Jump to ratings and reviews
Rate this book

Transhumanistische Mythologie

Rate this book
Unter den neuen Machteliten, die das Silicon Valley hervorgebracht hat, macht neuerdings eine Sorge die Runde, die nichts Geringeres betrifft als die Zukunft der Menschheit: Was, wenn die Erforschung künstlicher Intelligenz am Ende eine künstliche Gottheit hervorbringt, die uns alle vernichtet?

Während die einen vor dem Untergang warnen, prophezeien die anderen, dass uns die göttlichen Maschinen in ein digitales Himmelreich führen werden. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich die Vision beider Seiten als Mythologie ohne Bezug zur Realität. Trotzdem werden unter dem Deckmantel des Kampfes gegen die digitale Apokalypse autoritäre Politikformen normalisiert, Ausbeutung vorangetrieben und Eugenik salonfähig gemacht.

Das vorliegende Buch ist eine ideologiekritische Analyse der Mythologien um superintelligente KI. Dabei zeigt sich, dass die Grundlagen dieser Mythologien keineswegs so neu sind, wie ihr Gegenstand uns glauben machen könnte. Vielmehr wiederholen sich hier – in technologischem Gewand und scheinbar säkularisiert – alte Ideen der protestantischen Rechten. Noch drehen sie sich nur um die Zurichtung für die Erfordernisse des digitalisierten Kapitalismus und die Radikalisierung seines Glücksversprechens. Doch die Grundlagen für eine autoritäre Wende sind im Glauben an die Superintelligenz bereits angelegt.

Es wird Zeit, die Ideologie des Transhumanismus genauer in den Blick zu nehmen, weil sie das Potenzial hat, sich zu einer Herrschaftsmythologie des digitalen Zeitalters zu entwickeln.

136 pages, Paperback

Published January 1, 2019

9 people want to read

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
2 (50%)
4 stars
2 (50%)
3 stars
0 (0%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Halber Kapitel.
330 reviews13 followers
September 15, 2020
Lange Zeit bin ich immer mal wieder über den Begriff des Tanshumanistismus gestolpert, ohne so richtig zu wissen, was diese vom silicon valley geprägte Vokabel eigentlich bedeuten soll. Und da mich -sträflich sträflich, ich weiß - das silicon valley und seine visionären Schnickschnack-Angebote an meinen Alltag, seine Big Data-Phantasien und selbstfahrenden Autos ohnehin nicht sonderlich interessieren, hab ich auch nicht weiter nachgegraben. Beim Podcast-Hören stieß ich dann auf eine Folge Philosophisches Radio, in der ein bis unter die Schädeldecke euphorisierter Lorenz Sorgner die Vision eines vollcomputerisierten goldenen Zeitalters entwarf, in dem der Mensch sich durch eine straff optimierte (krankheitsresistent, superintelligent etc) Ausgabe seiner selbst ersetzt hat. Daß Sorgner sich vielfach auf Nietzsche bezieht, überrascht da kaum, schließlich müssen für einen solchen Weltentwurf voller eugenischer und menschenverachtender Phantasien zahlreiche moralische Hemmschuhe ausgezogen und über Bord geworfen werden, da hilft Mr. Übermensch sicher gern.

Doch was dem entgegen halten? Man mag ja nicht bloß als naiver Barfuß-Gänseblümchen-Maschinenstürmer dastehen, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt und dessen Skepsis gegenüber den Möglichkeiten, die eine weltumspannende K.I. und die Verbesserung des humanen Genoms der Menscheit bietet, ohnehin scheitern wird. Gerade Verweise auf medizinische Fortschritte sind in Diskussionen mit IT-Positivist*innen ja immer wieder gern genommene Argumente. Und ja, unsere Leben werden einfacher, vernetzter, besser... - vielleicht gelingt mit der Überwindung des Homo sapiens ja auch die Überwindung des Hungers, des Krieges, der Unterdrückung, des Todes.

Max Franz Johann Schnetker, Biologe, Philosoph und Anarchist, hat in seiner Schrift sowohl die positivistischen als auch die apokalyptischen Narrative (Knechtschaft des Menschen unter einer überlegenen K.I.) der transhumanistischen Weltsicht analysiert. Beiden Denkungsarten attestiert er in letzter Konsequenz eine Verwurzelung in einer rechten (d.h. autoritären, d.h. protestantisch-marktradikalen) Ideologie. Diese Analyse ist letztlich Inhalt des 130 Seiten umfassenden Bandes, das vergangenes Jahr im Unrast-Verlag erschienen ist. Der Schwerpunkt liegt hierbei deutlich auf der künstlichen Intelligenz, wohl auch deshalb spielt der oben erwähnte L. Sorgner keine Rolle, zahlreiche Vordenker aus dem Umfeld der Tech-Giganten (z.B. Lawrence, Bostrom, Yudkowski) aber sehr wohl. Schnetkers Betrachtungen sind ausführlich und flächendendeckend, mitunter lesen sie sich etwas akademisch. Doch "Transhumanistische Mythologie" will auch keine Streitschrift sein, sondern sachlich und fundiert aufdröseln, wie sehr die freundlichen und smarten, immer auch sehr diversen und das Weltwissen teilenden, Tech-Giganten im Kern einem rechtem Denken verpflichtet sind, das auch ihre heutigen Tätigkeiten und Zielsetzungen bestimmt. Daß Google, Apple, Facebook und Co. das kapitalistische Wirtschaften nicht infrage stellen, ist ohnehin klar - doch ob die Menschheit letztlich den Kapitalismus überleben und überhaupt in den zweifelhaften Genuß jenes noch weit in der technologische Zukunft zu verortenden Philosophenkönigs namens Singleton ( = K.I. Supernanny) kommen wird, das ist die Frage, die am Ende der Lektüre stehenbleibt. Ein naiver Maschinenstürmer ist Schnetker hingegen sicher nicht, und eine Handlungsanweisung gibt er ebenfalls keine, außer der, daß wir dringend die Entwicklung im Blick behalten und stetig hinterfragen müssen. Um das tun zu können, ist sein Buch ein großer Gewinn.

Hilfreiches für den widerständigen Alltag findet man hingegen eher bei capulco (https://capulcu.blackblogs.org/) oder digitalcourage.org

Hier ein interessantes Interview mit dem Autor im Future Histories Podcast: https://www.youtube.com/watch?v=_INC4...
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.