkeit und Naivität, um Wünsche und Pflichten, um Druck und Erwartungen. Von Anfang an führt die Autorin durch ihre Geschichte, die damit beginnt, dass sie bei einem Modelwettbewerb im Shoppingcenter mitmacht und hier von einem Agenten angesprochen wird. Im Verlauf der Geschichte geht es darum, wie sie dann wirklich zu Model wurde, ihre ersten Schritte (und Fehltritte) in der Branche machte und immer wieder an Punkte kam, wo jeder Außenstehende nur sagt „Wieso bist du nicht schreiend weggerannt?“
Dieses Buch ist kein wunderschönes Märchen, wie aus Anne-Sophie ein superbezahltes Topmodel wurde, was ein Leben voller Annehmlichkeiten führt. Es geht um finanzielle Ausbeutung (oder zumindest fehlende finanzielle Transparenz), um Erfolgs- und Konkurrenzdruck. Es geht darum, wie junge Mädchen, die gerade zu eigenständigen Frauen werden, in eine feste Struktur gepresst werden, wo sie durch Leute, die mehr wissen und mehr Erfahrungen haben, schonungslos für eigene Zwecke vorgeführt und ausgenutzt werden. Es geht darum, wie die Industrie ihre Umstände schönredet, verschweigt oder sogar ignoriert. Darum, wie eine Welt entstand, in der Missbrauch und Übergriffigkeit selbstverständlich und zu dulden sind, weil man sonst keine Jobs mehr bekommt. Und darum, wie junge Frauen – stundenlang bei Castings im Stehen wartend - regelrecht gequält werden, weil die Kunden es einfach können. Das Buch ist eine reine Anklage einer Industrie, die offenbar darauf aufbaut, die Schwachen für ihre Zwecke so zu manipulieren, dass man sie bestmöglich auspressen kann und dann einfach durch neue Gesichter ersetzt. Es geht um den unvermeidbaren Druck, immer perfekt und in Form und superschlank zu sein, auch wenn dies bedeutet, nichts bis wenig zu essen, Zwangsgedanken um Essen und Sport zu entwickeln und sich vom sozialen Leben abzukapseln. Die Autorin spricht sehr viele Dinge an, die man auf den ersten Blick von dieser angeblich so erstrebenswerten und traumhaften Modewelt nicht erwarten würde, weil nach außen hin immer gelächelt wird – sonst landet man auf der schwarzen Liste. Das Buch ist hierbei thematisch sehr vielseitig.
Dieses Buch ist ein Werk, was durchaus unter die Haut geht und hin und wieder ein Schlag in die Magengrube ist. Immer wieder fragt man sich beim Lesen, wieso die Autorin das alles über sich hat ergehen lassen. Selbst die Autorin fragt sich das rückblickend an vielen Stellen. Doch wie immer gilt: Wer nicht in der Lage ist, wird es schwer verstehen können. Immerhin ist die Branche gut dadrin, sich als perfekt, traumhaft und erstrebenswert zu verkaufen. Das schnelle und große Geld, der weitreichende Ruhm, die schönen Kleider – wie viel davon ist Schein und wie viel Sein? Was ist der Preis dafür, auf den Top-Laufstegen laufen zu dürfen (abgesehen davon, dass man kaum bis kein Geld dafür kriegt, ewig dafür Sport treibt und seine Ernährung runterfährt und dann noch wie eine leblose Puppe hin und her gereicht wird) und ist es das wert? Es ist ein stets Auf und Ab, was die Autorin thematisiert. Nicht nur auf der Waage, in der Karriere – auch in ihrer Stimmung. Doch auf jeden Zweifel kommt etwas, was sie wieder antreibt und weitermachen lässt. Bis irgendwann der Knoten endgültig platzt und Anne-Sophie aus dem Teufelskreis ausreißt. An dieser Stelle muss ich aber leider gestehen, dass ich mir vom Buch etwas mehr erhofft hätte. Zwar schildert sie eindringlich, was alles schief läuft, wie mit der Unwissenheit der Mädchen gearbeitet wird und wie wenig Interesse die Agenturen an ihren Models (als vielmehr am Geld) haben, aber oft spricht sie darüber, dass die guten Seiten, die Erfolge und das Adrenalin sie haben weitermachen lassen. Leider empfand ich es aber so, dass diese Punkte kaum präsent sind, was das Buch natürlich etwas einseitig macht. Man begleitet sie auf ihrem Weg und erfährt häufig, was schiefgelaufen ist. Aber die Punkte, die sie weitermachen lassen haben, die hätte ich gern gelesen. Ich denke, dass es dann nämlich noch verständlicher wäre, wie dieser Zirkus funktionieren kann und wie manipulativ die Branche wirklich ist. Das recht grundlegende „es gab gutes Geld“ oder „man hatte große Erfolge“ war mir zu wenig, insbesondere da der Titel für mich mit Licht und Schatten eben beides verspricht. Zeitgleich macht das ehrliche und reflektierende Verhalten der Autorin das Buch sehr stark und stimmungsvoll.
Abgesehen davon ist das Buch aber wirklich sehr informativ und vielleicht für viele auch als augenöffnender Realitätscheck eine Option. In Zeiten, wo Sendungen wie Germany’s next Topmodel vorgaukeln, wie einfach das Modelsein ist, was für tolle Orte man bereist und wie klasse die Unterbringungen sind, kommt hier die bittere Pille der Wahrheit: Überteuerte Mehrbett-WGs, endlose Schulden bei den Agenturen für zig Vorleistungen, die die Agentur natürlich bis auf den letzten Cent zurückhaben mag, eine schnelllebige Karriere, die jede Saison vorbeisein kann. Vor allem für Leute, die mit der Branche noch nie in Berührung gekommen sind oder noch nie etwas Vergleichbares gelesen haben, wird dieses Buch ein Schock sein.
Neben der Autorin kommen auch andere Leute aus der Branche zu Wort, etwa der bekannte Fotograf Kristian Schüller, eine Modelfreundin oder Designer Wolfgang Joop. Am meisten berührt hat mich das Interview mit Anne-Sophies Bruder, der ganz gut erklären konnte, wie vor ihren Augen eine Katastrophe ablief und wie sich seine Schwester verändert hat, wie jedoch die Umstände und Einflüsse die Augen – genauso wie bei der Autorin – erst später und mit etwas Abstand geöffnet haben. Zum Ende des Buches greift die Autorin zudem noch gängige Themen wie die Geldfrage und das Machtgefüge in der Industrie auf. Leider muss ich hier sagen, dass mir das inhaltliche Verhältnis etwas unpassend erschien. Es ist so, dass durch zahlreiche Interviews und diese Sonderthemen am Ende (wo z.B. im Teil Aktivisten und Allianzen) viel über andere Leute und ihre Meinungen gesprochen wird. Es sind durchaus wichtige Themen und Erfahrungen, die hier angesprochen wurde. Jedoch ist sicher ein Drittel bis die Hälfte des Buches so indirekt von „Fremdgeschichten“ bestimmt. Ich hätte mir wirklich gewünscht, mehr über die Autorin und ihr direkte Leben, ihre direkten beruflichen Erfahrungen zu erfahren. Mir hat oftmals die Tiefe und auch ein gewisser Grad an Details gefehlt, wenn die über Erlebnisse gesprochen hat. Es ging oft nur um die Botschaft oder die Erkenntnis, die sie hieraus mitgenommen hat. Ich hätte aber gern auch mehr Einblicke in das Erlebte gehabt, auch da es hin und wieder zu Wiederholungen kam. Es schien oft auch so, als sei keine wirklich klare Struktur im Buch, so wurde oft thematisch und örtlich gesprungen und öfter nach hinten verwiesen. Nichts desto trotz ist es ein gutes, mitreißendes Buch voller erschütternder und unbequemer Wahrheiten. Am Ende steht vor allem eben auch die Erkenntnis, dass Modeln ein Job ist wie jeder andere auch und er vielleicht manchmal auch zu sehr romantisiert wird.
Mein Fazit
Fashion Victim kann als Insider-Buch mit seiner ungeschönten Realität interessante und erschreckende Einblicke gewährleisten, die so manchen Leser schocken und überraschen werden. Die sympathische Autorin zeigt problematische Strukturen auf und erklärt ehrlich, wie komplex das Bestehen in der Branche ist und welchen Preis man dafür zahlen muss. Ein wirklich gutes Buch, was einer Anklage an die Industrie gleichkommt, manchmal aber auch etwas einseitig wirkt.
[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, was mir freundlicherweise von dem Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]
Da ich erst vor kurzem mit großer Begeisterung ein Buch gelesen hatte, das einen sehr authentischen und unverblümten Blick hinter die Kulissen der Mode- und Modelwelt wirft, war ich sofort Feuer und Flamme, als ich das erste Mal von „Fashion Victim“ hörte. Ich finde die Thematik wirklich äußerst interessant, auch wenn ich selbst noch nie den Wunsch verspürt habe, ein Model zu werden. Das Modelbusiness habe ich mir einfach schon immer ziemlich schrecklich vorgestellt und Anne-Sophie Monrad hat mir mit ihrer Geschichte nur noch mal gezeigt, dass ich ein äußerst richtiges Bild von dieser harten Branche im Kopf hatte.
10 Jahre lang war Anne-Sophie Monrad auf den Laufstegen der Welt zu Hause, war in berühmten Kampagnen zu sehen und arbeitete mit zahlreichen großen Designern zusammen. Sie führte das Leben, von welchem viele junge Mädchen und Frauen träumen: Sie war eines der international gefragtesten Models. Ihr Traum hatte aber auch seinen Preis. Der ständige Kampf gegen den eigenen Körper, der hohe Konkurrenzdruck, Einsamkeit, Stress...Ende 2018 beendete Anne-Sophie Monrad ihre Modellkarriere und beschloss ein Buch zu schreiben, in welchem sie von ihrem Leben als Topmodel berichtet. Zusammen mit Katrin Blum erzählt sie in „Fashion Victim“ davon, wie es wirklich hinter den Kulissen der Modebranche aussieht und was es in der Realität bedeutet, ein Model zu sein.
Dies war nun mein zweites Werk, das mich hinter die Kulissen des Modelbusiness genommen hat und wie schon bei meinem ersten Titel über diese Thematik, so hat mich auch „Fashion Victim“ zutiefst erschütternd und entsetzt. Anne-Sophie Monrad berichtet in ihrem Buch wirklich schonungslos ehrlich und bewundernswert offen über ihr Leben als Model und führt uns vor Augen, wie skrupellos es in der Modebranche zugeht. Da sich diese Welt bestens darin versteht, sich als glamourös, erstrebenswert, perfekt und wunderschön zu verkaufen, haben viele von uns ein völlig falsches Bild von ihr im Kopf. Natürlich hat das Modelleben auch seine Lichtseiten – Anne-Sophie Monrad betont öfters, dass sie viele tolle Momente während ihrer Karriere hatte und dankbar für diese Zeit ist. In erster Linie geht sie in ihrem Buch aber auf die Schattenseiten dieser harten Branche ein und erzählt uns davon, wie rücksichtslos, ungesund und gefährlich sie ist.
Ich habe mich beim Lesen ständig gefragt: Warum? Warum ist Anne-Sophie Monrad eine so lange Zeit in der Modeindustrie geblieben und hat ihr nicht schon viel früher den Rücken gekehrt? Warum hat sie zehn Jahre lang gehungert, um in shape zu sein, hat sich diesem großen Konkurrenzdruck und psychischen Stress ausgesetzt und sich so sehr manipulieren und ausnutzen lassen? Oder allgemein gefragt: Wieso lassen sich so viele Models so unmenschlich behandeln? Wiegen die wenigen hellen Seiten des Modelbusisness die vielen dunklen wirklich auf? Rückblickend stellt sich auch Anne-Sophie Monrad öfters die Frage, warum sie diesen Job so lange gemacht hat. Die Modebranche lässt sich wohl sehr treffend mit einer Art Droge vergleichen, von der es nur sehr schwer ist wieder wegzukommen.
Wie oben bereits erwähnt, berichtet Anne-Sophie Monrad in „Fashion Victim“ größtenteils von den Kehrseiten, die dieser vermeintliche Traumberuf mit sich bringt. Das Buch ist keine Anklage an die Modeindustrie, das nicht, aber es ist gnadenlos ehrlich und lässt die Branche wahrhaftig in keinem guten Licht erscheinen. Anne-Sophie Monrad erzählt von ihrer Essstörung und den völlig absurden Schön- und Schlankheitsidealen der Modelszene, sie berichtet von sexueller Belästigung, finanzieller Ausbeute und davon, wie wenig junge Mädchen auf diese heftige Welt vorbereitet werden. Mich hat vor allem letzteres sehr schockiert. In meinen Augen sollte es verboten werden, dass Minderjährige Models werden dürfen. Dies wäre zweifellos schon einmal sein sehr guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, damit in dieser verlogenen Welt endlich bessere und menschlichere Zustände herrschen. Zum Glück gibt es aber schon Fortschritte. Anne-Sophie Monrad erzählt von anderen Models, die ebenfalls den Mund aufgemacht haben und von Organisationen, die sich für die Frauenrechte in der Modeindustrie einsetzen. Die Hoffnung auf Besserung ist also durchaus da. Ich hoffe wirklich sehr, dass in dieser Branche noch mehr geschehen wird, sodass Models nicht länger ihre Gesundheit aufs Spiel setzen müssen und fairer und respektvoller behandelt werden.
Was mir an „Fashion Victim“ ganz besonders gut gefallen hat, ist die authentische und unfassbar offene Weise, mit der es geschrieben wurde. Ich bewundere Anne-Sophie Monrad echt sehr für ihren Mut, dieses Buch zu veröffentlichen und ziehe auch meinen Hut vor der Ehrlichkeit der Prominenten, die für Interviews bereit waren, wie zum Beispiel der Fotograf Kristian Schuller.
Mir hat „Fashion Victim“ ein unvergessliches Leseerlebnis beschert. Mich hat das Buch sprachlos gemacht, zutiefst berührt und erschütternd und hoffnungsvoll zugleich zurückgelassen. Ein Punkt, der mir allerdings nicht ganz so zugesagt hat, sind der etwas unstrukturierte Aufbau und die Wiederholungen. Sowohl inhaltlich als auch zeitlich wird ziemlich oft hin und her gesprungen und viele Dinge werden meinem Empfinden nach ein wenig zu oft betont. Ansonsten kann ich mich aber nur positiv und begeistert zu „Fashion Victim“ äußern. Es liest sich wahnsinnig spannend und mitreißend, die Fotos, die es im Innenteil gibt, sind ebenfalls unheimlich interessant und der Brief hinten im Buch, den Anne-Sophie Monrad an eine Unbekannte geschrieben hat, ist unglaublich berührend. Ich kann jedem, egal ob man sich für diese Thematik interessiert oder nicht, nur nahe legen, „Fashion Victim“ zu lesen. Besonders empfehlen kann ich das Buch aber natürlich denjenigen, die davon träumen, ein Model zu werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten nach dem Lesen sehr ins zweifeln geraten und viele sich schließlich umentscheiden werden.
Fazit: Bewegend, schockierend, schonungslos ehrlich – ein großartiges Buch, das ich jedem nur ans Herz legen kann! In meinen Augen haben Anne-Sophie Monrad und Katrin Blum eine fabelhafte Teamarbeit geleistet und gemeinsam ein Buch aufs Papier gebracht, bei welchem ich sehr hoffe, das es von ganz vielen gelesen werden wird. „Fashion Victim“ liefert einen sehr informativen, unglaublich persönlichen und erschreckend realistischen Einblick hinter die schöne Fassade der Modebranche und geht richtig unter die Haut. Obwohl ich mich stellenweise ein wenig an dem Aufbau der Handlung gestört habe, hat „Fashion Victim“ für mich die volle Sternenzahl absolut verdient. Ich bin zutiefst beeindruckt und begeistert von dem Buch und kann es wirklich nur empfehlen. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sternen!
Man merkt, dass die Autorin aus der Szene kommt und sie konnte auch gute Einblicke hinter die Kulissen bieten. Inhaltlich wird über das Modelimperium geschrieben, die Schattenseiten, die kaum einer sieht. Was ich zu diesem Buch aber unbedingt sagen möchte: Mißstände lassen sich kaum beheben, wenn die, die dahinter stehen, immer nur geschützt werden. Ja, mir ist klar, das man Angst vor Reaktionen hat, wenn man Personen beim Namen nennt, nur finde ich, ist nicht viel geholfen, Gut fand ich, dass einige Institutionen genannt wurden, die wirklich gegen diese Missstände kämpfen. Ohne kritische Wertung gegenüber Erziehungsmethoden fand ich für mich persönlich jedoch fraglich, warum man ein 15jähriges Mädchen alleine in diesen Modezirkus lässt (zB alleine nach Tokio fliegen lassen). Auch möchte ich hiermit der Autorin alles Gute für ihren weiteren Weg wünschen. Mich hat schockiert, wie sehr sie selbst in dieser Szene gefangen war, konnte aber auch den Druck, der auf sie ausgeübt wurde, sehen.
Anne-Sophie Monrad hat es - auch ganz ohne Frau Klum - in den Modeolymp geschafft. Doch rechtfertig der Preis, den sie dafür zu zahlen hatte, auch die Mittel? Monrads Buch ist keine Abrechnung für einen vermeintlichen Traumjob, sondern vielmehr ihr Lebensweg sowie einige Einblicke durch interessante Gespräche mit Modelkollegin und Freundin Cici, dem Fotografen Kristian Schuller und dem Designer Wolfgang Joop. Fakt ist, dass auch in diesem Business vieles falsch läuft. Gerade für Interessierte könnte dieses Buch sehr spannend sein, denn der Einblick in die finanziellen Verhältnisse, der Blick in das Geflecht von Agenturen oder auch das Missverhältnis zum eigenen Körper werden hier klar angesprochen. Eine ehrliche, berührende Lektüre und vor allem ein Paradebeispiel an Selbstreflexion. Ein wirklich wichtiges Buch gerade auch für alle, die diesen Traum verfolgen sollten.