Jungen aus türkischen und arabischen Familien brechen öfter die Schule ab, werden häufiger arbeitslos und gewalttätig. Zudem sind sie oft anfällig für religiöse oder nationalistische Radikalisierung. Ist das alles mit dem Bildungsniveau der Eltern und gesellschaftlicher Ausgrenzung zu erklären? Dem Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak zufolge gründet das Problem der neuen Bildungsverlierer nicht nur in einer verfehlten Integrationspolitik. Ausgehend von seiner Forschung, seinen Erfahrungen als Sozialarbeiter und seiner eigenen Biographie belegt er, dass der gesellschaftliche Misserfolg der Jungen in erster Linie an der Erziehung im Elternhaus liegt. Analytisch stark und unterstützt mit Fallbeispielen zeigt Toprak die Gründe und macht unmissverständlich klar, was sich ändern muss, damit Integration funktionieren kann.
Ich habe das Buch gelesen, um meine Vorkenntnisse bezüglich der mangelhaften Integration muslimischer Jungen in Deutschland aus soziologischer Sicht zu festigen. Das ist dem Buch gelungen. Auch war die Einordnung in den Kontext der Gastarbeiter und die geschlechtsspezifische Erziehung ihrer Kinder spannend.
Gut fande ich, dass Toprak weder die Jungen bzw. ihre Kultur noch die Politik ausschließlich für das Versagen verantwortlich macht, sondern beide Akteure für die Stellung muslimischer Jugendliche in der Gesellschaft verantwortlich macht. Dass es z. B. bis in die späten 1990er sog. Gastarbeiterklassen an den Schulen, also eine faktische Segregation der Ethnien, gab, war mir nicht bekannt und hat mich schockiert.
Ich glaube, ein neues Vorwort mit Hinblick auf die aktuelle politische Lage, also auf den Rechtsruck, die Wiederaufnahme von konservativ(er)en Werten und die immer mehr zunehmende Perspektivlosigkeit (die natürlich unter allen Jugendlichen herrscht, aber gerade unter männlichen) wäre ganz spannend. Zwar wurden diese Aspekte bereits angesprochen, aber die Dimension ist eine andere.