Biografía minuciosa y amena en la que Schwandt (1956) examina con detalle las obras de un compositor que, tras un inicio accidentado, se convirtió en un prestigioso músico, en el que Italia vio consumadas sus aspiraciones nacionalistas, tras el agotamiento de la ópera con tema histórico y el sentimiento de desarraigo que proyectaban autores como Donizetti o Rossini, de estilo más bien francés. La obra contiene una útil cronología y las notas discográficas detalladas desde 1906.
Verdi, der Bauer – Hochkultur als Flächenwidmung Es liegt eine eigentümliche Ironie im bürgerlichen Dasein, wenn man sich zweieinhalb Stunden lang von Verdis schmetternden Trompeten und dem Pathos sterbender Edelleute innerlich reinigen lässt, nur um unmittelbar danach mit derselben Inbrunst über Umgehungsstraßen, Bodenrichtwerte und die Zukunft des Gewerbegebiets West zu referieren. Während der Gefangenenchor noch nachhallt, verwandelt sich der Metaphysiker im Frack nahtlos zurück in den Großpächter, dessen geistiger Horizont exakt dort endet, wo der frisch gedüngte Acker beginnt. Hochkultur fungiert hier als emotionales Alibi: Man gönnt sich die Oper, damit das anschließende Schachern um Hektar und Pachtzinsen nicht allzu profan wirkt. Über die Vertreibung aus dem Paradies lässt sich schließlich erheblich schöner philosophieren, wenn der Grundbucheintrag für eben dieses Paradies bereits sicher in der Westentasche steckt. Fast rührend ist in diesem Zusammenhang Giuseppe Verdis hartnäckige Selbstbeschreibung: „Ich war, bin und werde immer bleiben: ein Bauer aus Roncole.“ Das ist das Understatement des 19. Jahrhunderts in Reinform – ungefähr so, als würde ein Sternekoch erklären, seine eigentliche Leidenschaft gelte dem heimischen Schweinetrog. Während das Publikum bei Aida im Wüstensand ergriffen schluchzt, denkt der „Bauer“ Verdi womöglich schon an die nächste Düngemittellieferung oder daran, ob die Pacht für das Hinterland von Sant’Agata pünktlich eingegangen ist. Es ist die perfekte Inszenierung von Bodenständigkeit: Mit der einen Hand schreibt man musikalische Unsterblichkeit, mit der anderen zählt man Hartweizensäcke – aus gesunder Skepsis gegenüber Schicksal, Markt und Nachbarschaft. Man möchte sich vorstellen, wie Verdi nach einer triumphalen Premiere in Mailand nach Hause zurückkehrt, den Taktstock gegen die Mistgabel tauscht und mit demselben grimmigen Ernst, mit dem er den Rigoletto komponierte, die Drainage seiner Felder inspiziert. Diese Koketterie mit dem bäuerlichen Dasein wirkt wie ein Schutzschild gegen den Vorwurf des Hochmuts: Wer unablässig betont, dass ihm der Zustand seiner Rüben näherliegt als der Applaus der Scala, entzieht sich elegant dem Verdacht des Geistesadels. Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis: Kunst mag unsterblich machen, aber Scheunen deckt man nicht mit stehenden Ovationen. Verdi wusste das – und handelte entsprechend.