›Am Rand der Dächer‹ erzählt von Berlin-Mitte in den Neunzigerjahren durch die Augen Andrejs, der mit seinem Bruder Anton und seinem Freund Simon dieses chaotische Viertel durchstreift. Während ihre Straßen durch den Elan all der herbeiströmenden Alteigentümer, Unternehmer, DJs, Künstler und Abenteuerlustigen einen Neubeginn erleben, gleiten die Kinder auf den Wegen ihrer Jugend an den Rand des Geschehens – und auf immer gefährlichere Abwege. Als die Stadt auch die Besetzer, in denen die Jugendlichen so etwas wie Gleichgesinnte erkannt hatten, zu vertreiben beginnt, bleibt ihnen nur noch die Erinnerung an die frühere Freiheit – eine Erinnerung, die sie auf die Zukunft projizieren, auf ein Amerika, das mit einem allumfassenden Freiheitsversprechen wirbt. In seinem Romandebüt verwebt Lorenz Just das Aufwachsen seiner Figuren mit der rasanten Veränderung, die aus dem Berlin-Mitte der Wende das Berlin-Mitte der Nullerjahre werden ließ. Fernab gefestigter Geschichtsbilder vom wilden Berlin und den Träumen der Selbstverwirklicher erzählt er von jener fragilen Freiheit, die in den Neunzigern eine ganze Generation von Mittekindern geprägt hat.
studied Islamic studies while spending time amongst others in Egypt and in Lebanon at the Orient-Institut Beirut. Until 2015 he studied at the German Institute for Literature in Leipzig. 2015 saw his book »Mohammed. Das unbekannte Leben des Propheten« (tr: Mohammed: The Unknown Life of the Prophet). »Der böse Mensch« (2017, tr: Evil People) was his literary début. In 2020 his novel was published at DuMont-Buchverlag: "Am Rand der Dächer". His third book "TAG XYZ" war published in 2023 by spectorbooks.
Andrej wächst mit zwei Brüdern und seinem besten Freund Simon im Ost-Berlin der 90er auf. Die Jungen streifen - weitgehend frei von der Kontrolle Erwachsener - durch Hinterhöfe und vorbei an grasüberwuchertem Brachgelände. Miteinander verbundene Dächer und Dachböden sind ihr Spielplatz. Von dort oben lässt sich die Veränderung eines Stadtviertels verfolgen, in dem bisher Mietshäuser 50 Jahre lang unrenoviert verwitterten. Renovierte Hausfassaden erobern nun das Viertel, Farbe verdrängt grauen Putz. Baugerüste erweitern zunächst den Zugang zu neuen Abenteuern während der Renovierungsarbeiten. Die Wege über die verbundenen Dachböden von Nachbarhäusern sind plötzlich unterbrochen von ausgebauten Dachgeschossen; Leute, die hier einziehen, haben offenbar viel Geld. Aus der Vogelperspektive blicken die Jungen durch Dachfenster in feudale Lofts, Dachgauben wurden zu Balkons ausgebaut, die oberen Stockwerke sind unerwartet auch für Erwachsene wertvoll geworden.
Freundschaft, Streit unter Brüdern, Streiche Jugendlicher, die nah am Rand der Kriminalität balancieren, Andrejs erste Liebe Annika, diese Stichworte könnten nach einem Coming-of-Age-Roman klingen. Für westdeutsche Leser verblüffend wirkt die Übernahme einer Generation durch US-Amerikanische Filme und Werte, etwas das Andrej von seinen älteren Brüdern unterscheidet. Sein Jahrgang wird vom Schüleraustauch mit den USA träumen und verdrängen, dass die Einschusslöcher in Berliner Häuserfassaden nicht von amerikanischen Helden stammen. Die äußerlichen Veränderungen seines Kiezes durch Hausbesetzer und Haubesitzer nimmt der Junge zunächst nur wahr, wo sie seine kindlichen Abenteuer betreffen. Folgen der Gentrifizierung - auch für seine Familie - werden ihm und seinen Kumpels erst später bewusst geworden sein. Sein nüchterner Blick auf die Architektur und Bausubstanz wirkt für ein Kind zunächst ungewöhnlich. Andrej erinnert sich an seine Ost-Berliner Jugend aus der Distanz des Erwachsenen und in dessen Duktus. Wenn Andrej die Einschlusslöcher in Hausfassaden aus dem Zweiten Weltkrieg nahtlos in seine Spiele und Phantasien integriert, ist er ganz das Kind, das noch nicht versteht, was es in der Schule tun soll und vor allem, welche Person es dort sein soll. Eine Gedankenwelt, für die Erwachsene in der Zeit nach der Wende vielleicht zu wenig Energie aufbringen konnten. Renovierungsstau und Mangelwirtschaft führten in der DDR zu einer unendlichen Geschichte der Unzufriedenheit, zunächst nur hinter vorgehaltener Hand gezischt. Die restaurierten Fassaden, die Andrejs Welt erobern, vermitteln daher eine eigene zweischneidige Symbolik.
„Am Rand der Dächer“ zeichnet das Ende einer Ost-Berliner Kindheit in der Nachwendezeit. Der Übergang von Erinnerungen an die Hinterhöfe der Kinderzeit zur Perspektive des erwachsenen Berichterstatters gelingt Lorenz Just äußerst glaubwürdig und mit einem speziellen Blick auf die Architektur der Stadt.
>>Die Dachpappe unter uns war beruhigend schwarz. Hätte mich jemand in diesem Augenblick gefragt, ich hätte schwören können, dass wir uns exakt auf Höhe des Meeresspiegels befanden. Die Welt wich von uns ab und hetzte allem und nichts hinterher, aber in meinem Kopf herrschte verheissungsvolle Klarheit.<< „Am Rand der Dächer“ von Lorenz Just ist ein sehr intesives Leseerlebnis für mich gewesen. Dieses Buch besticht sehr durch seine Wortkraft und die damit unglaublich schnell aufkeimende Atmosphäre. Die Geschichte rund um Andrej und seinen Freund Simon, ihre Kindheit, das Aufwachsen in Berlin-Mitte zur Nachwendezeit wird insgesamt ruhig erzählt und ist doch so kraftvoll. Der Autor hat einen wirklich tollen Schreibstil, auch ein Punkt, der hier definitiv gleich zu Beginn des Buches schon heraussticht. Lorenz Just bringt einem somit Berlin, die Nachwendezeit und das Leben der beiden Jungen und ihre Zeit des Aufwachsens und der Orientierung wer sie sind, wer sie sein wollen und was Berlin für sie bereit hält sehr nah! Ganz besonders waren für mich hier die Momente auf den Dächern, diese haben für mich sehr intensive Bilder erzeugt, die ich sicher noch lange in meinen Gedanken behalten und anschauen werde. Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, voller Wortkraft und literarisch wirklich ein besonderer Schatz📖❤
1990er Jahre in Berlin. Andrej wächst mit seinen beiden Brüdern und den Eltern in einer Ost-Berliner Altbauwohnung auf. Gemeinsam mit seinem Freund Simon streif der Junge durch das Viertel und beobachtet die Veränderungen, die mit der Wende langsam auf bei ihnen ankommen. Häuser stehen leer, Menschen sind einfach gegangen und haben alles so stehen und liegen lassen, wie es gerade war. Dafür kommen jetzt Besetzer, die sich dort einrichten als sei dies das Natürlichste der Welt. Die Jungen werden älter und mutiger, die abendlichen und nächtlichen Streifzüge werden zu Einbrüchen, bei denen sie auch erfahren, dass das Leben in den heimischen vier Wänden ganz anders aussehen kann. Erste Liebe und große Träume. Amerika, das Sehnsuchtsland, aber weniger konkrete Vorstellungen denn mehr Phantasien, ein Land, das sie sich in ihren Gedanken erschaffen. Die Tage, Monate, Jahre fließen gleichförmig dahin und lassen sich bald schon nicht mehr unterscheiden.
Lorenz Just schildert in seinem Debütroman eine recht typische coming-of-age-Geschichte der 1990er Jahre. Die Eltern durch die großen Umwälzungen im Land selbst überfordert und mit sich beschäftigt, tauchen nur am Rande auf. Als die Kinder noch klein sind, gibt es noch die Angst, dass sie einfach verschwinden und in das andere Land gehen könnten, wie so viele andere, dann aber werden sie zunehmend unbedeutend für die Entwicklung. Die Freundschaften sind es, die Andrej und seinen Bruder Anton prägen, sowie der Traum von dem unbekannten Land, der sie immer weiter von den Eltern entfremdet, wie dies ohnehin in diesem Alter der Fall ist.
„Amerika blieb ein Phantom, das sich ewig entzog. Auf Breakdance und BMX folgte ein jämmerlicher Versuch, Graffiti zu sprühen. (...) Unser Amerika, dem wir mit Basketball, zu groß gekaufter Kleidung und Musik näher zu kommen versuchten, war eher der Modus, den wir uns erwählt hatten, um wir selbst zu bleiben.“
Ein Lebensgefühl von Freiheit einerseits, die jedoch auf die wenigen Straßen um die elterliche Wohnung begrenzt bleibt. Die Sehnsucht nach echter Freiheit, die sich in dem diffusen Traum von Amerika und der Hoffnung auf ein Austauschjahr dort scheinbar realisiert. So intensiv die Zeit erlebt wurde, so wenig ist jedoch von ihr hängengeblieben. Einzelne Episoden, darüber hinaus nur mehr ein nicht greifbares Gefühl, das jedoch immer geprägt war von einer großen Ich-Bezogenheit.
Rückblickend stellt der Erzähler fest, dass er quasi nichts von vielen Freunden wusste, obwohl sie Stunden täglich miteinander verbrachten; dass ihn die Magersucht der eigenen Freundin völlig überrascht hat, als wenn diese aus dem nichts auftauchen habe können; dass eine gespielte Coolness sie daran hinderte über das zu reden, was wichtig gewesen wäre. Ein recht resigniertes Fazit, das jedoch für mein Empfinden zu hart ist. Die Teenagerzeit ist nun einmal so, es ist nicht die Zeit, in der Jungs über Gefühle reden oder ihre Träume hinterfragen würden.
Genau hier liegt für mich die Stärke des Romans, er wirkt unglaublich authentisch und ist nah bei den Figuren. Trotz der rückblickenden Distanz des Erzählers urteilt er nicht über sie, sondern lässt sie genau das sein, was sie sind und das hat der Autor hervorragend eingefangen. Der Roman ist nicht urkomisch, wie es Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ bisweilen ist, auch nicht so traurig wie Carmen Buttjers Roman „Levi“, der eine ähnliche Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines Jungen, der in einer Blase lebt, einer Zeit, die es so nie mehr geben wird und die er auch nie mehr erleben kann, die intensiv war, aber von der vieles nur noch bruchstückhaft in Erinnerung geblieben ist – genauso ist es, das Leben. Aber immerhin kann man über literarische Leben nochmals in diese Zeit der Sorglosigkeit und des Glaubens an die eigenen unbegrenzten Möglichkeiten eintauchen und das ermöglicht einem Lorenz Just auf ganz eindrucksvolle Weise.
Zwei Jungen, die im Berlin der Nachwendezeit aufwachsen, erkunden die Stadt, lassen sich treiben, werden pubertär. „In der Deckung der Kindheit, im Schatten der Welt, im trüben Meer des Alltags spazierten wir unerkannt die Große Hamburger hinauf.“ Der aus kindlicher Sicht erzählte Roman lockt mit der Sorglosigkeit und Begeisterungsfähigkeit seiner Protagonisten für Kleinigkeiten. Doch darauf folgt mit dem Älterwerden die Desillusion und das Zerstörerische von Heranwachsenden. Für mich ging mit dem Verlust ihrer Unschuld und Unbefangenheit etwas der Reiz der Geschichte verloren. Die Handlung verpufft hinter ein paar schönen Worten. So richtig packen und begeistern konnte mich das nicht.
Andrej wächst in Berlin-Mitte auf, als plötzlich die Wende über die Stadt hereinbricht. Für ihn, seinen Bruder Anton und seinen Freund Simon eine aufregende Zeit, denn die verlassenen Häuser und Wohnungen sind phantastische Orte um die gemeinsamen Tage zu verbringen. Mit ihrem Älterwerden verändern sich nicht nur ihre Interessen und ihr Zeitvertreib, auch die Umgebung wandelt sich: Häuser werden saniert, die BewohnerInnen wechseln. Viel Vertrautes macht Platz für Neues.
Als Lesende begleitet man im Verlauf von 10 Jahren die Kinder bei ihren Streifzügen durch ihr Viertel, lernt HausbesetzerInnen kennen, lässt den Blick von den Dächern ihres Stadtviertels über Berlin schweifen, erfährt von der ersten Verliebtheit, kleinen und größeren Missetaten bis hin zu massiven Gesetzesübertretungen – alles, was ein Kinder- und Jugendlichenleben so ausmachen kann in einer Stadt, die sich in einem Umbruch von fast völliger Anarchie in westliche Ordnung befindet.
Ich-Erzähler ist der mittlerweile erwachsene Andrej, was den recht anspruchsvollen Sprachstil des Romans erklärt. Denn die erfindungsreichen Beschreibungen seiner Träume wie auch seines Innenlebens hätten den jungen Andrej höchst unglaubwürdig wirken lassen. Doch Lorenz Just gelingt es sehr überzeugend, trotz der Erzählung des erwachsenen Jungen die Sicht- und Denkweise des deutlich Jüngeren beizubehalten wie beispielsweise seine Sprünge durch Zeit und Raum, wenn ein ungenutzter Hinterhof zum Lebensraum der gigantischen Sumpfschildkröte Morla wird oder wenn ein Brachgelände den Schauplatz einer virtuellen Beerdigung eines Großvaters darstellt.
Zeitlich wie räumlich sind die Ähnlichkeiten zu Stern 111 von Lutz Seiler unübersehbar. Doch Am Rand der Dächer lässt sich nicht so leicht lesen, da häufig Sätze schon mal eine halbe Seite beanspruchen. Lesenswert ist es jedoch allemal.
Der Erzähler Andrej, sein Freund Simon und sein Bruder Anton streifen in diesem Roman durch die Spandauer Vorstadt, ein scheinbar ruhiges, vergessenes Viertel mitten im gerade wiedervereinigten Berlin, als die Flut des Zuzugs Einzug hält, Besetzer, Alteigentümer, Abenteurer; wobei die Kapitel, in denen Lorenz Just das Ankommen der Besetzer schildert, die von ihnen verwandelten Häuser beschreibt, mit zum Besten gehören, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Und wer jetzt denkt, wieder nur so Jungs, der darf sich auf so tolle Figuren wie Lilly freuen, die in der besetzten kleinen Hamburgerstraße Nr. 5 lebt, und auf Annika, die mit aller Kraft ihrem Idol Alan Iverson nachstrebt. Es ist ein Roman, der sicherlich auch einfach als Abenteuerroman über eine wilde Jugend gelesen werden kann, wer sich jedoch tiefer auf ihn einlässt, der erlebt hier wirklich eine stark erzählte Chronik einer Stadt und einer Jugend. Unterschwellig wird in diesem Roman nämlich so viel verhandelt wie: Gentrifizierung, Amerikanisierung, Neo-liberalisierung. Nicht zuletzt überzeugte mich der Autor mit einem tollen wie orginellem Anti-Kriegskapitel, in dem er über die Einschusslöcher im Viertel seiner Protagonisten philosophiert.
Berliner Jungen „Am Rand der Dächer“ ist das Debüt vom Lorenz Just. Er lässt Andrejs Erinnerungen seiner Kindheit in den neunzigern in Berlin aufleben. Er zeigt, wie er mit seinem Bruder Anton und seinem Freund Simon aufwuchsen. Sie wachsen in einem Problemviertel auf. Andrejs und Simon sind ein paar Früchtchen. Ihr Taschengeld lassen sie mit Einbrüchen wachsen. Es ist eine interessante Geschichte, die für mich etwas langatmig wurde. Ich war nicht ganz das richtige Lesepublikum. Vielleicht ist es mehr für das Männliche Leser. Trotzdem fand ich die Sprache passend und das Thema ganz interessant.
Am Rand der Dächer spielt im Berlin-Mitte der Neunzigerjahre. Andrej streift mit seinem Kumpel Simon durch die Straßen, die Hinterhöfe, Spielplätze, Brachflächen und über die Dächer. Sie erleben, wie sich ihr vertrautes Viertel rasant Zeit verändert. Sinnbild dieser Veränderung ist das Haus gegenüber – es steht leer, verfällt, wird besetzt, geräumt, saniert und erstrahlt in neuem unpersönlichem Glanz. Dieser Roman erzählt nicht nur das Coming-of-Age von Andrej, sondern auch die Entwicklung von Ost-Berlin zu dem, was es heute ist.
Sowohl die Geschichte als auch der Schreibstil von Lorenz Just haben mir sehr gut gefallen! Seine Erzählungen wirkten sehr authentisch und lösten bei mir den Wunsch aus, auch noch einmal durch das Berlin dieser Zeit gehen zu können, von dem ich selbst nur noch Überreste kenne und das man heute kaum noch erahnen kann.
Am Rande der Dächer erzählt, wie ein Junge in Berlin nach dem Mauerfall aufwächst. Zwischen Plattenbauten und Besetzern werden die Blödeleien mit seinem Freund Simon zu unüberlegten Straftaten. Ich konnte nie viel an einem Stück lesen, aber es war gut geschrieben mit einer melancholischen Atmosphäre. Es hat mich an meine Kindheit erinnert und was ich für "dumme" Sachen gemacht habe. Es bringt zum Nachdenken, wie schnell die Kindheit eigentlich vorbei ist.
Berlin-Mitte, Neunzigerjahre. Tag für Tag durchstreift Andrej zusammen mit seinem Bruder Anton und seinem besten Freund Simon das Viertel, das sich rasant verändert: Besetzer werden vertrieben, Baugerüste hochgezogen und die leeren Dachgeschosse – einst Spielplatz für die Kinder – verwandeln sich in teure Lofts. Andrej blickt als Erwachsener auf seine Jugend inmitten der Gentrifizierung zurück: Natürlich sind Freundschaft, die erste Liebe und pubertäre Dummheiten Thema, aber eben auch der Traum vom Freiheit verheissenden Amerika – während man in Einschusslöcher an den Berliner Hausfassaden blickt und den Zusammenhang erst viel später versteht. Eine sehr authentische und glaubwürdige Erzählung, die für einmal so gar nicht nach «Typisch Wenderoman» müffelt (sorry ;)).
amrandderdächer hat mich von Seite eins gleich sehr reingezogen, ich war dieser junge andrej der mit seinem besten freund simon durch das berlin mitte der nachwendeneunziger zieht. Was erleben, ein dazwischen aus spiel und realität, moral spielt eine untergeordnete rolle. das weiche, ungeformte, die neugier und lust am leben gehen wie beiläufig verloren stück für stück.
Im 'nicht mehr kind sein und noch nicht erwachsen erzählen' fällt die nähe zu den charakteren dann weg. es liest sich, als blickte die icherzählerstimme mit scham auf das jüngere ich. es passt, weil sie sich verloren fühlen auf der suche nach identität und mit angst vor zukunft im bauch. Aber mir hat da was gefehlt. momente, die mehr über diese menschen hätten verraten können, wurden nur im vorbeigehen gestreift. die perspektive von einem heranwachsenden bürgerlichen weißen jungen gibt es so oft, dass ich mir hier einen bruch gewünscht hätte. gut dargestellt war seine cluelesness allemal, gegenüber seiner freundin die mit essstörung kämpft, verhält er sich...garnicht, die klassenunterschiede in seiner freundesgruppe bemerkt er zwar kann sie aber nicht einordnen, den rassismus seines freundes wischt er leichtfertig beiseite. die geschichte hat mich jedenfalls sehr beschäftigt, ich glaube, ich war traurig andrej zu verlieren in der mitte des buches und über seine ignoranz habe ich mich geärgert.
Wenn ihr das buch gelesen habt würde mich sehr eure meinung interessieren 🤓