Wilhelm II. und seine Rolle in der jüngeren deutschen Geschichte haben die historische Forschung in den letzten Jahren erneut intensiv beschäftigt. Während der politische Einfluss des Kaisers lange eher gering veranschlagt wurde, überwog in jüngster Zeit die Tendenz, ihm die Hauptverantwortung für die politischen Fehlentscheidungen des Reiches und den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zuzuschreiben. In dieser Debatte bezieht Wolfgang J. Mommsen, international anerkannter Experte der Geschichte des Kaiserreichs, differenziert, aber unmissverständlich Position: Er betont die Verantwortung der preußisch-deutschen Machteliten, die sich die herausragende Stellung Wilhelms II. zunutze machten, um ihre verhängnisvollen außen- wie innenpolitischen Ziele durchzusetzen. Jede Schwächung des Kaisers hätte zudem eine Stärkung des parlamentarischen Systems und damit den eigenen Machtverlust bedeutet. Mit souveränem Urteil zieht Mommsen die Bilanz dieser fatalen Epoche, in der die Weichen für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts gestellt wurden.
Wolfgang Justin Mommsen was a German historian best known for his influential work on Max Weber and his studies of modern German and British history. Educated in Marburg, Cologne, and Leeds, he taught at the University of Cologne before holding a professorship at the University of Düsseldorf, where he remained for nearly three decades, and also directed the German Historical Institute in London. His early biography of Weber and subsequent dissertation challenged prevailing interpretations, situating Weber as a liberal nationalist and imperialist and reshaping understanding of his political thought. Mommsen was a central figure in editing the Max Weber-Gesamtausgabe, the comprehensive edition of Weber’s works. His scholarship explored the “Sonderweg” thesis, arguing that Germany’s incomplete modernization and the persistence of authoritarian elites shaped the country’s trajectory toward the First World War and the rise of Nazism. Widely respected for his comparative perspective, he was also active in the Historikerstreit, affirming the Holocaust’s singularity.