Charlotte Brontë (1816-1855), Heldin dieser einfühlsamen Biographie von Katharina Pink, wuchs auf in Armut und gesellschaftlicher Isolation. Der Erfolg als Schriftstellerin kam spät. Das Leben der englischen Pfarrerstochter blieb dauerhaft überschattet von Krankheit und Tod. Diese Leidensgeschichte spiegelt sich auch in ihren Romanen wider, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Die großartige ›Jane Eyre‹ begeisterte auf der Kinoleinwand Millionen und erlangte Kultstatus. Charlotte Brontë selbst schwankte zwischen Anpassung und Rebellion, zwischen Aufbegehren und Gehorsam. Pink schildert Charlottes prekäre Situation in einer von Männern dominierten Welt und beleuchtet ihre Beziehung zu den Schwestern Emily und Anne. Briefe und Tagebücher gewähren Einblick in ihr bewegtes Seelenleben und ganz nebenbei gibt es ein Wiedersehen mit den Darstellern der berühmten Romane.
Diese Biographie hat mir außerordentlich gut gefallen. Sie las sich nicht nur flüssig, sondern auch noch spannend - so spannend, dass ich das Buch nicht weglegen wollte und Nachts noch davon geträumt habe. Meiner Meinung nach gelingt es der Autorin sehr gut, Charlottes Charakter in all seiner Widersprüchlichkeit darzustellen, immer mit einem gewissen Maß an Gefühl, aber auch mit objektiver Kritik und Zurechtrückung. Als kleinen Wermutstropfen empfand ich, dass mir das Verhältnis zu ihren Schwestern und ihrem Bruder etwas zu kurz kam. Da hätte ich mir noch eine ausführlichere Analyse gewünscht.
Eindrücklich geschildert, aber sehr deprimierend, entsprechend dem Leben der Autorin selbst. Das Porträt einer zerrissenen Frau, die - wie der Titel schon verrät - ihr Leben lang zwischen dem konventionellen Wunsch nach Liebe und Anstand und dem Verlangen nach Bildung und Freiheit geschwankt hat.