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Erdbebenwetter

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Kojoten ziehen hungrig durch die Wohnviertel, in den Nachrichten warnen sie vor Schießereien und blinder Verkehrswut. Mit der Hitze kommt eine unheimliche Stille. Erdbebenwetter. Das Leben in L.A. gleicht in diesem Roman nicht dem Hollywood, das uns die großen Studios in ihren Filmen vorgaukeln. Und auch Lous Alltag ist nicht aus dem Stoff der Traumfabrik. Ihr Leben scheint in einer Endlosschleife hängengeblieben zu sein, als sie bei einer Filmpremiere einen alten Freund wiedertrifft, der mittlerweile ein erfolgreicher Regisseur ist. Er nimmt sie mit zu einem Kurs in einem Tanzstudio in Santa Monica und führt sie in die Welt der Hexer ein. Damit gewinnt ihr Leben eine elektrisierende Intensität. Das allzu Bekannte wird außergewöhnlich, der Alltag rückt in ein neues Licht. Lou erkennt, dass es Ausfahrten und Schlupflöcher im vermeintlich festgelegten Koordinatensystem des Lebens gibt. Ein poetischer, kraftvoller, kosmopolitischer Roman, der Grenzen überschreitet, Hierarchien zwischen Tier und Mensch und Kindern und Eltern ins Wanken bringt und L.A. als jenes flirrende Geheimnis in der Wüste zeigt, das die Stadt bis heute ist.

320 pages, Hardcover

Published August 22, 2020

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Zaia Alexander

5 books2 followers

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,464 reviews199 followers
August 21, 2020
Nach einigen Umwegen durch verschiedene Länder und Sprachen studiert die 30jährige Lou in Los Angeles Filmwissenschaft, ist soziale Mutter einer pubertierenden Tochter und Versorgerin einer Katze. Als die Katze tot im Garten gefunden wird, rätseln die beiden Frauen über Kojoten, die aus den Canyons in die Stadt kommen – aber vielleicht war alles anders als sie denken. Tochter Lola pflegte die zugelaufene Katze hingebungsvoll, als diese die beiden Frauen damals als Versorgerinnen wählte. Sie spielt mit der Rollenverteilung, verkündet „Ich bin ein 84-jähriger Chinese“ oder wählt Sophie als Mutter, damit Lou und sie Kinder sein können. Auch Lola hat sich ihre „Mommy“ bewusst ausgesucht, die spurte sofort und nahm Lola bei sich auf. Icherzählerin Lou erscheint wie ein unbeschriebenes Blatt, eine genderneutrale Figur, die mir die gesamte Handlung hindurch nicht näherkommt. Lou wirkt auf mich wie eine Hochstaplerin, die jederzeit enttarnt werden könnte, die anderen Menschen jedoch übelnimmt, wenn sie ihr etwas vorspielen. Der Kontakt zu einer zwielichtigen Mentorenfigur in Lous Tanzstudio könnte sie in die Fänge einer Sekte geführt haben, es könnte aber auch ein gewöhnliches Spiel der Filmschickeria mit Namen, Identitäten und Rollen sein. Alexanders Figuren balancieren gerade noch am Rande des Akzeptierten. Der Übergang zwischen normal, exzentrisch, dystopisch und wahnhaft wirkt fließend.

Am Ende hat Lou aus meiner Sicht ihre Maskierung nicht abgelegt und ist neutrale Projektionsfläche geblieben. Vermisst habe ich eine exaktere zeitliche Orientierung. Wie alt die Figur einer Jugendlichen sein könnte, ist für mich selbst in einer nur vage angedeuteten Handlungskurve nicht unerheblich. Zaia Alexanders Erstling erlebte ich wie einen pastellfarbenen Morgennebel am Meer in einer fließenden Welt, der sich bei aller Geduld nicht lichtet.
Profile Image for MrKillick.
115 reviews9 followers
September 23, 2020
Ein offener Brief an die Autorin (und andere Menschen, die meinen, sie müssten ein Buch schreiben):
"Sie meinen also, Sie müssten ein Buch schreiben? Alle anderen in Ihren Kreisen hätten das doch auch getan? Und Sie kommen anders nicht über den Verlust Ihrer Katze hinweg?
LASSEN SIE ES! Kämpfen Sie gegen das Bedürfnis an! Die Welt braucht Ihr Buch nicht! Nicht einmal Sie brauchen Ihr Buch!
Leben Sie. Kriegen Sie Kinder. Oder kaufen Sie sich eine Bartagame. Lernen Sie Makramee. Oder Schutzgasschweißen. Gehen Sie in den Kirchenchor. Oder auf eine Pilgerreise. Duschen Sie kalt, dreimal täglich.
ABER SCHREIBEN SIE KEIN BUCH!
Ich hab's auch nicht getan. Es geht mir prima.
Hochachtungsvoll
Ein Leser (22 Euro ärmer)"

Ganz ehrlich mal - was sollte dieses Buch bitteschön?
Verpeilte junge Frau lässt sich von Möchtegern-Guru (denke nur ich an Carlos Castaneda, der in seinen letzten Jahren einen Harem an ergebenen Frauen um sich geschart hatte, von denen fünf nach seinem Tod spurlos verschwunden sind?) in einen albernen Kult einweisen, zieht zu anderen Frauen in seine Kommune. Jener Guru verschenkt teuren Schmuck, gibt verschwurbelte Ratschläge (die man besser in der Apothekenumschau bekommen kann) und verpasst seinen Anhängerinnen hässliche Haarschnitte. Der Frau läuft eine Tochter zu, die sie Gätzchen nennt, und eine Katze, die sie Sophie nennt. Laber schaber, laber schaber, uninteressantes Zeugs. Frau schreibt Doktorarbeit (immer gut, habe ich auch gemacht), Tochter geht an Uni. Buch fertig.
Ach ja: kein Erdbeben, kaum Kojoten.

STÖHN
Profile Image for Uralte  Morla.
384 reviews174 followers
August 31, 2020
Lou lebt in L.A. und versucht in der Filmindustrie als Produzentin Fuß zu fassen. Das gelingt ihr allerdings nicht wirklich und sie treibt mehr vor sich hin, als ein Ziel zu haben. Bis sie einen alten Bekannten trifft, der ihr mit der Frage "Hast du Lust, ein paar Hexer kennenzulernen?" die Tür zu einer neuen Welt öffnet. Lou lernt die Hexer kennen, lässt ihr altes Leben hinter sich, beginnt noch einmal zu studieren, wird Mutter eines kleinen Mädchens und einer Katze. Plötzlich bewegt sich in ihrem Leben viel, sie übernimmt Verantwortung für sich und ihre neue Familie. Gleichzeitig muss sie sich verschiedenen Regeln der Hexer beugen, verstößt sie dagegen, hat das Konsequenzen. Ist sie vielleicht eher in eine Sekte geraten? Aber wie erklären sich dann die mystisch-magischen Erlebnisse, die sie immer wieder hat?
Zaia Alexander nutzt sehr gekonnt Zahlen-, Traum- und Sprachsymbolik, um ihrem Roman eine vibrierende, mystische Stimmung einzuhauchen. Was genau mit Lou passiert lässt sie im Vagen und genau das hat diesen Roman so interessant für mich gemacht. Alles knistert hier, schwankt zwischen absurd, esoterisch, magisch und bleibt dabei immer faszinierend.
Ein Roman, der anders und eine klare Leseempfehlung von mir ist - wenn man diese Art des Erzählens mag.
Profile Image for JoBerlin.
365 reviews40 followers
August 29, 2020
Bei Google finde ich folgenden Eintrag zum Begriff "Erdbebenwetter":
"Können Erdbeben vorausgesagt werden? Schon seit Jahrhunderten kennt man die Fülle von Methoden, die über die weitgespannte Skala von typischem Erdbebenwetter über die Konstallation von Planeten bis zum ungewöhnlichen Tierverhalten reichen. Die meisten dieser Methoden haben bislang versagt." (Bolt, Bruce – Erdbeben, SpringerWissenschaftsverlag, 1984)
Natürlich gibt es seismographische Messungen, aber bestimmte, erdbebenbegünstigende Wetterlagen oder auffälliges Tierverhalten müssen wohl zu den nicht belastbaren Mythen gezählt werden und ein Roman braucht keiner Wissenschaft entsprechen, es zählt allein der Eindruck dieser Leserin und ja --- sie findet hier reichlich Legenden und Hexen mit Entourage und fabelhafte Tierwesen. Wessen Herz jetzt höher schlägt: "Erdbebenwetter" ist kein Fantasyroman, den man womöglich schnell mal nebenbei konsumieren könnte. Zaia Alexanders Setting und Konstruktion erfordern Konzentration, Liebe zum Detail und auch etwas Langmut, denn es werden verschlungene Pfade, (aber)witzige stories und viel Personal geboten. Und leider – man weiß nicht so recht, wohin die Wege der Autorin führen.

Ihre Protagonistin Lou jedenfalls lebt mit Tochter und Katze in Los Angeles. Das verwandtschaftliche Verhältnis der drei ist selbst gewählt. Absurde Dialog dazu geistern durch den Roman, Hierarchien zwischen Tier und Mensch und Kindern und Eltern sind aufgehoben. Lou studiert (übrigens wie ihre Autorin) an der UCLA Deutsche Sprache und Literatur und da es sich bei "Erdbebenwetter" auch um eine Art Dunkel-Geheimnis-Los-Angeles-Roman handelt, habe ich oft das Gefühl, mich an einem Filmset und bei Durchsicht eines Filmskripts zu befinden. FilmFantasyFakultas. Surreal ist das. Bekanntes wird außergewöhnlich, Alltag rückt in ein neues, szenisches Licht.

Und trotz dieser deutlichen Hinweisen aufs Märchenhafte, Zaia Alexander schreibt in einem eher abgeklärten, gleichsam rätselhaften Ton - ich mag das sehr. Beispiel:
Kojoten ziehen hungrig durch die Wohnviertel, ein Kätzchen wird getötet: "Als ich am nächsten Morgen durch den windigen Canyon fuhr, stand vor mir auf der Straße ein Kojote. Ich hatte den starken Impuls, Gas zu geben. Kurz vor ihm bremste ich ab und brachte das Auto zum Stehen. Wir starrten uns durch die Windschutzscheibe an. Reglos und lange, wie es schien. Dann machte er kehrt und rannte ins verdorrte Gebüsch.«
Oder ist das gar keine reale Szene, frage ich mich – ein Flimclip vielleicht, oder werden die Koyoten erst durch die Katzen oder ihre Besitzer ins Leben gerufen?

Zwischenkapitel nennt die Autorin oft "Blau" und auch "Aus dem Blauen heraus" wird häufig erwähnt – für mich wirkt der Roman insgesamt wie vom Himmel gefallen, man merkt Zaia Alexander die große Fabulierfreude an, aber – weiß sie was sie tut, hat sie ihr Personal im Griff …. oder hat ihr der Teufel den Stift geführt? Andere Leser und Leserinnen mögen entscheiden
Profile Image for Fhina.
354 reviews83 followers
October 22, 2020
Das Buch klang vom Klappentext her wirkich interessant. Ein Moderner Hexenroman, klasse!

Leider kam ich überhaut nicht in die Geschichte rein. Alles wirkte abgehackt und irgendwie Zusammenhangslos.
Zwar fand ich die Beziehung zwischen Lou, Lola und den Ziehkatzen liebevoll und schön, aber der Rest war mir zu...abstrakt.und hat mein Interesse leider nicht entflammen können.

Ich bleibe daher neutral und vergebe 3 Sterne, denn der Schreibstil an sich und die Idee sind nicht schlecht. Letzteres hatte aber viel mehr potential!
Profile Image for Mariele.
529 reviews7 followers
April 24, 2025
Je länger sich das Buch hinzog, umso mehr fragte ich mich, wo sich eigentlich die Handlung versteckt. Es geht nicht um Erdbeben, nicht um Kojoten, schon gar nicht um Hexen, und nur sehr wenig um das Leben in einer prekären Stadt wie Los Angeles.

Ich wurde auf die Autorin durch einen Essay aufmerksam, den sie im Zusammenhang mit den Flächenbränden 2024 in ihrer Heimatstadt Los Angeles schrieb.

In Alexanders erstem und bislang einzigem Roman aus dem Jahr 2020 geht es abwechselnd um die Katze, die der Hauptfigur und deren Adoptivtochter zulief, und ihrer seltsamen Bekanntschaft mit einem lokal begrenzten Personenkult, der nur sehr wenig mit „modernen Hexen“ (so vom Literaturkritiker Denis Scheck überschwänglich angepriesen) zu tun hat, sondern eher mit New Age Selbstmanagement oder einer inszenierten Hollywood-Scheinwelt. Es fiel mir schwer, einen dramatischen Aufbau zu erkennen. Die Geschichte wird nichtlinear, aber ohne Hinweise auf die zeitliche Lokalisierung erzählt (vermutlich erstreckt sie sich über ca. 10 Jahre).

Leider geriet dieser Roman äußerst belanglos und handlungsarm. Zaia Alexander scheint der deutschen Autorin Antje Ravic Strubel sehr nahe zu stehen. Hm… deren Bücher haben mich bislang nicht überzeugt, genauso wenig wie das hier vorliegende Werk. (Ich befürchte, Frau Alexander war hier schlecht beraten.)

Über Zaia Alexander gibt es nur wenige Informationen im Internet, es ließ sich also nicht herausfinden, inwiefern sich ihr Erstlingswerk mit möglichen biografischen Ereignissen überschneidet. Jedenfalls lebten sowohl sie als auch ihre Hauptfigur mehrere Jahre in Deutschland. Wieso, weshalb, warum – bleibt unerwähnt.

Seltsamerweise entschied sie sich, ihren ersten Roman auf Deutsch zu schreiben. Viele Idiome erinnern sehr an das amerikanische Substrat, so dass ich stets das Gefühl hatte, einen Roman mit Untertiteln zu lesen. „Auf der anderen Seite der Gleise“, „aus dem Blauen heraus“ (was eigentlich „aus heiterem Himmel“ heißen müsste), oder die häufig erwähnten „Alleys“ (Hinterhofgassen).

„Der Mentor hatte Josh meinen Usher genannt.“(?)

„Als die Kellnerin kam, bestellte Claudine Caerphilly-Cheese-Muffins und einen Pott Assam-Tee. ‘‘Probiere die Scones mit dicker Sahne und Marmelade‘‘, sagte Claudine.“
(Scones ja, cheese ja, aber clotted cream wird übersetzt… einen Pott, also keine Kanne... so fühlt sich eine Flipperkugel.)

Immerhin ist die Autorin offensichtlich sehr ortskundig; man erfährt sehr viel darüber, welche Straßen in Los Angeles wohin führen. Über das widersprüchliche Leben der Scheinwelt Los Angeles' erfuhr ich wenig. Die Behauptung, die Stadt erfülle die Funktion einer handlungstragenden Figur ist für mich nicht nachvollziehbar - oder doch, insofern sie wie jede der vorhandenen Figuren nur hauchdünn entwickelt ist.
Schade, dabei hätte mich dieser Aspekt besonders interessiert. Um hierüber mehr zu erfahren, werde ich wohl weiterhin „The Rookie“ schauen.
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