Der Band hat zum Ziel, den Arbeitsbereich Lyrikforschung schärfer zu konturieren und ein klar umrissenes Forschungsfeld Lyrikologie zu etablieren. Er dokumentiert die drei Jahre währenden kontinuierlichen Diskussionen des wissenschaftlichen Netzwerks „Lyrikologie" zur Entwicklung einer systematischen Gattungstheorie der Lyrik. In insgesamt sechs Sektionen werden zentrale Arbeitsgebiete einer solchen Lyrikologie „Typische Merkmale der Lyrik", ,„Methoden der Lyrikanalyse", „Funktionen der Lyrik", „Lyrische Zeitkonzepte", „Lyrik und Raum", „Mündliche/schriftliche Formatierung von Lyrik".
Inhalt Claudia Hillebrandt, Sonja Klimek, Ralph Müller, Rüdiger Zymner Grundfragen der Lyrikologie. Konturen und Problemstellungen zur Einleitung 1 I Typisch lyrisch? Julia Abel Hölderlin und die Literaturpolitik des George-Kreises. Lyrische Prototypenbildung in der Moderne 25 Claudia Hillebrandt Form-, Pakt- und Sprachtheorie revisited? Zum lyrikologischen Potenzial neuerer Bestimmungsversuche von Lyrik in der analytischen Kunstphilosophie 47 Peer Trilcke Lyrik im neunzehnten Jahrhundert. Ein kommentiertes Datenreferat zu populären Poetiken 67 Sophia Wege Situationsmodellbildung als Voraussetzung von Lyrikrezeption am Beispiel von Erich Kästners Sachliche Romanze 93
II Funktionen der Lyrik Jan Borkowski ›Funktion‹ und Funktionen von Literatur. Einige systematische Überlegungen (unter besonderer Berücksichtigung der Lyrik) 115 Dieter Burdorf Das Gedicht als Protest und Selbstverständigung. Eine Relektüre gesellschaftskritischer Lyriktheorien 137 Claudia Hillebrandt In der Motto-Kiste. Zum Funktionsspektrum von Lyrik im Umfeld von Erzähltexten mit einer Analyse zu Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg 159 Fabian Lampart Anmerkungen zum Konzept der Funktionslosigkeit in Lyrikdebatten der 1950er und 1960er Jahre 177 Katja Mellmann Zur biologischen Funktion protolyrischen Verhaltens. Mit Anmerkungen zur frühen Lyrik Paul Celans und Ingeborg Bachmanns 197 Ralph Müller Erfahrung als Funktion der Lyrik 219
III Lyrische Zeitkonzepte Frieder von Ammon Zweierlei Zeit? Überlegungen zur Zeitstruktur von Gedichten 235 Rüdiger Görner »Grad wars noch Heut. Doch dies Heut ist schon weit.« Zur Problematik lyrischer Zeitwertigkeit 251 Sonja Klimek Zeit und Zyklus. Eine lyrikologische Studie zu Goethes Römischen Elegien und Venezianischen Epigrammen 265 Fabian Lampart Jenseits der Prophetie. Überlegungen zu lyrischen Figurationen des Zukünftigen 291 Dieter Lamping Sechs Thesen zum Verhältnis von Lyrik und Zeit 307 Rüdiger Zymner Zeitgeber der Lyrik 311
IV Sprachmodalität der Lyrik Friederike von Criegern Was bleibt: Lyrik und Übersetzung 333 Rachel Sutton-Spence Lyric poetry in Sign Language 357 Peer Trilcke Prosigraphische Verse. Überlegungen zu einem dezidiert graphischen Verstyp am Beispiel von Gedichten Thomas Klings 377 Jörg Wesche Interaktionale Lyrik. Nähesprachliche Elemente in Textformaten vom Barocksonett bis zum SMS-Gedicht 403
V Methoden der Lyrikanalyse Dieter Burdorf Topographische Lyrikanalyse. Mit einer Fallstudie zu Hölderlin 421 Niels Klenner und Ralph Müller Lyrik als Suche nach Wert 441 Tilmann Köppe Performative Interpretation, ästhetische Wertschätzung und lyrische Expressivität 459 Rüdiger Zymner Schritte, Wege und ›avenidas‹. Literaturwissenschaftliche Methoden der Lyrikanalyse 475
VI Lyrik und Raum Frieder von Ammon Auf dem Wasser zu singen. Das Gedicht im Raum der Aufführung (mit einem Vorschlag zur Systematisierung des Konnexes von Lyrik und Raum) 499 Michel Collot A l’entour – an das Umher 513 Friederike von Criegern »Una geografía loca«. Repräsentationen von Chile in der Lyrik 529 Sonja Klimek Raum in der Lyrik – Lyrik im Raum. Zur Installation von Gedichten Georg Trakls in der Stadt Salzburg 543