Ein Selbstversuch. Vier Menschen einer Generation fragen sich aus über vier Themen, die unsere Zeit prägen: Liebe, Körper, Wut und Nazis. Welche Fragen wollten wir unseren Freunden schon immer stellen, durften es aber nicht, weil sie so persönlich waren, so gefährlich, dass nicht einmal die engste Freundschaft sie zugelassen hätte? Kann man sich zu nahekommen?
Ihr habt ja nie gefragt! Macht man das in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie, sich füreinander interessieren? Also: so richtig, aufrichtig. Jennifer Beck, Fabian Ebeling, Steffen Greiner und Mads Pankow, vier Menschen einer Generation, lassen sich aufeinander ein. Ohne Scham. Ohne Angst. Mit Zeit. Sie versprechen, sich zu antworten und zu schauen, wo sie hinführen, die Fragen, die niemand zu stellen wagt. Weil sie Themen berühren, die keiner gern anfasst: Liebe, Körper, Wut und Nazis. Immer wieder und immer schriftlich. Sie legen offen, was wir aneinander entdecken, wenn wir uns alles fragen dürfen, aber auch, dass Verständnis nicht sofort aus Verständigung resultiert.
Uff was für eine buchgewordene Zeitverschwendung. Ich habe mehrfach beim Lesen an das Märchen "des Kaisers neue Kleider" denken müssen und vielfach gedacht: "der Kaiser ist nackt!". Entweder bin ich nicht intellektuell genug oder keiner gibt ehrlich zu, dass das Buch irgendwie trash ist.
Ich hatte mich eigentlich unglaublich gefreut auf diese Essaysammlung aber *düdüüüm*. Ich habe mich nur durchgequält, Seiten überspringen müssen und zwischendurch war mir oft schwindelig vom vielen mit den Augenrollen. Neue Impulse oder Sichtweisen hab ich auch nicht gewonnen. Von wegen "verstehen durch verständigung", wie der Klappentext anpreist: wenn alle vier doch eh immer die gleiche Sichtweise zu allem haben, ist es einfach nur eins: langweilig. Sie reproduzieren nur Meinungen, die ich in meiner Bubble schon 16381731 mal gehört/ gelesen habe.
"Sie", das sind die vier privilegierten, berliner Millienial-Autor:innen: drei weiße Männer und eine quoten "manic-pixie-dream-girl"-Frau, die zwischenzeitlich "Gedichte" und Texte schreibt, die sich lesen als hätte sie diese nach einem harten Pilz-trip getippt.
Diese Autor:innen jedenfalls schreiben einander zu verschiedenen Fragen zu den großen Themen "Liebe, Körper, Wut & Nazis" und wollen, so mein Eindruck, einander überbieten an Intellektualität, was aber auf einigen Seiten einfach nur lächerlich klingt und sich ultra anstrengend liest.
"Manchmal fürchte ich, dass diese aus meinem vulgär-poststrukturalistischen Pop-Fanatismus heraus entwickelte Post-Authentizität mich selbst, als "mich selbst" nur noch dann bemerkbar macht, wenn die Maske versagt, im Bett, in meinen komischen Polit-Neurosen, in Ausbrüchen also und Hemmungen."
Wer zur Hölle drückt sich tatsächlich so aus?!
Natürlich sind sie alle links, hip, klug, schön und beziehugsgestört und finden sich alle vier richtig geil, so zumindest mein Eindruck.
Ich habe bisher nur Hype-Rezensionen gelesen oder von Leuten gesagt bekommen, das Buch sei ein "must-read", deren Sichtweisen ich eigentlich schätze. Klar Geschmäcker sind verschieden, aber wie gesagt der Kaiser ist nackt!" . Ich sage jetzt einfach ganz bold, dass es kein gutes Buch ist. Oder vllt. habe ich es einfach nicht verstanden, erklärt es mir gerne.
Zwei Sterne gibt es dennoch, weil zumindest einzelne Zeilen wie diese
[Sorry, werde jetzt die einzig gute Stelle spoilern, lol] "... dass Erwachsenwerden ohne dabei verrückt oder kriminell zu werden, eine Aufgabe ist, die wir im Leben nicht schaffen, und deswegen lieber abhängige Kinder bleiben, weil das krass ist aber immerhin nicht weniger krass als die Einsamkeit unserer Entscheidung akzeptieren zu müssen. Denn das, nur das ist am Ende, was Erwachsensein ausmacht. Und weil niemand damit klarkommt, gibt es Nostalgie."
mich zum Weiterlesen gebracht haben und weil ich mich so herrlich über das Buch aufregen kann, dass ich mir dafür sogar die Zeit nehme, diese Rezension zu schreiben.