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Andrin

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Susanne ist Schriftstellerin und Ghostwriterin. Als sie für einen zahlungskräftigen “Premium”-Kunden eine geschönte Autobiografie verfassen soll und dessen Änderungswünsche ins Utopische abgleiten, ist sie nahe am Verzweifeln. Ihr Verleger stellt Susanne kurzerhand seine Ferienwohnung in Italien zur Verfügung, um sie zu motivieren. Doch auf der Reise in den Süden verhindert mitten in den Schweizer Alpen ein Steinschlag die Weiterfahrt. Sie macht sich zu Fuß auf den vermeintlich leichten Weg zum Gebirgspass, bis sie von einem Unwetter überrascht wird. Andrin, ein hagerer, schweigsamer Mann undefinierbaren Alters, nimmt sie mit nach Voglweh, eine kleine verfallene Siedlung mit lediglich zwei Bewohnern, die kaum eine Verbindung zur Außenwelt haben und sich selbst versorgen. Aus ursprünglich einer Notübernachtung werden Tage, Wochen, Monate ... ohne Telefon- und Internetverbindung, ohne Auftraggeber und Zwänge. Statt zu schreiben, erkundet Susanne die Umgebung und hilft Andrin bei der Sanierung eines Hauses. Dabei wird sie Zeugin merkwürdiger Vorgänge im Hochtal, die offenbar einzig Andrin verstehen und deuten kann. Alles scheint mit der besonderen Gesteinsformation und einer verlassenen Militäranlage in Verbindung zu stehen, und Susanne erlebt die unmittelbare Kraft der Natur, die ebenso zerstörerisch wie helfend wirken kann. - Und es wird tagtäglich gekocht - nach ungewöhnlichen Rezepten eines exzellenten Kochs, der vor Susanne Gast in Voglweh war und ihr beim Lesen seiner Aufzeichnungen zunehmend vertrauter wird. Als sie sich vor Einbruch des Winters unfreiwillig auf den Heimweg begeben muss, nimmt sie nicht nur wertvolle Geschenke mit, sondern auch einen Auftrag und die Gewissheit, dass sich Vieles für sie ändern wird.

264 pages, Paperback

Published August 25, 2020

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
October 28, 2020
Mit Beginn der Lektüre betreten wir das Büro von Jupp, einem Verleger und erleben ein brisantes Gespräch zwischen ihm und der Ich-Erzählerin Susanne, die Schriftstellerin ist und wegen einer Schreibblockade aus einem Vertrag aussteigen möchte.

Jupp will das mit allen Mitteln verhindern und bietet ihr großzügig an, Zeit in seinem Ferienhaus an der italienischen Mittelmeerküste zu verbringen.
Dort soll sie sich erholen und entspannen, um ihr neuestes Projekt, das Verfassen einer geschönten Autobiografie für einen wohlhabenden Prominenten, zum Abschluss bringen zu können.
Trotz anfänglichem Zögern und inneren Hemmnissen gibt Susanne sich schließlich geschlagen und willigt ein.
Mit dem Zug macht sie sich auf den Weg und kommt doch nicht an ihrem eigentlichen Ziel an.

Manchmal ist es wie verhext.
Eine routinemäßige Inspektion eines Tunnels verhindert auf längere Zeit die Weiterfahrt und dann wird die Ersatzstrecke über den Pass auch noch wegen Steinschlag gesperrt.

Manchmal trifft man unvernünftige und widersinnige Entscheidungen.
Susanne entscheidet sich, zu Fuß über den Berg und zum nächsten Bahnhof zu laufen, von wo aus die Fahrt dann weitergehen kann.

Manchmal hat man Glück.
Als der Anstieg dann doch zu beschwerlich wird, kommt unerwartet und erfreulicherweise ein Jeep vorbei und der geschätzt 60 bis 70-jährige, Pfeife rauchende und wortkarge Fahrer Andrin nimmt Susanne mit.
So gelangt sie zwar nicht über den Berg zum nächsten Bahnhof, aber zumindest zum nächsten Ort: nach Voglweh.

Andrin bietet ihr für die Nacht ein Gästezimmer in seinem einsamen Haus in den Bergen an, damit sie am nächsten Tag ausgeruht weitermarschieren oder er sie mit seinem Jeep zum Bahnhof bringen kann.
Aber aber nächsten Tag geht es nicht weiter.
Und auch nicht am übernächsten...

Wir lesen von doppeldottrigen Eiern, Tomaten- und Zucchinibergen, Wasser mit berauschender Wirkung, einem toten Telefonkabel, lernen Uta, Andrins eigenwillige Frau, kennen und erfahren, dass der skurrile Andrin die leckersten Gerichte zaubern kann, seitdem ein Koch, der sich auf einer einsamen Hüttenwanderung nach Voglweh verirrt hat, es ihm beigebracht hat.

Anfangs und lange Zeit fragte ich mich, ob dieser Roman ein Psychothriller ist, aber ich recherchierte nicht und ich werde hier diesbezüglich auch nichts verraten, außer, dass die phasenweise unheilvoll-schaurig-beklemmende Stimmung im Buch, v. a. im ersten Viertel, mich mehrmals auf diesen Gedanken gebracht hat.
Dazwischen sorgten entspannte und witzige Momente wiederum dafür, diesen Gedanken zu verwerfen.

Mit überraschter und verblüffter Verwunderung registrierte ich, wie die beiden aktuellen Lebenswelten der Protagonistin Susanne verwoben wurden. Geschickt verzwirbelt die Autorin den „Biografiefaden“ ihres Auftraggebers mit dem „Alltagsfaden“ bei dem liebenswürdig-schrägen Pärchen Andrin und Uta in Voglweh, so dass man eigentlich eine Geschichte in der Geschichte zu lesen bekommt.

Mir gefiel der Wechsel der Erzählperspektive, die immer von der Ich-Erzählerin Susanne ausgeht.
Sie erzählt uns die Geschehnisse im Rückblick und manchmal streut sie künftiges Wissen ein, das sie in der Situation, auf die sie zurückblickt, noch gar nicht hatte bzw. haben konnte.
So weiß der Leser zu bestimmten Zeitpunkten manchmal mehr, als die Protagonistin selbst und wird damit nicht allwissend, aber „mehrwissend“.
Sie spielt mit dem Leser, denn sie verrät nie so viel, dass es langweilig wird. Im Gegenteil. Sie verrät immer so viel, dass die Neugierde angefacht wird.
Diese Kamera-Schwenks finde ich extrem schlau, abwechslungsreich und interessant.

Ich genoss die wunderschöne Sprache, die anschaulichen Metaphern, ausdrucksvollen Formulierungen und bildhaften und eindrücklichen Landschaftsbeschreibungen.

Einige Beispiele möchte ich gern anführen:
„Zu beiden Seiten des Fahrzeugs materialisierten sich von vor Nässe glänzende Sockelzonen anthrazitfarbener Felswände und verloren sich in unwägbaren Höhen. Erst hielten sie Abstand, rahmten die Fahrbahn respektvoll ein, dann kamen die Wände näher und näher, wurden aufdringlich, waren weniger als eine Armlänge, dann eine Handbreit vom Jeep entfernt, bis die Straße nur noch ein Spalt im Fels war.“ (S. 43)

„... der Taktschlag, mit dem der Scheibenwischer das Konzert dirigierte und dabei ein Tempo anschlug, schneller als ein Sportlerherz bei maximaler Belastung.“ (S. 43)

„Rund um den See lagen Felsbrocken, wie hingestreut, als hätten Kinder mit Murmeln gespielt und wären gegangen, ohne aufzuräumen.“ (S. 45)

Ihr originelles und amüsantes Bild von dem „guten Willen“ musste ich mehrmals lesen, weil es mir so außerordentlich gut gefiel:
„Kaum war der Rechner ausgeklappt und hochgefahren, schaute auch schon der gute Wille vorbei. Bedauerlicherweise war er stets in Eile. Er legte nicht einmal den Mantel ab, selbst wenn ich ihn dazu aufforderte und ihm anbot, den Sessel freizuräumen, damit er es sich bequem machen konnte. Er kam ins Zimmer, lüpfte kurz den Hut zum Gruß, um sich im nächsten Moment bereits wieder zu verabschieden.“ (S. 157)

Der Roman unterhält, sorgt gleichzeitig für Spannung und Entspannung und hat etwas Märchenhaftes.
Manche würden vielleicht sagen, dass einiges fragwürdig oder unrealistisch ist.
Aber ich möchte es anders ausdrücken:
Manches ist nicht logisch im alltäglichen Sinn, sondern märchenhaft, romantisch oder idyllisch. Einiges ist vielleicht unwahrscheinlich, aber dennoch möglich.
Wenn man sich in die Geschichte fallen lässt, die Realitätsprüfung manchmal hintan stellt und nicht kleinlich ist, dann kann man den Plot, die Sprache und den Erzählstil in vollen Zügen genießen.

„Andrin“ ist ein unterhaltsames und packendes Werk, dem der Humor nicht fehlt. Es liest sich leicht und flüssig.
Aus Martina Altschäfers originellen und kreativen Einfällen ist eine Geschichte entstanden, die mir äußerst vergnügliche Lesestunden beschert hat, obwohl ich am Ende einen Kloß im Hals hatte und einige Tränen über meine Wange kullerten.







Profile Image for Monerl.
482 reviews11 followers
September 30, 2020
(3,5 Sterne)

Meine Meinung

“Die überwältigende Geschmacksfülle flutete meine gesamte Mundhöhle und ließ in ihrer Intensität der Zunge kaum Raum, jene Wörter zu formen, die sich zu einer Frage nach dem Rezept zusammenfügen wollten. Als mir die Frage dann doch über die Lippen kam, erschien sie mir anmaßend und ich hätte sie gerne zurückgenommen, weil ich plötzlich unsicher war, ob denn eine solche Frage überhaupt gestattet war oder sich von selbst verbot, weil die Ingredienzen und die Zubereitung einer solch unglaublichen Suppe geheim gehalten werden mussten, wie das Mischungsverhältnis und das Zusammenrühren eines Zaubertranks.” (Buch Seite 81/82)

Hört sich das nicht traumhaft an? Ich habe diese Sätze gelesen und dachte nur “WOW”! Diese Autorin kann schreiben! Wir lernen erstmal die Protagonistin Susanne kennen und wie es dazu kam, dass sie sich auf die Reise machte. Eigentlich nach Italien, ins Feriendomizil ihres Verleges Jupp, bei dem sie als Ghostwriterin tätig ist. Ein kleiner Bestechungsversuch seinerseits, seiner besten Autorin das angenehmste Umfeld zu bieten, in dem sie sich in die Autobiografie des schweren Kunden gedanklich vertiefen und danach alles zu Papier bringen soll.

Doch Susanne kommt nie an, sie strandet in Vogelweh, einem kleinen Bergdorf in den Schweizer Alpen. Andrin, einer der beiden Bewohner von Vogelweh nimmt sie mit, als sie einen großen Fehler beging und dachte, sich alleine und zu Fuß bis zum nächsten Ort durchschlagen zu können.

Der titelgebende Adrin ist ein älterer Herr, der jedoch vor Kraft und Lebenswillen strotz! Ich war gespannt, was Susanne nun mitten in dieser Natur und mit diesen beiden Menschen, Andrin und seiner Ehefrau Uta, erleben würde.

Martina Altschäfer schafft es eine gewisse Spannung aufzubauen. In Vogelweh ist alles ein bisschen anders. Das Obst und Gemüse wächst als wäre es gedopt. Andrin ist schon ziemlich alt, doch erscheint er geistig und körperlich, als wäre er zwanzig Jahre jünger. Er restauriert die Häuser Vogelwehs, weil es ihm Spaß macht, er sonst nichts zu tun hätte oder gibt es da etwas, das Susanne noch nicht weiß? In Vogelweh scheint man von Wasser betrunken zu werden und was hat es damit auf sich, dass Uta fast jede Nacht in einem anderen Haus in Vogelweh übernachtet? Und die Steine, die den Koch schwer verletzt haben, waren es wirklich nur einfache Steine?

Klingt alles spannend, oder? Doch leider bekommt man von der Autorin auf die wenigsten Fragen eine echte Antwort. Viel Mystik und weiter nichts. Ich habe mich am Ende etwas verlassen gefühlt. Ich fragte mich, ob ich etwas überlesen hatte. Ich las und las und las und dachte, es kämen Aha-Erlebnisse, die mich begreifen und staunen lassen würden, doch dazu kam es leider nicht.

Es wird gebaut, es wird gegessen, so lecker, dass mir beim Lesen das Wasser im Munde zusammengelaufen war. Wir erfahren ein bisschen darüber, wie das Ehepaar nach Vogelweh kam und wie sich Susanne in ihren Überlegungen für die Autobiografie vertieft. Zu sehr, meiner Meinung nach. Nach dem ersten Drittel, das mich inhaltlich wie sprachlich sehr begeistern konnte, kam nach und nach die Entschäuschung.

So viel Potential, so wenig Handlung! Wirklich schade! Sehr schade! Denn ich bin sicher, daraus hätte eine so grandiose Geschichte werden können.


Fazit
Eine erst spannende Geschichte, die in Gänze nicht das halten konnte, was sie versprach. Ein Buch mit einer guten Idee, die mir leider ein bisschen zu oberflächlich blieb. Als Film würde das Buch aus meiner Sicht sehr gut funktionieren. Als Buch war es irgendwie zu langsam, ohne besondere Höhepunkte. Dennoch freue ich mich auf das nächste Buch der Autorin, denn erzählen und schreiben kann sie ausgezeichnet.
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