»Es dauerte nur Sekunden, und Frida war zurück in Burma. Sie ging an der Seite von Rajkumar durch die Straßen von Mandalay. Sie ging und las. Sie sammelte Buchstabe um Buchstabe mit ihren gierigen Augen von den Zeilen auf und befeuerte damit ihre Fantasie wie einen trockenen Osterhaufen mit Heu.«
Frida sucht. Als Mädchen in den Wiesen und Wäldern nach Worten, die Geschichten formen. Als junge Frau nach einem Leben, das sich richtig anfühlt.
Alina Lindermuths Romandebüt erzählt von einer behüteten Kindheit auf dem Land, die zuerst in die Hauptstadt und schließlich in die weite Ferne führt. Dreizehn Jahre vergehen zwischen dem Aufschlagen einer Buchseite am Fuße der Karawanken und dem Zuklappen eines Notizbuches in den Ebenen von Bagan.
Inhalt: Im Fokus der Geschichte „Die Wahrscheinlichkeit des Zufalls“ steht die Protagonistin Frieda. Die Geschichte wird in drei Zeitebenen erzählt: Friedas Kindheit in Kärnten, ihre Studienzeit in Wien und zum Schluss ihre lang ersehnte Reise nach Burma. Hierbei ist Frieda immer auch der Suche. Als Kind flüchtet sie sich mithilfe von Büchern in die weite Ferne. Als junge Erwachsene nach einem Leben, das sich richtig anfühlt.
Fazit: Alina Lindermuth hat hier einen wundervollen Debütroman geschaffen. Hautnah erlebt man Friedas Leben und Entwicklung mit. Dies wird mithilfe des wundervollen und wandelbaren Schreibstils der Autorin unterstrichen. Während sie in Fridas Kindheit in einem kindlichen Stil schreibt, wird mit Friedas zunehmenden Alter auch der Schreibstil sowie die Sichten und Monologe der Protagonisten zunehmend erwachsener.
Insgesamt empfand ich das Buch selbst sehr stimmig und nicht zu weit hergeholt in Bezug auf unnatürlich geschaffene Situationen. Es ist großartig zu lesen und schafft daher ein authentischeres Gefühl. Nicht zuletzt habe ich mich in einigen Situationen wiederfinden können.
Fridas Weg – zu sich selbst Seit Frida als Kind ein Buch über Burma gelesen hat, hat sie Sehnsucht nach diesem Land. Bevor sich dieser Traum erfüllt, erzählt das Buch aber noch über Fridas Kindheit in Kärnten und ihre Studienzeit in Wien. Schon als kleines Mädchen ist sie begeistert von Büchern und ihre Liebe zu Wörtern hält sie seither in Notizbüchern fest. Das Cover ist so schlicht wie gleichzeitig auch auffällig: schwarze Lettern auf knallgelbem Hintergrund. Der Titel ist aussagekräftig, denn gewisse Situationen im Leben sind eben einfach von Zufällen geprägt. Auch die prägnanten Kapitelüberschriften sind durchaus gut gewählt und verweisen auf den darauffolgenden Inhalt. Die Kapitel, in angenehmer Länge verfasst, alternieren bis zur Hälfte des Buches zwischen den Beschreibungen der glücklichen Kindheit auf dem Land und der Zeit an der Universität in Wien. Der Schreibstil ist dabei jeweils auch etwas an Fridas Alter angepasst, ohne aber in den frühen Jahren „kindisch“ zu wirken. Danach merkt man, dass Frida „erwachsen“ genug ist, um die Erlebnisse des kleinen Mädchens hinter sich zu lassen und die weiteren Abschnitte erzählen abwechselnd vom Leben als Studentin in Wien und in Asien. Frida ist am Ende des Buches 23 Jahre alt, und man fragt sich, welche Erlebnisse bis zu diesem Alter ein umfangreiches Buch füllen könnten. Der Zauber dieses Romans liegt allerdings nicht so sehr am Erlebten, sondern in der Wortgewandtheit der jungen Autorin. Sie schafft es, selbst banale Geschehnisse in Wörter zu kleiden, die den Leser einfach nur in ihren Bann ziehen. Ihre wortreichen Beschreibungen verwandeln auf diese Weise selbst das Alltägliche in wunderbare Erlebnisse; egal, ob es ich dabei um die Streifzüge der Kinder im Wald oder auf den umliegenden Wiesen des Elternhauses handelt, oder um die Wege, die Frida in Wien mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt – alles wird für die Leser greifbar und interessant. Fridas Leben nimmt einen wirklich vollkommen ein. Die eingestreuten WhatsApp-Nachrichten zwischen der Studentin und ihren Wiener Ladies scheinen daher auch für den Leser manchmal wie eine kleine Erinnerung, dass es hinter der Geschichte durchaus auch noch eine reale Welt gibt. Der Roman lebt von den Beschreibungen der Umgebung, des Alltags und auch mit der Auseinandersetzung mit den anderen Charakteren der Geschichte. Auch Fridas Freund- und Liebschaften machen dieses Buch zu einem Entwicklungsroman, denn über ihre Stationen in Kärnten, Wien und Asien findet die Protagonistin auch ein Stück zu ihrer eigenen Identität. Ein wunderschöner Debütroman, der neugierig auf die weiteren Werke der jungen Autorin macht.
Alina Lindermuth is a fantastic storyteller. I couldn't put this book down. As soon as I started, I was sucked into her world. A world that seemed so familiar and immediate, yet so far in the past. I saw myself in many of the situations she describes: Studying business, not knowing if I made the right decision, surrounded by people who seemed so absolutely sure of their summers spent in consulting internships and their future with fancy titles and suits. I saw myself in the longing to leave she describes, getting far away from that world that didn't make sense to me at that time. And the fear of getting too close, of falling too deeply.
I am deeply impressed by Alina's talent to make words come to life and to paint worlds others can lose - and find - themselves in.Definitely one to watch!