Nina Morettis 11. Fall Recht und Unrecht sind oft nur eine Frage der Sichtweise. Was dem einen Recht, ist dem anderen Unrecht. Dies scheint auch der Heckenschütze so zu sehen, der einen gerade erst freigesprochenen Schwerkriminellen vor dem Betzdorfer Amtsgericht eiskalt hinrichtet. Bereits am nächsten Tag fallen erneut Schüsse. Ein Rächer geht in der kleinen Siegstadt um, der zurechtrückt, was der Justiz misslingt. Er kennt nur eine Strafe den Tod!
Wieder einmal ein Roman mit Nina Moretti, welcher von mir geradezu verschlungen wurde. Ich bin begeistert und der Stil von Micha hat einfach was. Hinzu kommt, dass zu einem Roman, der in meiner alten Heimat spielt, ich eben doch auch emotional einen andern Bezug habe als zu anderen Büchern.
So kenne ich die Orte, manche Personen und Gegebenheiten.
Aber nun zur Geschichte. Clankriminalität haben wir in den letzten Monaten allen mal gehört. Das Buch gibt einen kleinen Einblick ins organisierte Verbrechen, aber darum geht es nicht so sehr. Mehr um die Familie, die hinter dem Clan steckt, ein verqueres Ehrgefühl und wie manch veraltete Ansichten Familien zerstören können. Auch ein wenig um den Begriff Gangsterehre und natürlich einen Racheengel mit Scharfschützengewehr.
Und wenn ihr dann an der Stelle seid, wo jemand sagt „Ich bin kein Personal“, ist dies eine der Stellen, an denen ihr herzhaft lachen werdet.
Auch wird aufgezeigt, wie sich noch immer Rassismus bei manchen von uns im Alltag wiederspiegelt. Benutzen manche Personen im Buch Wörter wie K***ke oder N**er. Einmal, weil man das so tut. Ein andersmal gekonnt um einem anderen Menschen eine kleine Lektion aufzuzeigen, was wenn auch etwas fraglich, da ich dieses Wort absolut nicht mag, doch sehr gut durchgeführt ist.
Es lohnt sich dieses Buch zu lesen. Lustig, nachdenklich, spannend und wie immer mit mehr als einer Wendung gegen Ende.