1. Der nostalgische Blick zurück Der Kauf des „Prüfungskurs DSH, neue Rechtschreibung“ war für mich eine nostalgische Brücke in meine eigene Vergangenheit. Als ich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre am Sprachenkolleg (Thomas Morus Burse) in Freiburg Deutsch lernte, nutzten wir natürlich andere Bücher. Ich war neugierig, wie sich die Lehrmethoden für ausländische Studierende über die Jahrzehnte verändert haben.
2. Die (vergebliche) Suche nach der „Textwiedergabe“ Meine erste Handlung war, das Inhaltsverzeichnis nach einem Stichwort zu durchsuchen, das mein Lernen damals maßgeblich geprägt hat: die „Textwiedergabe“. Diese Disziplin des Zusammenfassens und Rekonstruierens von Texten ist mir bis heute als zentrale Fähigkeit im Gedächtnis geblieben. Ich war zugegebenermaßen enttäuscht, dass diese klar abgegrenzte Übungsform in der modernen Ausgabe keinen Platz mehr hat. Es zeigt, wie sich didaktische Schwerpunkte verlagern. Doch wer sucht, findet manchmal anderes als das Erwartete – und gerade das macht die Lektüre spannend.
3. Die Stärke der modernen Fachorientierung Was mir jedoch sofort positiv auffiel und meine anfängliche Enttäuschung mehr als wettmachte, ist die beeindruckende thematische Vielfalt des Buches. Es ist hervorragend an den realen Bedürfnissen von Studierenden verschiedenster Fachrichtungen ausgerichtet. Das Buch deckt ein Spektrum ab, das von Pädagogik, VWL und Jura über Mathematik und Physik bis hin zu Vergleichender Sprachwissenschaft, Informatik und Musikwissenschaft reicht.
4. Fazit: Eine didaktische Evolution Hier zeigt sich die größte Stärke des Buches und die vielleicht wichtigste Entwicklung seit meiner Zeit: Die Lernenden haben die Gelegenheit, sich frühzeitig mit der spezifischen Terminologie ihres künftigen Fachs auseinanderzusetzen. Wir arbeiteten damals oft mit politischen Reden (ich erinnere mich gut an Texte von Erhard Eppler, 1926 - 2019), Biologie- oder Wirtschaftsthemen. Dieses Buch hingegen ist ein vielfältiger und hochgradig angepasster Werkzeugkasten, der die Studierenden genau dort abholt, wo sie sprachlich für die Universität stehen müssen. Auch wenn ich die klassische „Textwiedergabe“ vermisse – dieser Kurs spiegelt präzise, wohin sich das akademische Deutschlernen im 21. Jahrhundert entwickelt hat.