Doktor Nicola, der viktorianische Serienverbrecher, über dessen Taten und Machenschaften schon zwei Romane im Wurdack Verlag veröffentlicht worden sind, tritt in diesem dritten Roman als Mad Scientist auf. Der Ich-Erzähler ist dieses Mal ein von Pech verfolgter junger Arzt namens Douglas Ingleby, der über einen befreundeten Kollegen Doctor Nikola kennengelernt. Er ist beeindruckt von der Person Nikolas, und der schafft es auch, ihn für seine Forschungen zu interessieren, die nichts weniger als die Unsterblichkeit zum Thema haben. Er benötigt für seine "bahnbrechenden" medizinischen Experimente einen Assistenten, und Ingleby willigt ein. Er will einem steinalten und dem Tode nahen die Jugend zurückgeben. Die Mittel hat Nikola aus dem Tibet herausgeschmuggelt, seitdem ist ist ihm ein Chinese auf der Spur. (Von diesem geschehen erzählt auch der zweite Band der Reihe) Ingleby erhält als erstes die Anweisung, das Versuchskaninchen und dessen Enkelin von London nach Newcastle zu begleiten und den Greis gesundheitlich zu erhalten. Schon auf der Fahrt bemerkt er den Chinesen, dem es gelingt sowohl sich zu entziehen als auch Ingleby die Medikamente zu stehlen. Die Gefährlichkeit seines Jobs werden Ingleby klar. Doch es gelingt den Patienten nach Allerdeyne Castle, das Nikola für den Aufenthalt halbwegs hat herrichten lassen, zu bringen, wo seine Behandlung auch schon beginnt. Während der Fahrt haben die Urenkelin Don Morenos und Ingleby ihre Sympathien füreinander entdeckt. Der Aufenthalt auf dem unwirtlichen Schloss bringt sie noch näher. Aber es wird auch gefährlicher, denn der mysteriöse Chinese findet einen Weg, ins Schloss zu gelangen und er hat immer noch vor, Nikola zu töten. Die Handlung kulminiert, als die Behandlung Don Morenos abgeschlossen ist.
Boothby erzählt gradlinig und versteht es den Leser zu fesseln mit diesem phantastischen Abenteuerstoff, der immer noch frisch wirkt. Alle Ingredienzen des Science-Thrillers sind schon vorhanden. Ein überlebensgroßer Schurke, eine schöne Frau, ein sympathischer Held, Action, Dramatik, Liebe und Grusel. Der Leser kommt voll auf seine Kosten. Allerdeyne Castle erinnert an die Schlösser in den Frankenstein-Filmen wie Herausgeber und Übersetzer Michael Böhnhardt richtig im Vorwort bemerkt. Die Unsterblichkeits-Prozedur der ist natürlich Spekulation und von der Zeit überholt, aber das fällt kaum ins Gewicht, zumal Boothby sie mit der Aura von anstrengender und schwieriger Arbeit umgibt und so plausibilisiert. Und dass sie nicht das gewünschte Ergebnis zeitigt, ergibt sich aus der Vermessenheit des Vorhabens. Die Figur des Doctor Nikola ist zweifellos die größte Attraktion. Neben ihn wirken alle Figuren recht blass. Boothby gestaltet Nikola sehr ambivalent, denn er ist keinesfalls nur böse. Er tritt meistens als welterfahrener und draufgängerischer Gentleman auf, der seine Mitmenschen in seinen Bann ziehen kann, aber dabei aber durchaus menschlich bleibt. Dann aber tritt seine Besessenheit von seinen Zielen hervor, denen er alles skrupellos und kaltblütig unterordnet. Seine dunkle Seite ist untergründig immer präsent, weil er sich frevlerischen Vorhaben verschrieben hat. Boothby war wie viele seiner viktorianischen Zeitgenossen von der Doppelnatur des Menschen fasziniert. Ein Mann kann zwei unterschiedliche Existenzen führen, wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Boothby hat mit der Gestalt des Simon Crane auch so einen Charakter geschaffen. Der führt als reicher Exzentriker zum Zeitvertreib Diebstähle durch, quasi zum Zeitvertreib, und ist zugleich unter dem Pseudonym Klimo Detektiv. Dass Boothby auch die kurze Form recht gut beherrscht zeigt die Erzählung "Ein Geschichte aus Ägypten", die dieses Buch abschließt. Eine junge Engländerin gerät in den Bann eines charismatischen Ägyptologen, und wird mit einer uralten tragischen Liebesgeschichte konfrontiert. Auch diese Geschichte ist recht unterhaltsam und zeigt die Weltläufigkeit Boothbys.