"Patient Familie" ist definitiv ein interessantes und wissenswertes Buch. Manche der Fallbeispiele sind bis heute auf eigene Erfahrungen und Menschen im Umfeld zurückzuführen, und es ist in guter Sprache verfasst. Ich habe an Fachwissen und -begriffen einiges dazulernen können.
Mein größter, wenn auch einziger, Kritikpunkt ist folgender: In den Fallbeispielen mit weiblichen Patienten wird wiederholt von Hysterie gesprochen, bei männlichen Patienten kaum. Mir ist bewusst, dass das Buch in den 70ern verfasst wurde, und vieles mittlerweile in medizinischer und psychologischer Sicht (zum Glück) veraltet ist. Dennoch halte ich das Darstellen von Frauen als hysterisch für sehr fragwürdig und frauenfeindlich. Diese Kritik geht viel mehr an das System und das Einstufen von Frauen als "hysterisch" (anstatt sich die Gesamtheit ihrer Lebensfaktoren anzusehen) als an diesen einzelnen Autor, trotzdem halte ich es für wichtig, diesen Punkt hier zu erwähnen.
Wer das Buch lesen möchte, sollte sich kritisch mit Themen, wie oben benannt, auseinandersetzen können, und nicht alles aus Lektüren übernehmen. Nur dann würde ich es anderen empfehlen, denn ohne kritischen Blick kann dies definitiv falsch interpretiert werden.