Die Kommissare Frank Haberking und Anna-Maria Slakow haben nur eines gemeinsam: nichts zu verlieren. Sie wurden strafversetzt und sollen die zehn Jahre zurückliegende Entführung der Dresdner Familienrichterin Jennie Flagant aufklären. Ein Fall, an dem bisher alle Ermittler gescheitert sind. Jennie Flagant wurde damals in die Zwangsprostitution verschleppt. Da sie wenige Tage nach ihrer Befreiung durch die Polizei Selbstmord beging, blieben viele Fragen offen. Wer hat sie durch diese Hölle gehen lassen – und vor allem: Warum? Auf der Suche nach Antworten geraten Slakow und Haberking in einen Fall mit ungeahnten politischen Dimensionen, der sie in höchste Gefahr bringt ...
Der Kriminalroman „Die Tote von Dresden“ von Julius Kron ist ein Polizeithriller, der in der sächsischen Hauptstadt und Umgebung spielt.
Worum es geht
Nachdem ein Sexualmörder aufgrund seines Ermittlungsfehlers freigesprochen werden musste, soll Kriminaloberkommissar Frank Haberking zur Strafe in einem zehn Jahre alten, kalten Fall ermitteln. Ihm zur Seite gestellt wird die Oberkommissarin Anna-Maria Slakow, der ein Disziplinarverfahren und eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung im Dienst drohen. Während der behäbige und zu Dienst nach Vorschrift neigende Haberking diesen Auftrag als Vorwand sieht, ihn bei dem zu erwartenden Misserfolg erst später – aber dafür weniger medienwirksam – zu suspendieren, hofft seine ehrgeizige und sich über Regeln schon einmal hinwegsetzende Kollegin, sich durch eine rasche Aufklärung rehabilitieren zu können. Die beiden sollen die Hintermänner im Entführungsfall der jungen Richterin Jennie Flagant aufdecken, die seinerzeit in die Zwangsprostitution verschleppt wurde und kurz nach ihrer Befreiung durch die Polizei Selbstmord begangen haben soll. Zwar wurden die der Serbenmafia angehörenden Bordellbetreiber verhaftet und verurteilt, aber weder die Motive der Tat noch die Verantwortlichen konnten bisher ermittelt werden. Binnen kürzester Zeit kann das ungleiche Team ungeahnte Ermittlungserfolge aufweisen, die darauf hindeuten, dass der Fall eine politische Dimension haben könnte und es noch andere Opfer gegeben hat. Gleichzeitig bringen sie dadurch sich und Haberkings Familie in Gefahr. Wer hat ein Interesse daran, dass der Fall abgeschlossen wird, und wer will dies verhindern? Es scheint, dass ihre Gegner Haberking und Slakow immer einen Schritt voraus sind. Der Verdacht keimt auf, dass es einen Maulwurf in den Reihen der Polizei geben könnte.
Kritik
Die Handlung spielt sich − abgesehen von einigen Rückblenden, in denen die Vergangenheit der Opfer, einschließlich Jennie Flagants Martyriums, das drastisch geschildert wird, und ihres Umfeldes beleuchtet werden − innerhalb einer angespannten Woche ab, in denen die Geheimnisse schrittweise und mit einigen Wendungen enthüllt werden. Der Roman ist daher spannend und temporeich; die Hauptfiguren wirken menschlich und sympathisch. Leider macht diese Reduktion der erzählten Zeit die Geschichte aber auch unrealistisch. Es ist nicht nachvollziehbar, warum zwei neu auf diesen kalten und angeblich sogar verjährten Fall angesetzte Ermittler, die sich ja auch erst einmal in die Aktenlage einarbeiten müssen, kurzfristig bahnbrechende Erfolge erzielen, wo zuvor andere über zehn Jahre hinweg gescheitert sind. Rasch wird sogar klar, dass noch weitere Verbrechen in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Fall stehen. Es gibt bei den Nachforschungen keine nennenswerten Sackgassen, der Täter steht im Prinzip nach zwei Dritteln fest und muss nur noch dingfest gemacht werden. Hier hätte der Autor seinen Kommissaren besser mehr Probleme gegönnt, ohne dass Spannung und Erzählzeit darunter hätten leiden müssen. Auch wenn in einem fiktionalen Text prinzipiell alles möglich ist, leidet darunter doch die Plausibilität. Obendrein wird hier auch noch der Zufall immer wieder bemüht, um die Handlung voran zu treiben.
Erschwerend kommt hinzu, dass im Roman jedes Kapitel und jeder Abschnitt mit einem exakten Datum und/oder einer genauen Uhrzeit versehen ist, diese jedoch häufig nicht stimmig oder zumindest unwahrscheinlich sind. Diese Logikfehler reichen von widersprüchlichen Aussagen (die Freiheitsberaubung und Zwangsprostitution der Richterin zog sich laut Kapitel 2 über zwei Jahre und sie beging 2008 Selbstmord, wohingegen es gemäß der Rückblende in Kapitel 8 nur vier Monate waren und sie 2007 starb) über unwahrscheinliche Altersangaben bis hin zu hanebüchen Zeitabläufen (das komplette Kapitel 5). Das sind handwerkliche Fehler, die sowohl dem Autor als auch etwaigen Testlesern oder spätestens dem Lektorat vor der Veröffentlichung hätten auffallen müssen. So ist es − gelinde gesagt – für den aufmerksamen Leser ärgerlich und den Verlag peinlich. Auch bleiben einige Aspekte des Falls ungeklärt, respektive für den Leser unbeantwortet. Ebenso die Fragen, warum ausgerechnet diese beiden Kommissare auf den Fall angesetzt wurden und warum eine Aufklärung bisher immer gescheitert ist. Die angekündigte politische Dimension ist eher ernüchternd; was letztlich bleibt, ist ein banaler Rachefeldzug. Ein entscheidender Mittäter wird am Schluss aus dem Hut gezaubert, obwohl diese Person im gesamten Roman so gut wie keine Rolle spielt. Der Maulwurf wird am Ende entlarvt, wobei mir der schlüssige Grund fehlt, warum diese Person so gehandelt hat, wo es immerhin um die Vertuschung schwerer Straftaten geht.
Bedauerlicherweise schöpft Kron auch das Konfliktpotential nicht aus, das sich aus seinen gegensätzlichen Protagonisten ergeben könnte. Hier wäre Raum für Spannungen oder zumindest Frotzeleien gewesen – man denke nur an Boerne und Thiel im Münsteraner Tatort. Doch die beiden müssen sich nicht wirklich zusammenraufen, sondern harmonisieren eigentlich von Anfang an recht gut miteinander. Hier hat der Autor interessante Möglichkeiten verschenkt. Die privaten Probleme, die sich bei Haberland im Verlauf der Handlung ergeben, sind hingegen eher klischeehaft. Noch dazu wird trotz des gedrängten Zeitablaufs hierfür ein ganzer Abschnitt verschenkt, obwohl es die eigentliche Handlung nicht weiterbringt.
Zum Showdown baut Kron dann auch noch eine fast schon Tarantino-esque Actionszene ein, die doch reichlich überzogen wirkt, obwohl sie natürlich spannend ist.
Wer aufgrund des Titels und des düster gehaltenen Covers mit dem Dresdener Panorama einen Regionalkrimi erwartet hat, wird voraussichtlich enttäuscht sein. Zwar scheint Rheinländer Julius Kron die diversen Örtlichkeiten gründlich genug recherchiert zu haben, doch es fehlt trotz allem an Lokalkolorit. Dresden ist hier nie viel mehr als reine Kulisse. Die Handlung wäre mit wenigen Änderungen in jede x-beliebige andere Stadt übertragbar, egal ob Magdeburg, Erfurt, Leipzig oder Düsseldorf. Die Region und die Menschen, deren Eigenheiten, Sprache sowie guten und schlechten Seiten werden nicht in der Detailhaftigkeit geschildert, dass der Ort zu einem Schwerpunkt der Nebenhandlung wird. Eine soziologische Orientierung, wie sie für einen Regionalkrimi typisch wäre, fehlt daher weitgehend, wodurch der Roman per se jedoch nicht schlechter wird.
Fazit
Wer einfach, ohne viel nachdenken zu müssen, einen fesselnden Thriller lesen möchte und über die zahlreiche Unstimmigkeiten hinweg lesen kann, dem sei „Die Tote von Dresden“ durchaus empfohlen. Julius Krons Schreibstil ist modern, der Roman von der ersten Seite an packend, unterhaltsam und flüssig zu lesen. Ich bin daher hin und her gerissen: Die Story gefällt mir mit ein paar Abstrichen gut und ist spannend geschrieben, die Figuren sind interessant. Die erwähnten schriftstellerischen Fehlleistungen beleidigen dagegen meinen Verstand, zumal die Auflösung des Falls etwas unbefriedigend ist und einige lose Handlungsfäden übrig bleiben. Dafür muss ich Punkte abziehen.
Die inhaltlichen Unzulänglichkeiten sind schade, denn Haberking und Slakow hätten als Romanfiguren eigentlich das Potential für eine erfolgreiche neue Serie, auf die das ans Dezernat Q von Jussi Adler-Olsen erinnernde Ende hindeutet. Sollte es eine Fortsetzung geben, liegt es an Autor und Lektorat, es im zweiten Band unbedingt besser zu machen. Ansonsten hat man mich spätestens dann als Leser verloren.
Plot ist interessant, Buch hat Schwächen Kommissar Frank Haberking trägt die Schuld dafür, dass ein Mörder und Vergewaltige wieder auf freien Fuß kommt. Haberking hat es unterlassen eine wichtige Zeugin zu befragen, er hat an diesem Tag, wie an den meisten lieber pünktlich Feierabend gemacht: Die folge, er wird Strafversetzt und darf sich mit einem Cold Case beschäftigen. Der Fall ist schon 10 Jahre alt. Die Familienrichterin Jennie Flagant wurde entführt und zur Prostitution gezwungen. Nach ihrer Befreiung begann sie Selbstmord. Dabei steht ihm die Kommissarin Maria Slakow zur Seite. Auch sie eine Kommissarin die aufs Abstellgleis geschoben wurde. Im Gegensatz zu Haberking ist Slakow sehr engagiert, den sie sieht in der Lösung des Falles die einzige Möglichkeit auf ihren früheren Posten zurückzukehren. „Die Tote von Dresden“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe von Julius Kron. Der Fall fängt spannend an. Die Ermittler sind sehr unterschiedlich. Haberking ist jemand der Dienst nach Vorschrift macht. Erst als seine Frau ihn dazu auffordert sich in dem Fall zu engagieren dreht er sich um 180 Grad und steckt seine ganze Kraft in die Ermittlungen. Warum seine Frau ihn aufgefordert hat wurde nicht erwähnt. Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass sie gar nicht möchte das er Überstunden macht. Ganz anders ist Slakow. Sie ist zwar recht unkonventionell in ihrer Arbeit. Wurde wohl strafversetzt, weil sie gewalttätig wurde. Sie möchte aber ihren alten Job wiederhaben und so hängt sie sich in den Fall. Lange treten die Ermittler auf der Stelle. Suchen den Täter bei der serbisch-albanische Mafia. Zwischendrin gibt es abschnitte die in die Vergangenheit führen und aus dem Leben der Familienrichterin führen. So ahnt der Leser bald die Zusammenhänge. Die Gedanken der Ermittler sind nicht immer nachvollziehbar. Für mich gibt es einige Ungereimtheiten die ich nicht recht nachvollziehen kann. So schließe ich das Buch mit gemischten Gefühlen. Ich konnte die Arbeit und die Gedanken der Kommissare nicht immer nachvollziehen. Auch blieb einiges ungeklärt, wahrscheinlich um die Neugierde auf den 2. Band aufrechtzuerhalten. Ich denke. Ich werde die Krimireihe nicht weiterverfolgen.
Worum geht es in "Die Tote von Dresden"? Julius Kron präsentiert uns in seinem Kriminalroman zwei neue Kriminialkommissar*innen: Frank Haberking und Anna-Maria Slakow. Beide wurden strafversetzt und werden nun mit einem scheinbar unlösbaren, alten Fall konfrontiert: Dem Fall Jeanie Flagant. Eine Familienrichterin, die entführt, zur Prostitution gezwungen wurde und die sich nur wenige Tage nach ihrer Befreiung durch die Polizei das Leben nahm. Die Entführer scheinen zwar schnell gefunden, doch es steckt mehr hinter dem Fall als eine reine Entführung.
Kritik Bereits auf den ersten Seiten des Buches wird der rohe und schonungslos ehrliche Schreibstil Julius Krons deutlich, der dem Milieu, in dem die Tat begangen wurde, sehr gut angepasst ist. Beide Kommissar*innen sind ausgeklügelte, in manchen Punkten sympathische und in anderen Punkten aber auch unsympathische Charaktere, die sich gegenseitig zu ergänzen scheinen und dennoch so unterschiedlich wirken. Und so schaffen sie es auch, sehr schnell den Fall scheinbar zu lösen und den Entführer von Jeanie Flagant zu finden. Die Ermittlungsarbeiten scheinen in einigen Punkten jedoch zu schnell voranzuschreiten. Die beiden Ermittler*innen arbeiten tagsüber, und auch nachts, Zeugen, Staatsanwälte und Experten scheinen immer bereits zu sein um den Ermittler*innen Rede und Antwort zu stehen. Besonders interessant sind die Rückblicke in das Jahr der Entführung Jeanie Flagants, den Jahren davor und danach. So lernt der Leser das Opfer, ihr Umfeld und ihre Arbeit kennen, um die Ermittlungen besser zu verstehen und schon vor Haberking und Slakow wichtige Informationen über den Fall zu erhalten. Im Lauf der Handlung wird immer mehr Spannung aufgebaut, die leider durch die sehr schnelle Auflösung des Falls und seine stark verstrickten politischen Dimensionen verloren geht. Das Ende des Romans wirkt sehr gehetzt, schnell wird der Fall aufgelöst und dennoch bleiben sehr viele, vielleicht zu viele Fragen für den Leser offen. Dennoch macht das Ende, die offenen Fragen, und die Kommissar*innen Haberking und Salkow Lust auf einen möglichen Band 2.
Fazit Julius Kron präsentiert uns in seinem Kriminalroman, zwei interessante Kommissar*innen und einen durchaus spannenden Kriminalfall, der tiefer geht als gedacht. Die Ermittlungen verlaufen spannend, wenn auch etwas zu schnell und der Leser muss von einigen Ungenauigkeiten im Zeitablauf der Ermittlungen und Geschehnisse absehen. Besonders die Rückblicke in die Zeit der Entführung Jeanie Flagants sind spannend und geben einen ganz neuen Einblick in den Fall. Mit seinem rohen Schreibstil macht Kron Lust auf mehr. Trotz der Unklarheiten und vielen offenen Fragen ist das Buch dennoch lesenswert. Ich vergebe deshalb 3,5 Sterne an „Die Tote von Dresden“.
Julius Kron hat mit Frank Haberking und Anna-Maria Slakow zwei sehr interessante und spezielle (zudem recht verschiedene) Charaktere geschaffen. Beide sind Kriminalkommissare die, als sie knapp einer Suspendierung entgehen, in einem tristen Kellerbüro aufeinandertreffen.
Ohne viel Hoffnung wird ihnen ein alter Fall aufs Auge gedrückt und bald überschlagen sich die Ereignisse. Das gute Tempo und die Spannung stimmen zu Beginn und bis rund zwei Drittel des Krimis gut, flachen gegen Ende leider etwas ab.
Die Idee zur Geschichte ist ebenso vielversprechend und verbindet Vergangenheit und Gegenwart der Opfer und Täter zu einer lange undurchsichtigen Ermittlung. Soweit so gut. Zwei große Probleme tun sich allerdings auf: Die Handlung, die immer wieder durch grobe und genauere Zeitangaben untermalt wird, passt nicht immer so ganz zu diesen Angaben, es ergeben sich daraus auch Logikfehler.
Zudem ist “undurchsichtig” immer so lange gut und spannend wie der Leser sich trotz vieler Fragen während der Lektüre ernstgenommen fühlt und eine Aufklärung aller wichtigen Facetten geliefert bekommt. Das kann offensichtlicher oder versteckter passieren. Hier allerdings bleiben am Ende doch ein paar Fragen zu viel offen.
Manches kann sich der geübte Krimifan selbst zusammenreimen, weil es zumindest minimal angedeutet wird. Da aber offensichtlich eine Fortsetzung geplant ist, bleibt auch vieles noch recht vage.
Wen das nicht stört und wer auch über kleine Logikfehler zugunsten der Spannung und des Verlaufs hinwegsehen kann, bekommt ein interessantes neues Krimi-Duo am Beginn einer gemeinsamen Reise präsentiert.
Guter Auftakt einer neuen Krimi Reihe. Die Komissare Haberking und Slakow könnten nicht unterschiedlicher sein. Teilweise ist der Krimi sehr gefühlvoll, teilweise ein bisschen langatmig. Im großen und ganzen eine gute Mischung. Am Ende wird's nochmal so richtig spannend.