Die junge Tierärztin Susanne Braun ist den deutschen Praxisalltag leid und entscheidet sich, ihren Traum zu Sie kündigt, löst ihre Wohnung auf, macht mit dem Freund Schluss und geht auf die Fähre. Ihre Herzensinsel Island, die sie schon als Schülerin besuchendurfte. Doch dort erwartet sie kein Urlaub, sondern ein mühsamer Neuanfang – im Beruf genauso wie in der Liebe. Die sagenumwobene Insel gibt ihr Kraft – mittlerweile ist sie zu einer Spezialistin für Islandpferde geworden und wird von den Isländer*innen liebevoll »Knochenknackerin« genannt.Susanne genießt die Freiheit, die das Inselleben ihr bietet, die rauen Naturkräfte mit ihren bemoosten Lavafeldern, tosenden Wasserfällen, eiskalten Gletschern, heißen Geysiren und Vulkanen, den langen, lauen Sommernächten und den klirrend kalten, dunklen Wintern. Und gegen Männer in Strickpullovern ist ja auch nix zu sagen – Klischee hin oder her. Hier hat Susanne ihre Bestimmung gefunden, hier ist ihr Herz zu Hause.
An sich ist „Die Insel der wilden Träume“ von Susanne Braun eine schöne Geschichte mit viel Potenzial – leider wird dieses nicht vollständig ausgeschöpft. Die Grundidee ist spannend, aber die Umsetzung bleibt oberflächlich. Vieles wird nur angedeutet, und die Erzählweise springt oft von einer neuen Idee zur nächsten, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Jedes Kapitel wirkt fast wie ein neuer Abschnitt mit wenig Verbindung zum vorherigen, sodass die Entwicklung der Geschichte und der Charaktere eher fragmentarisch bleibt. Ich hätte mir mehr Tiefe gewünscht – besonders in Bezug auf zentrale Lebensentscheidungen der Protagonistin.
Auch die Arbeit mit den Pferden kommt für mein Empfinden insgesamt zu kurz. Wer sich auf eine detaillierte Auseinandersetzung mit der eigenen Pferdezucht oder der Ausbildung der Tiere freut, wird enttäuscht. Diese Aspekte werden eher am Rande erwähnt, sodass der Bezug zu den Pferden nicht so intensiv spürbar ist, wie es das Setting eigentlich hergeben würde.
Was mir hingegen gut gefallen hat, ist die atmosphärische Darstellung Islands. Ich selbst war bereits dort, und das Buch hat bei mir viele Erinnerungen geweckt. Die Sichtweise der Isländer und das Leben auf der Insel wurden schön eingefangen und verleihen der Geschichte Authentizität.
Letztlich sehe ich das Buch eher als eine Lebensgeschichte, die nett erzählt wird, aber nicht allzu tiefgreifend ist. Wer eine unterhaltsame Lektüre mit isländischem Flair sucht, wird hier fündig.
Die Erzählung beginnt mit der Überfahrt nach Island. Susanne Braun testet für sechs Monate ein Leben auf Island. Ihre Faszination für die Insel ist groß und sie würde gerne dorthin auswandern, aber erstmal wird das Ganze getestet. Die Beschreibungen der Erlebnisse während der sechs Monate und auch in der Zeit danach, als sie komplett nach Island ausgewandert ist, fühlten sich teilweise beim Lesen so an, als wäre man mit Susanne Braun unterwegs. Als würde man mit ihr zur Weltmeisterschaft reisen oder ein Pferd auf seinem Hof besuchen. Durch die Nähe zu den Erlebnissen bin ich auch oft einfach durch die Seiten geflogen. Die Pausen während dem Lesen sind eher durch mein Umfeld erzeugt worden. Die Liebe zu den Pferden und die Liebe zu Island ist auf jeder Seite spürbar und das macht das Leseerlebnis nur besser.
Als Nicht-Pferdemensch bin ich wegen der Geschichte einer Frau auf Island auf das Buch aufmerksam geworden. Auch wenn mir die Gedankenwelt von Pferdezucht-Ambitionen sehr fremd ist und auch bleibt, hab ich das Buch wegen Susannes Erzählungen trotzdem gerne zu Ende gelesen. Ich hätte mir noch etwas mehr Einblicke in ihre Gedanken, Entscheidungen und Erlebnisse gewünscht, da sich manche Abschnitte zu sehr zeitlich raffen und ich sie gerne mehr begleiten hätte dürfen.